Cash Trippin (2013)

Clemens Fuhrbach - Demos I, Artwork (Bild)

Diverse Demos (seit 2009)

Anfänge (2006)

DEINE VORSTADT – Jetzt und Wir (2021)

Foto DEINE VORSTADT - IMMER WIEDER ALTE LIEDER

Immer wieder alte Lieder (2017)

JUNG+zerbrechlich (2011)

Vorstadt - Achtundzwanzigsieben (Grafik)

Achtundzwanzigsieben (2008)

Text

Es geht um
mehr als
geschriebene
Zeichen

Was wir als ›Text‹ bedeutungsvoll nennen, entsteht immer dann, wenn ein Autor seine 1Wirklichkeit zeichenhaft bindet, ein Leser sie als neue 2Wirklichkeit konstruiert und beide miteinander in 3Wirklichkeit gemeinsam darüber sprechen, wie es eigentlich mehr ist.

Das Experiment

Ein Roman. Fortlaufend seit 2018

Als ich vor der Tür stand, meine Schlüssel offensichtlich vergessen hatte und nun beim erneuten Abtasten meines Körpers feststellen musste, dass auch mein Smartphone nicht in erreichbarer Nähe war, bemerkte ich plötzlich, dass es keine Telefonzellen mehr gab.

Das Experiment ist ein Roman, der seit Januar 2018 fortlaufend entsteht und erscheint. Zu Beginn erlebt der Protagonist einen Tag der Veränderungen. Er kommt früher nach Hause als sonst, hat seinen Schlüssel vergessen und stellt nun im Hausflur fest, dass er mit den Ereignissen seiner Gegenwart völlig überfordert ist. Er sucht Erklärungen, sammelt Beobachtungen und erinnert sich an die Geschichte seiner Großmutter.

Kapitel 2
Gesamt

Kattowitz im Herbst

Impressionen einer Reise im Oktober 2017

War jetzt auf dem ersten Rundgang.
Gewöhne mich langsam an mich in der Stadt.
Es gibt diese Spannung sehr deutlich zwischen vergangener Arbeit und
glücklichem Heute riecht man die Kohle.

Kattowitz im Herbst entstand während und im Anschluss einer Tagungsreise im Oktober 2017 innerhalb von nur einer Woche als lyrische Verschlagwortung erfahrener Wirklichkeit und als Produkt subjektiver Verarbeitung und Übersetzung von erlebter Welt in ästhetische Sprache. Als lyrische Umsetzung von Emotionalität ist der Text als Partitur zum lauten Lesen geschrieben. Besonders die laute Lektüre als akustische Umsetzung von Sprache in ihrer gesamten Musikalität sei daher dem*r Leser*in ans Herz gelegt.

Drei Personen sitzen an einem Tisch. Links der Graben. Der Hintergrund ist dunkel, schwarz. Man sieht einen roten Vorhang im Schatten. Künstliches Licht erhellt die Szenerie. Hinter dem Graben sieht man leere Sitzplätze. Von der Position auf der Bühne ist schwer zu erkennen, inwiefern die Plätze gepolstert sind. Dass die Szene sich durch eine gewisse Härte auszeichnet, bleibt ein Widerspruch in der seichten Kontur.

Alles sieht danach aus, dass es sich um eine Übung oder eine Probe handelt. Die Personen am Tisch unterhalten sich. Es wird gelacht. Das Buch scheint keine wichtige Rolle zu spielen. Sätze fallen und werden zu offenen Dialogen. Die Perücke des Menschen gegenüber am Tisch ist kastanienbraun. Durch die gelockten, längeren Kunsthaare, die im Licht auffällig glänzen, wirkt das Gesicht lächerlich. Obwohl man es gar nicht erkennt. Es ist hell, dass die Nase in der Mitte und die Augen darüber liegen, bleibt eine Vermutung.

Der rechte Platz ist besetzt, aber bleibt in der Unterhaltung passiv. Stört aber auch nicht. Die Stimmung ist gelöst. Es ist fast schade, dass die Probe nicht aufgezeichnet wird. Wenigstens das. Eine Unterhaltung funktioniert auch ohne Publikum. Aber sie bleibt wenig bedeutsam. Das Lachen und der Applaus fehlen für die Bedeutung.

Die Regisseurin ist per Tablet zugeschaltet. Eine Stimme aus dem Off erklärt über die Lautsprecher, dass ihr Platz gerade aber unbesetzt ist. – Jetzt, wo sie es sagen… Auch auf Distanz muss man mal Kippen holen. Sie holt noch zwei Kurze dazu. Abseits der Bühne. Was soll der Geiz. Das Leben ist sowieso eine kurze Angelegenheit. Der scharfe Geruch des Alkohols fehlt nicht. Rauch kommt notfalls aus der Nebelmaschine.

Der Lautsprecher ist offensichtlich noch offen. Er streitet sich mit der Frau seines Vertrauens. Lautstark. Das Gespräch auf der Bühne ist kurz unterbrochen. Dann zieht er den Regler am digitalen Mischpult runter. Der offene Impuls in den Raum bleibt unbemerkt. Ihm ist offensichtlich nicht bewusst, dass unten noch Menschen sitzen.

Die Batterie am Tablet geht aus. Auch das Streaming ist irgendwann zu Ende. Immerhin hat das WLAN heute den Akku besiegt. Liegt aber auch nur daran, dass nach gestern nicht geladen wurde. Noch ein Versäumnis der Requisite. Was will man machen. Auch Handwerk verlernt man, wenn es nicht kontinuierlich gebraucht wird.

Drei Personen am Tisch schweigen sich an. Plötzlich erstarren sie wirklich. In der Person im vorderen Bildbereich regt sich Widerstand. Eine Panik als bliebe die Luft weg. Der Zustand wird klaustrophobisch. Nicht mehr im eigenen Körper. Gefangen, ganz in der Figur. Kein Entkommen, keine Bewegung. Alles erstarrt. Der Dialog ist am Ende. Dabei gäbe es noch einiges zu sagen. Zu lachen.

Drei lustige Erinnerungen wurden noch nicht „noch einmal“ erzählt. Gerade jetzt, wo das Tablet schweigt und die Requisite wahrscheinlich die Kinder aus der KiTa holt, wäre ausreichend Raum, sich mal über alles und jeden auszulassen. Mobbing am Arbeitsplatz ist scheiße, aber passiert. Die Anspannung muss irgendwo hin. Aber gerade jetzt staut sich der Rauch unter Haut.

In einem lauten Knall tritt der Tod von rechts auf die Bühne. Er ist dunkel gekleidet und ansonsten unkenntlich. Er (oder sie?) steht im Kontrast zu den Figuren am Tisch. Requisite ein Messer. Keiner kann sich bewegen. Alle haben Angst. Die rechte Figur wird von hinten vom Stuhl gezogen. Gegen ihren Willen und doch regungslos. Alles ist kurz lebendig. Dann ist es zu Ende.

Vorhang.

A: Jetzt sind wir zwei. Wir unterhalten uns. Die Stille ist nicht zu ertragen.

B: Finde ich auch.

A: Immerhin.

Abgang.

Theorie

Aktuelles Projekt

Polyphone Autorschaft als Politik in der Literatur ›Heinrich Bölls‹

Zur Autorschaft als Suche nach Ausdruck im Umgang mit Sprache

Das Thema der Polyphonen Autorschaft als Politik in der Literatur ›Heinrich Bölls‹ befasst sich mit der Frage, in welchem Selbstverständnis der Autor ›Heinrich Böll‹ sich in seiner Gesellschaft als Zeitgenosse bewegt hat und in welcher Art und Weise diese Haltung auf Werkebene sprachlich nachvollziehbar entwickelt werden kann. Am Beispiel wird so eine eine allgemeine Perspektive der Autorschaft in Abhängigkeit zur Gesellschaft der Gegenwart formuliert.

Im Jahr 2017 wäre der Autor Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Sein politisches Engagement wird durch die Heinrich-Böll-Stiftung e.V. in der Welt fortgesetzt. Wie aber steht es um das literarische Erbe des Nobelpreisträgers von 1972? Hat die Stimme Bölls eine Gegenwart und wenn ja, welche – oder müsste die Frage besser lauten: Wie viele? Zeitgenossen stellten sich dieser Frage nicht. Zu offensichtlich gab es den einen politischen Böll, die moralische Instanz und das „Gewissen der Nation“ und den anderen, dessen literarische Mittel begrenzt waren. Den, der im Nachkriegsdeutschland zur rechten Zeit am rechten Ort war und vom sprachlichen Vakuum des Neuanfangs profitierte. Beide Rollen wies Böll von sich und widersetzte sich einer öffentlichen Instrumentalisierung. Dennoch empfand er sich als „Gebundener“ (Frankfurter VL, 1964, KA 14) und stellte sich demonstrativ der Öffentlichkeit, brach mit Tabus und provozierte Kontroversen. Notwendiges Mittel dazu war die „Sprache als Hort der Freiheit“ (Die Sprache als Hort der Freiheit, 1959 , KA 10), in der er nicht Wahrheit, sondern Ausdruck suchte und konsequent vermittelte.

Im sprachlichen Ereignis verbinden sich nicht nur die politischen und literarischen Ebenen der Autorschaft ›Heinrich Bölls‹, sondern zugleich die Grundlagen jeder Diskussion von Politik und Literatur, denn beide Orte brauchen die Sprache als Medium der Kommunikation und Vermittlung. Die Sprachkonzeption Bölls erinnert dabei an ein polyphones Verständnis nach Bachtin und stellt dialogische Sprache einer monologischen gegenüber. Dementsprechend war sich Böll dessen bewusst, dass Sprache auch Macht und Manipulation bedeuten kann, wenn sie monologisiert und radikalisiert wird: „Sprache ist Propaganda und strategisches Mittel, Kriege fangen immer mit Worten an, immer.“(»Gewissen der Nation? Reiner Quatsch«, 1982, Interview mit Sigrid Löffler, KA 26) Böll kannte die politische Dimension jeglichen Sprechens und Schreibens spätestens seit der totalitären Herrschaft in der NS-Zeit. Demokratischer Gegenentwurf konnte deshalb nach 1945 nur eine Sprachkonzeption bedeuten, die Vielfalt erkannte und kommunizierte.

Stand: Herbst 2016

Publikationen

  • Der gemeinsame Text als soziale Erfahrung im Deutschunterricht – kollaboratives Arbeiten und kooperatives Schreiben als Prinzip einer hybriden Didaktik.
    In: Erscheint 2021.
  • Polyphone Identitätskonstruktion am Beispiel der Figur ›Heinrich Böll‹.
    In: Erscheint 2021.
  • Die Grenzüberschreitung als Prinzip in der Sprache von Heinrich Bölls Hörspiel Hausfriedensbruch
    In: Agata Mirecka und Natalia Fuhry (Hrsg.): Zwischen Harmonie und Konflikt. Paarbeziehungen im europäischen Theater des 20. und 21. Jahrhunderts, Reihe Warschauer Studien zur Kultur- und Literaturwissenschaft, Peter Lang: Berlin [u.a.] 2020.
  • Frei zu sein, heißt, frei zu singen – das politische Lied vom ‚Vormärz‘ bis in die Gegenwart
    In: Joanna Godlewicz-Adamiec und Tomasz Szybisty (Hrsg.): Literatura a polityka / Literatur und Politik, Verlag der Universität Warschau: Warschau 2020.
  • Der private ›Böll‹ als Autor der Öffentlichkeit. Von »Zeitgenossenschaft« zu ›Zeitgenossenschaft‹
    In: Renata Dampc-Jarosz und Pawel Zimniak (Hrsg.): Politischen Konjunkturen zum Trotz. Heinrich Bölls Wirklichkeitsrepräsentationen, Studien zum 100. Geburtstag des Schriftstellers, Formen der Erinnerung, Band 67, herausgegeben von Jürgen Reulecke und Birgit Neumann, V&R unipress: Göttingen 2018, S. 71-84.
Foto Politischen Konjunkturen zum Trotz (2018)
  • Identitätskonzepte in der Literatur. Internationale Konferenz, veranstaltet durch das Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2019.
  • Literatur und Politik, veranstaltet durch die Universitäten Warschau, Krakau, Wuppertal und Santiago de Compostella, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Krakau, 2019.
  • Paarbeziehungen auf der Bühne des 20. und 21. Jahrhunderts, veranstaltet durch die Pädagogische Hochschule Krakau in Kooperation mit der TU Dortmund, 2019.
  • Krieg in der Literatur, Literatur im Krieg. Tagung der Schlesischen Universität Katowice. Besucher der Tagung und des Instituts für germanische Philologie in Sosnowiec, Veranstaltung eines Seminars zum Thema „Kreatives Schreiben als Experiment im wissenschaftlichen Alltag“, 2018.
  • „POETUS LITERARUS“. HEINRICH BÖLL ZUM 100. GEBURTSTAG, veranstaltet durch die Schlesische Universität Katowice in Zusammenarbeit mit u.a. der Heinrich-Böll-Stiftung e.V., 2017.
  • Die Zukunft der Wissensspeicher, veranstaltet durch das Wissenschaftsforum der Universität Konstanz und die Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf, 2015.
  • Richeza-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung mit dem Projekt „Frei zu sein, heißt, frei zu singen – politische Lieder gestern und heute in Polen, der DDR und in der Bundesrepublik“ – in Zusammenarbeit mit Prof. Matthias Bickenbach (Köln, DE) und Prof. Renata Dampc-Jarosz (Sosnowiec/Katowice, PL).
  • Politische Lieder in Deutschland – historisch und in der Gegenwart – Das politische Lied ist seit jeher nicht nur der Ausdruck des politischen Denkens, sondern es steht in der Schnittstelle des Sagbaren und vermittelt so die soziale Grenzerfahrung durch Sprache. Wie frei ist man wirklich und wie kommt die Unabhängigkeit in der Sprache der Lieder zum Ausdruck? Diese Leitfrage ist Ausgang der Untersuchung.

Studium der Germanistik, Geschichte, Erziehungswissenschaften und Biologie an der Universität zu Köln. Seit 2016 Promotion bei Prof. Dr. Matthias Bickenbach zum Thema Polyphone Autorschaft als Politik in der Literatur Heinrich Bölls. Forschungsschwerpunkte: Sprache und Polyphonie, Theorien der Autorschaft, Praktiken des kreativen und wissenschaftlichen Sprechens wie Schreibens, Politik und Literatur, Heinrich Böll, Hannah Arendt, Jürgen Habermas, Digitalisierung/Literatur Digital.

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Ich habe vor einiger Zeit ein paar alte Artikel und Blogs zur Überarbeitung weggelegt. Das betrifft auch Seiten zu musikalischen Projekten. Bei manchen Sachen hatte ich auch schon überlegt, dass ich sie vielleicht besser ganz lösche. Aber irgendwie gehören sie ja zur eigenen Biografie. Und ich setze fest darauf, dass die Zeit und die Zukunft die Ecken und Kanten der alten Sachen irgendwie gerade biegen. Vielleicht muss das auch gar nicht sein.

Künstler haben immer Probleme mit ihren frühen Werken.

So oder so ähnlich habe es mal gelesen oder gehört. Mir sind beide Begriffe fremd: Künstler sein und Werke produzieren. Dennoch ist es keine Schande, wenn man Arbeit, die man sich gemacht hat, auch sichtbar wird.
Bauern ernten schließlich auch keinen Strauß Kartoffeln aus einer einzigen Saatknolle.

Ich habe heute den Text „Arbeiterviertel“ und das Gedicht „Mit Dido“ eingelesen und hochgeladen.

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