Wenn du arm bist

Kein Schulabschluss
keine Perspektive
ohne Zähne
ist das Lachen
für sie nichts wert
für mich bist du alles
auf der Arbeit
bist du abhängig
zu Hause bist du
es auch, weil da
überall nur
Arschlöcher
zugange sind
die Macht ist
erbarmungslos
wenn du nichts
hast, dann bist
du nichts, wirst
geächtet von
denen, die
glauben, dass
sie etwas besser
sind. Sind sie nicht
Deutschland ist
ein Arschloch
zu dir, wenn du
zu nett zu ihm
bist, dann fickt
er dich nicht
nicht mal mehr
in den Arsch;
am Abgrund
steht ein Mensch
der sich nichts
zu Schulden hat
kommen lassen
außer, dass er
nicht
funktioniert
für sie, ihn; alle

als du jung warst
hattest du eine
Hoffnung, kurz
dann kam das
Nichts, das du
heute noch so
liebst, wenn es
dich einfach
kurz in Ruhe
auf der Bank
am Spielplatz
sitzen lässt bei
den Kindern
die du abtreiben
musstest oder
nicht, weil er sie
aus dir geprügelt
hat wie aus einem
Stück totem Fleisch

wenn die Sonne
dir ins Gesicht scheint
dann bist du schön
nicht so, anders
die Zähne sind
egal, denn das
Licht zeigt das ›Ich‹
das die Menschen
nicht zugelassen
haben, weil sie
das Mädchen
gebrochen haben
alle zusammen
nicht einer alleine
alle zusammen
auf ihre je eigene
Art und Weise
die verächtlichen
Blicke waren nicht
besser als die Täter
die du nicht erschießen
konntest, weil du keinen
Revolver hattest und
weil du die Wohnung
das Essen brauchtest
um nicht wieder in die
Hände der Zuhälter
zu geraten, die den
Niedriglohn als Hurensold
begreifen, die Ansprüche
stellen, an dich und
die ganzen anderen
die sie mit Füßen treten

an der Kasse bei REWE
fehlen dir 2 Cent um
eine Flasche Wasser
zu bezahlen

ich komme nicht darüber hinweg
wieso die Stadt das hier zulässt
aber ich respektiere das Leben
das man nicht annehmen kann
aber muss

Ich merke jetzt, wie gut
es mir geht und was es bedeutet
wenn alles egal ist, wenn man
einfach nur Schriftsteller ist
mit so seltsamen Fragen an
die eigene Dekadenz.