Foto Solange die Mühlen malen (08.12.2019)

Foto Solange die Mühlen malen (08.12.2019)

08. Dezember 2019

Solange die Mühlen malen // Mann an der Theke steht auf Oper und Punkrock / „…leider schaffe ich es nicht mehr, euch zu hören…“ / „…klang gut.“ / „Euer Sound gefällt mir…“ / „…solange halte ich nicht mehr durch…“ / „…in meinem Alter.“ / „…ich bin zu besoffen…“ / „…meinen Vater habe ich nicht gekannt…“ / „…war Opernsänger…“ / „…von Wagner zur Rockmusik ist es ja nicht mehr weit.“ // Aussagen stehen im Raum / müsste man prüfen / stehen für sich. // Ich male das Bild / von gestern / am Tag danach / alles erlebt wie auf Schienen / im Zeitraffer / Freunde fürs Leben / das kommt einem ganz plötzlich so kurz vor / Acryl trocknet schneller als Öl / in Öl ist die Farbe brillanter / keine Farbe ist das bessere Blatt / am seidenen Faden folgen Pinselbewegungen / dreht sich die Rolle über die Leinwand / gräbt sich der Spachtel / von Pigment zu Pigment / bis es plötzlich für einen Moment ganz genau so ist / als wärest du / er oder sie / ganz plötzlich da / für einen Moment nur / der genau das ist / dieses kurze „Für immer.“ / nachdem man sich nur sehnt / weil die Falten verwerfen / was nicht für immer hier bleibt und gerade deshalb so schön ist / dass man jeden einzelnen Bildpunkt / krampfhaft fordert / sich in einem Pixel zu reduzieren / auf das Wesentliche / das Kondensat aus mindestens Zwei / Familie und Freunde / zwei tapfere Gefährten*innen / für immer und jetzt / bis die Feuchtigkeit die Leinwand verlässt / etwas das bleibt / wie der Rauch über dem Schornstein / und das Bild / das sich einfach / in verschiedenen Stimmen verflüchtigt / und gerade dann so konkret wird / dass die Emotion / das bisschen Vernunft lächelnd kontert / um sich einfach zu lieben / im gemeinsamen Glück / für einen Moment / jenseits der Zeit / als hätte man den Vater getroffen / „…oder wenigstens mal singen gehört.“ / Jenseits des vergangen Körpers / durch die Generationen von morgen / heute und gestern.

Foto Fragmente 10. September 2019

Zwischen den Zeilen sammeln sich gelbe Markierungen und Seite für Seite kommen Dinge hinzu, andere fallen weg. Wer aufmerksam liest, nimmt das abstrakte Gegenüber ernst. Das ist eine Frage des Respekts. Das Gefühl, dass man zu wenig gelesen hat, das bleibt und wächst täglich. Dennoch kommt mit jedem geschlossenen Buchdeckel auch die Gewissheit hinzu, dass man immerhin ein nächstes Kapitel hinzugefügt hat – und man muss ja schließlich selbst auch immer wieder mal etwas schreiben. Und auch der Tag eines Autors hat nur 24 Stunden. In Worten: Vierundzwanzig.

Tatsächlich ist es so, dass mir das Klackern der Tastatur fehlt, wenn ich ein paar Tage aus dem Haus bin. Unterwegs fällt mir das gar nicht so auf. Aber wenn ich dann wieder am Schreibtisch sitze und die Finger auf die schwarzen Plastiktasten lege, dann kehrt eine gewisse Beruhigung ein. Manchmal schreibe ich ins Blaue hinein. Da fällt mir heute mal wieder Kommentar einer Professorin ein: „Vielen Dank für Ihren impressionistischen Vortrag.“ – Ich bin noch immer froh, dass ich im Plenum saß und nicht gemeint war. Obwohl es eine große Kunst ist, eine Situation sozial so würdevoll zu vermitteln, dass alle Beteiligten gut in der Sache aussehen, ohne ein kritisches Bild zu verhindern.

Foto Tagebuch 10. September 2019

Ich schreibe also manchmal ins Blaue hinein und manchmal plane ich sorgsam. Das wissenschaftliche Schreiben ist eine ganz andere Geschichte. Da wird jeder Satz noch einmal völlig anders geprüft. Es geht um die Rhetorik, die klare Argumentation und schließlich die gleichzeitige, fluide Vermittlung durch eine grammatisch sauber klingende Sprache. Manchmal ist das ein sehr radikaler Prozess, weil es am Ende um das reine Kondensat geht – nicht um den Weg ans Ziel. Da werden Sätzen gestrichen, Kapitel verworfen und nicht zuletzt Kompromisse zu Gunsten der Sache gemacht. Man stellt das Eigene hinten an, bestenfalls spielt es gar keine Rolle. Der Körper bleibt allerdings immer die Bedingung des Schreibens. Soweit würde sicher auch der gute Foucault mir zustimmen – hoffentlich.

Das literarische Schreiben ist anders. Es gönnt mehr Raum. Lässt einem freieren Lauf in der Handlung und die Figuren müssen sich nicht durch Fußnoten beweisen, sondern durch ihre widerspenstigen Stimmen und ihre eigensinnige Sprache. Dennoch passiert auch hier nicht alles aus dem Nichts. Je länger eine Geschichte einen begleitet und je konkreter der Text wird, desto mehr entsteht drumherum. Da liegen Entwürfe, Textfetzen, Fragmente und Zeichnungen. Hier ist was als Sprachmemo aufgezeichnet, dort findet man Fotos in der Cloud, die für diese oder jene Szene eine Erinnerung sein sollten. Irgendwann schreibt man dann das Kapitel endlich und hat die meisten Vorarbeiten gar nicht mehr direkt auf dem Schirm, aber irgendwo im sog. „Hinterkopf“ – das Schreiben ist und bleibt ein seltsamer Prozess des Atmens durch Zeichen.

Ich setze mich noch einmal an den Schreibtisch und gebe mich dem Klackern hin. Mal sehen was heute noch kommt. Es muss ja nicht immer gleich die Erfüllung des großen Konzeptes sein, die den Körper und die Figuren auf dem Weg dorthin trainieren.

 

Foto Headphones

Foto Headphones

07. September 2019

Headphones // Ein paar Minuten gegen das Licht / für ein paar Takte im Regen / für ein paar Akkorde so wie 2006 / im Leben den Anker werfen / der Rastplatz auf dem Weg ins Glück ist die Musik. //

Foto Arbeiterviertel

Ich wohne nun eine ganze Weile in Kalk. Laufe durch Buchforst zur Bahn. Mal schleiche ich nachts durch die Straßen, mal bin ich wachsam wie ein übereifriger Jagdhund in Erwartung der nächsten erfolgreichen Fährte. Wenn ich nach Hause komme, komme ich mittlerweile hier her. Man gewöhnt sich an die Häuser. Den Dreck auf der Straße. Den Lärm vom Güterbahnhof. Das Quietschen wenn sich der Stahl aneinander reibt. Man gewöhnt sich auch an die Menschen mit denen man lebt – nie wirklich, nie ganz. Auch sie quietschen irgendwie. Mitten in der Stadt teilt sich das Viertel in einen Bereich für Gebliebene und einen Durchgangsbereich für die immer aufstrebende Jugend.

Manchmal zieht sich diese „Jugend“ bis in den Ruhestand. Aber die Euphorie und die Hoffnung des Anfangs und darauf, dass alles auch hätte anders kommen können und das Wissen darum, dass es manchmal auch immer noch anders kommt, hält hier viele erstaunlich jung – trotz der ewigen Zigarette in der Kneipe ums Eck, die es hier natürlich noch gibt. Mittlerweile müssen die rauchenden Köpfe raus. Da boxen sich schon mal zwei wegen des zusätzlichen Stresses. Letztes Jahr erst fallen zwei Kampfhähne einfach um. Der eine wiegt doppelt so viel wie der andere. Die Wirtin kommt auf den Bürgersteig und ruft ihm irgendwas zu. Sie habe ihm doch gesagt er solle jetzt nach Hause gehen. Morgen haben sich hier eh alle wieder lieb und liegen sich in den Armen. Trotz der ständigen Zwietracht. Die Gruppe der anderen steht drumherum und starrt mit glasigen Augen in dieses seltsame Nichts, das hier das Highlight des Tages bleibt. Und das ist nicht mal Ironie, schließlich kommt die Polizei wenige Minuten später um die Ecke und konterkariert die Dramaturgie des Samstags, der hier um 17:59 Uhr schon deutliche Spuren der Zersetzung hinterlassen hat.

Ein paar Meter weiter treffe ich auf die Nachbarschaft. Hinter dem Fenster, das eigentlich immer offensteht; fast wie ein Beichtstuhl für jedermann*frau. Das Loch ist das offene Ohr des Viertels. Hier sammelt sich das, was niemand über Twitter erfährt. Einmal wurde einer lauthals weggeschickt. Es blieb eine Ausnahme (soweit ich weiß). Aus der Wohnung riecht es immer ein wenig nach kaltem Rauch, auch wenn gerade niemand in Sicht- oder Hörweite ist. Der Geruch schmeckt nach alten Möbeln und kaltem Fett. Aber irgendwie bekommt dieses Fenster gerade dadurch so etwas wie Leben eingehaucht. Die ständige Präsenz des Gestern ist hier im kalten Fett konserviert. Gespräche über wie viele Hunde mögen hier schon erfolgreich geführt worden sein? Es muss sich um einige Generationen handeln. Heute spielen alte Hunde keine Rolle. Neue Gespräche kommen dazu. Man hat sich zum Grillen getroffen. Der Startschuss muss schon etwas her sein. Auf der Mauer liegen einige Halbe. Natürlich sind sie allesamt leer. Ich schätze die Zahl auf etwa einen Kasten. Halb Gilden, halb Reissdorf – in jedem Falle Kölsch. Wenn ich auf dem Heimweg bin, wird sich die Sammlung um einen Mauerabschnitt verlängert haben, da bin ich mir sicher. Die Stimmung ist hier am Wochenende immer noch gelöster als unter der Woche. Wenn das Wetter passt, trifft man sich in der Gemeinschaft. Irgendwie sieht es aus, als gäbe es für jeden einen sicheren Platz.

Kindern wird hier besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Man kümmert sich. Alkohol hin oder her. Ein Planschbecken steht auf der Wiese neben dem Spielplatz, der keiner mehr ist. Vor einigen Jahren hat man die baufälligen Klettergerüste entfernt. Geblieben ist dreckiger Sand. Wahrscheinlich folgen die sich gegenüberliegenden Wohnblocks bald und werden abgerissen. Wenn die neuen Häuser stehen, sind die Kinder längst von hier weg – nicht bis ans andere Ende der Welt, aber in eine andere Straße gezogen. Man denkt hier klein. Und authentisch. Weiter kommt man nicht. Das ist so. Kein Grund zur Depression. Hier muss man das Leben hart arbeiten. Man bleibt bescheiden. Manche bleiben immer an Ort und Stelle und werden einfach alt. Ein paar Häuser weiter lehnt einer auf dem Balkon. An anderer Stelle raucht einer am Fenster. Der Mann in der Trainingsjacke vom Fußballverein ist heute wohl allein in seiner Wohnung. Normal vertritt er sich etwas wirr die Füße vor der Tür, nachdem der Pflegedienst da war.

Die Wiese mit dem Pool der „armen Leute“ macht einiges her. Spielzeug liegt auf dem Rasen. Es sieht alles irgendwie zufällig, aber sehr liebevoll hergerichtet aus. Neben dem Gerede der solidarischen Gemeinschaft klingen die Kinderstimmen gleichermaßen wie das Glück vergangener Tage und die zukünftige Erinnerung an die gemeinsame Zeit, damals im Sommer, als man Pläne schmiedend in den Sternenhimmel starrte und darauf wartete, dass die Erwachsenen sich darüber beschweren, dass man immer noch wach sei. Aber man hatte hier ein sehr lockeres Händchen in Sachen Erziehung und damit ist das Gegenteil von Gewalt gemeint. Konturlos bliebt das Zusammenleben trotzdem nicht. Tagsüber sprach man manchmal von einer anderen Welt. Man erzählte sich von dem, was andere „Reisen“ nannten, aber man selbst nicht mal im Urlaub finanzieren konnte. Die Realität war ernst. Aber ehrlich. Kein Amerika, Australien oder Neuseeland. Träume blieben bodenständig. Manche fuhren natürlich in den Ferien in die von anderen so genannte „Heimat“. Das war aber kein Reisen. Andere blieben auch deshalb einfach hier. In der Grundschule sagte ein Kind einmal einen Satz, den es aufgeschnappt hatte und der fast schon philosophisch klang: „Flugzeuge sind fremde Himmelskörper“.

Eigentlich ist die Heimat hier in Köln-Kalk, die Nachbarschaft und der erste Junge mit dem man hier im Kellereingang schlief. Zumindest fast. Das gemeinsame Spiel. Die Sprünge ins kalte Wasser im Pool. Das seltsame Lachen von einer Frau in der Gruppe. Der Einfallsreichtum des Mannes, über den sie alle herzhaft grübeln – wenn er gerade für fünf Minuten auf der Toilette verschwindet, aber natürlich alles im hellhörigen Hof mitverfolgen kann. Und es ist dieser zynische Realismus und der unangestrengte Humor von allen in dieser besonderen Gemeinschaft.

Natürlich ist die Mauer ein Grenzfall. Inmitten von Holzkohle und Fleisch riecht der Alkohol scharf und treibt die Unruhe des Entzugs auch in die Kinderlunge. Der Tremor, den glückliche Tage hinterlassen, ist keiner von dem man in schlechten Zeiten zur Ruhe findet. Der Schlaf bleibt stets unruhig, wenn man direkt an der Autobahn wohnt. Und wenn die Miete wieder fällig ist, aber das Konto leer und der Wohnraum doch ohnehin nicht reicht. Man sucht das Glück in der Luft. Zwischen den Häusern. Die Hoffnung auf ein Leben irgendwo anders in Freiheit bleibt. Aber ob der Aufstieg gelingt und wer eine faire Chance bekommt, das steht nicht in den Sternen, sondern auf der Monatsendabrechnung. Es ist greifbar. Oder eben nicht. Manchmal fahren hier Autos über die Straße, die noch illegaler aussehen, als sie klingen. Schwarzgeld, Drogen oder Schutzgeld – man sieht die Kriminalität, wenn man genau hinschaut. Erst neulich standen zwei Männer im Kiosk, einer an der Tür, einer im Raum. Der Kioskbesitzer – ich habe übrigens erst durch einen seltsamen Zufall begriffen, dass Er nicht der Andere ist, der auch manchmal hier ist; Er betreibt den Laden wohl mit seinem Bruder zusammen; ich verband beide bis zuletzt nicht mit derselben Registrierkasse (verrückt!) – dieser nette Mann überweist gerade mit seinem Handy Geld ins Ausland und ist heute angespannt wie eigentlich nie. Und das liegt wohl kaum daran, dass ich nach dem Sport alkoholfreies Bier kaufe…

Foto Arbeiterviertel

Foto Blau machen 2019

Neulich ist es passiert. Ich schüttelte die falschen Hände. Jetzt sind meine kontaminiert. Ich nutze den Zustand der eingetretenen Blaufleckenkrankheit und schreibe von meinem Leiden. Die Aristokraten*innen sind darüber besorgt. Die Masken sitzen längst nicht mehr sicher. Locker sitzt ein*e Jede*r in seinem (sic!)1 Stuhl. Man kennt sich jetzt auch darüber hinaus. Und man befürchtet die baldige Enthauptung oder die nackte Entblößung zur Schande der eigenen Natur gegen die anderen. Wer sind sie „die anderen“ oder die Anderen? Wir sind’s bloß! Man erkennt sich so langsam, wer oder was dahinter steckt, wenn sie sich treffen – abseits der Stadt. Ohne uns! Ihren Pöbel. Am Rande der Zivilisation. Irgendwo – vielleicht in einer klimatisierten Wüste, wo das Öl fließt und wo Verträge über Krieg und Frieden, Zukunft und das Schicksal der Massen sehr nüchtern bei einem Kamelrennen verwettet werden. Jungfräulich hängen da die ersten Preise wie tote Hühner im Asiamarkt.

Der konservative Schleier der kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft hat sichtbare Flecken. Waschen hilft nicht. Nicht mal mit dem guten Persil. Das Weiß ist gefährdet. Die Bombe muss platzen. Sonst hat sie ihren Zweck verfehlt. Und nach der Revolution? Beginnt alles wieder von vorn. Wenn sich der Organismus geschüttelt und die Blauen sich wieder gefunden haben. Gebürtig sind sie Aristokraten. Nach der Geburt sind sie einfache Menschen. Wir sind die Anderen und wir werden manchmal wie sie. Gebürtig sind wir – genauso gefährdet. Das Blau schmilzt in der Lunge. Das Kamel in der Wüste plant den Widerstand. Morgen werden wir uns verbünden. Gegen den Schleier und gegen die Opportunisten und Feinde der friedlichen Welt.

 

Foto Blau machen 2019

Anmerkungen

  1. Die Aristokraten feiern den König und gönnen der Königin die Repräsentation.

Foto Tagebuch 05. September 2019

Foto Tagebuch 05. September 2019

Leute, Leute – was ist das los: Ich habe schon vier Monate keinen Eintrag mehr in meinem Tagebuch verzeichnet. Geschrieben habe ich derweil eine ganze Menge. Passiert ist irgendwie noch mehr und jetzt endlich macht sich mal die Erfahrung seit 2013 bemerkbar, denn das Scheitern an der ständigen Mitschrift der Wirklichkeit ist mir gut bekannt.

Wer nicht nur zwischendurch lebt, scheitert genüsslich am Protokoll. Aber was hier schon fast nach Anarchie klingt, ist alles andere als die Auflösung der bürgerlichen Prägung. Meine Hausaufgaben habe ich gemacht beziehungsweise – ich bin noch mittendrin. Nach einem Aufsatz zu politischen Liedern der Gegenwart, einem Text über Bölls Hörspiel Hausfriedensbruch und einem Text über die Gewalt in der Sprache von Heinz Strunks goldenem Handschuh biege ich nun auf die Zielgerade der wissenschaftlichen Arbeit ein. Der Nebel scheint, sich immer schneller zu lichten. Die Doktorarbeit und Böll begleiten mich jetzt schon eine ganze Weile. Wir gehen noch ein paar Meter und dann steht der Abschied an. Was aber weniger schwer fällt, wenn man weiß, dass man die gemeinsame Zeit schätzt und genießt. Und ich sitze auch nach fast vier Jahren noch jeden freien Tag mit großer Freude und voller Enthusiasmus an der Arbeit. Und am Schreiben. Aber wenn ich was gelernt habe, dann die Freude an der Deadline: Der Abschluss gehört zur Prüfung. Die Abgabe schafft Platz für Neues. Das macht mich mittlerweile genauso neugierig wie mich das Ende natürlich manchmal in Wehmut erstrahlen lässt. Aber wir bleiben dran…

…ach und übrigens. Wo wir gerade beim Thema sind. Ich habe ja von der schnelllebigen Zeit gehört. Und da bleibt nicht immer die Ruhe für die Lektüre langer Texte. Ich werde deshalb mal probieren, mich hier im Blog etwas kürzer zu halten. Wenn der Absatz also voll ist, dann kommt der nächste als eigener Blog. Wie sich das alles entwickelt, bleibt abzuwarten. Ich probiere mich in der wenigen Zeit abseits des Schreibtisch an neuen Formaten und suche Möglichkeiten die Seite noch einmal ein bisschen spannender zu machen.

Besuch mich also gerne wieder ab und an mal hier, schick mir gerne ein Feedback oder auch Kritik und es wäre total cool, wenn Du mich supportest indem Du Dich für meinen Rundbrief einträgst. Ich bleibe derweil dran – schreibend, singend und denkend. DANKE für DEINEN SUPPORT.

 

Foto Köln XY-Z?

29. Juli 2019

Köln XY-Z? // Ende Juli / abseits der Datenbank / Word Dokumente geschlossen / Tabellen für morgen farbig markiert / nur noch mal eben / auf einen Sprung / ans Wasser / nicht ins / – zum Abschied. // Abgesang / solo. // Stille. // Verabschiedung vom alten Proberaum / ein paar Jahre / sind dann doch / eine (verdammt lang her) lange Zeit. // Eben dann auch das letzte Mal / am Kiosk gewesen / der am Herzen verwachsen ist / bei allen / wie alles hier / wo Montagabende / es geschafft haben / dem Kater zu trotzen / bevor es dann wirklich ernst wurde / mit allem / gemeinsam / – mit der Band / zusammen- /gewachsen. // Furchen graben sich / nun / als die Noten zu langer Nächte / in das weiche Gesicht / zu lang nur / wenn es / wieder / hell wird / aber das Ende noch dauert / … // … manchmal wird das Ende dann unerwartet / ganz konkret / dann folgt der Abschied / das letzte „Goodbye“ – auf unbestimmte Zeit / Gaslight Anthem erzählen im Hintergrund sie seien „older now“ / und wir sind es jetzt auch / eine Tür geht auf / eine andere zu / das war es für heute / ist es für jetzt / der Raum ist klimatisiert / die Wärme dennoch schwer zu ertragen / die Vorstadt zieht um / muss / aber / hart zu ertragen. // Zusammen ist man / wenigstens / weniger allein / nie so sehr / wie heute / und zusammen ist man / was die Musik erst so richtig erfordert / nicht nur eine Band / sondern Charakter. // Auf in das nächste letzte Gefecht! das so dem Leben sogar irgendwie Freude bereitet. // Und das Wasser fließt, die Sonne geht unter – / Züge passieren die Brücke und die KVB kommt noch immer „sofort“ / in einer Minute / oder in fünfzehn. // Ist aber eigentlich auch egal / denn „als Gott die Zeit schuf, hat er genug davon gemacht“ / das merkt man an Tagen wie diesen / und das gilt / besonders / für Köln.

#köln #cgn #rheinboulevard #rhein #poetrylove #poetryisnotdead #strassengedicht #gebrauchslyrik #gedichte #clefu

Kölner Dom, Sonne, et cetera / Rheinboulevard (05. Juli 2019)

Kölner Dom, Sonne, et cetera / Rheinboulevard (05. Juli 2019)

06. Juli 2019

Kölner Dom, Sonne, et cetera // Im Sommer zieht es die Menschen aus der Stadt ans Wasser / in Köln an den Rhein / mit Blick auf zwei Spitzen / die im Sonnenuntergang / sich wie Dornen gegen den Himmel stellen / um noch etwas zu bleiben / heute / dann Nacht. // Wir sitzen am Ufer / morgen schon wieder/ mitten im Sommer / wie die Termiten / wenn die Schicht uns nicht bindet / und der Alltag mal zwei Minuten egal ist. // Sie reden miteinander / im Hintergrund läuft ihre Musik / Generationen vermischen sich / genau wie Milieus / vereint in kalten Getränken / und in dem Bedürfnis nach Sprache / die nicht digital korrigiert wird. // Clickbait sind heute Brezeln für Tauben / gefällt schon 300 / Liebe gekauft / nebenan ‚kennen‘ sich Menschen von Tinder / gefällt schon / *___* / Lückentexte als Integrationsprogramm / deutsche Sprache / will geübt sein. // Sie finden Antworten / gegen den jeweiligen Dornröschenschlaf / Männerquote im Märchen / manchmal lieber Prinzessin… // Sie finden sich kostümiert im Missverständis / und gehen heute nicht auseinander / erst morgen – / anders. // Eine durchgeführte Aktion nennt sich ‚entfolgen‘ / eine andere ‚blockieren‘ / man trifft sich wieder und kennt sich noch immer nicht / aber am Wasser wartet schon die neue Chance / jeden Tag / jedes Jahr / jedes Leben / und sogar noch eins länger. // Gefällt schon / *___* 


#strassengedicht #gebrauchslyrik #gedichte #koeln #cgn #lyrik #koelnerdom #koelnergram #rhein #rheinboulevard #clefu

Frei zu sein, heißt, frei zu singen (2019)

In einem eintägigen Workshop an der Universität zu Köln werden ausgewählte Lieder der Gegenwart in Gruppen thematisch analysiert und inhaltlich ausgewertet. Die Gruppen setzen sich aus deutschen und polnischen Studierenden zusammen. Lieder können in deutscher und polnischer Sprache verfasst sein. Die Arbeit erfolgt vergleichend für beide Länder. Es soll herausgearbeitet werden, welche öffentlichen Reaktionen, Kommentare oder Diskurse sich im Umfeld der Veröffentlichungen entwickelt haben. Die abschließende Diskussion der Gruppenergebnisse erfolgt zum Ende des Workshops unter der Berücksichtigung der gemeinsamen Leitfragen: (a) Welcher Freiheitsbegriff wird in den Liedern formuliert und durch sie artikuliert? (b) Gibt es eine gemeinsame, liberal-bürgerliche Öffentlichkeit im Europa der Gegenwart?

Es wird ein thematisches Rahmenprogramm organisiert. Ergebnisse werden in einem Bericht über die Zeitschrift „Wortfolge“ und online über die Institutsseiten veröffentlicht.

Frei zu sein, heißt, frei zu singen (2019)

Thema

Bis heute ist die Musik einer der wenigen verbliebenen kollektivbildenden Plätze, die Menschen in der globalisierten Welt und im digitalen wie analogen Raum über Grenzen hinweg verbindet – aber auch zur Ausdifferenzierung der eigenen Identität oder Gruppenzugehörigkeit genutzt wird. Aber wie weit darf sie gehen?

Verbote und Zensur sind sicher nicht die Lösung, aber ich hoffe, dass wir durch solche Auseinandersetzungen wie heute wieder zu einem anderen Bewusstsein finden, im Bezug darauf, was als Provokation noch erträglich ist und was nicht. (Campino, Sänger Die Toten Hosen)

Seit dem Eklat beim Echo 2018, in dessen Mittelpunkt die Frage stand, wie weit die Grenzen der Kunstfreiheit gesteckt werden können und seit der Absetzung des Preises seitens des BMVI in der Folge ist die öffentliche Debatte keineswegs zur Ruhe gekommen. Nach den Protesten in Chemnitz treten Bands wie Kraftklub, K.I.Z. oder Die Toten Hosen bei der Veranstaltung #WIRSINDMEHR gegen Fremdenfeindlichkeit und für die Werte der freiheitlichen Demokratie und für die Menschenrechte an und fordern die Bevölkerung zum Engagement gegen rechte Gewalt auf. Ein Engagement das bei der Band Feine Sahne Fischfilet erst zur Konzertabsage, dann bis zur Bombendrohung führte.

Das politische Lied ist seit jeher nicht nur der Ausdruck des politischen Denkens, sondern es steht in der Schnittstelle des Sagbaren und vermittelt so die soziale Grenzerfahrung durch Sprache. Wie frei ist man wirklich und wie kommt die Unabhängigkeit in der Sprache der Lieder zum Ausdruck? Dieser Leitfrage wollen wir in einem gemeinsamen Workshop mit deutschen und polnischen Studierenden nachgehen.

Frei zu sein, heißt, frei zu singen (2019)

Frei zu sein, heißt, frei zu singen (2019)

 

Bildquelle: Jose Sa, 9. November 2014, URL: https://www.flickr.com/photos/ups/15727882176 (19.05.2019), License CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Foto Kalk 19-I (im Sommer)

Foto Kalk 19-I (im Sommer)

22. Juni 2019

Kalk 19-I (im Sommer)

Ich komme in die Kneipe / unverhofft / höre Musik / bin eigentlich längst auf dem Weg nach Hause / also wollte eigentlich gar nicht mehr raus / aber der Sommer ist warm / endlich / und der Sport steckt mir auch noch in den Knochen / die Straßenbahn kommt / als ich doch noch mal aufbreche / ich bin wieder in Deutz / ich bin wieder dort / wo ich… / wie gestern / nur ohne Backstreet Boys / heute ist Phil Collins am anderen Ende der Stadt / das merkt man als ich / den Rhein wieder verlasse / es ist doch etwas kalt / 18° und T-Shirt / „Pussy“ / = sexistische Sprache / „Fuck“ / = das auch / Aus dem Hintergrund: „Wie soll man denn…, darf man denn überhaupt… noch irgendwo und wie denn dann fluchen. Heidewitzka! Oder ist das auch…“ / Die Antwort: Versuch es doch einfach in cool und ganz ohne Beleidigung. / Ich verlasse Deutz / die Fans von heute steigen noch vor mir aus / dann Kalk Kapelle / eigentlich reicht’s auch / der Spaziergang / durch die Nacht / ganz unverhofft. // Hopla / Leute davor / auf dem Heimweg / der Junge kommt heut später nach Hause / Jazz / unerwartet / gegen die Planung / im Sinne der Spontaneität / gegen die Vernunft / bei halbem Gewissen – immerhin. // Dann ist wahrscheinlich bald morgen / wir werden sehen…

#strassengedicht #gebrauchslyrik#lyrik #gedichte #sommer #stadt#köln #rhein #deutz #kalk #jazz #philcollins #backstreetboys