Foto Vergänglichkeit I

Am Ende der Nacht / holt sie uns ein. / Die Freiheit / Dinge zu lassen / Dinghaft zu sein. / Nur und einfach nur Mensch / Freund / unter Freunden / Liebende / Seifenblasen im Rauch / im Wind / …o..O..oo.. / Im Garten / die Autobahn im Rücken / im einzigen Gang / mit unseren Maschinen / abseits der Straße . – / wir sind am Rastplatz / im ›Freio‹ / wir sind auf Automatik / sind auf Pause / unsere Motoren / spielen verstecken. / Wir finden uns so, wie Kinder im Alter / spielen zusammen / wenn die Zeit frei ist / und wir nicht daran denken / wie lange sie läuft / oder braucht / um etwas endlich zu schaffen. / Jetzt wieder länger. / Wir feiern / den Ferienbeginn / und scheißen auf’s Zeugnis!

I . Die Hand an der Zigarette

Es ist die Hand. Sie legt etwas hin. Aktiv. Mitten in der Nacht. Fast ist schon morgen. Die Party geht zu Ende. Die zweite in Folge. Heute Schrebergarten. Gestern in der Stadt. Auch ein Garten. Reihenhaus. Geschichte. Geschichten. Gestern trifft sich die Klasse von… deren Alter ich lieber verschweige. Es reicht aber, um sich aktiv daran zu erinnern, was gestern mal war. Und heute eigentlich sollte. Nicht aber (vielleicht: noch nicht) ist. Subtil liegt die Nostalgie über der Hoffnung vergangener Tage. Heute ist alles anders, noch immer sehr gut. Haben nicht alles erreicht. Wie auch? Alles ist viel und kein Maßstab. Manche suchen, andere haben gefunden. Nicht das was sie dachten. Nicht alle. Andere sind mitten drin und deshalb nicht hier. Die Wege sind nicht immer so, dass sie sich kreuzen, wenn man den Abschluss gemacht hat und hinaus in die Welt geht, um sie zu erobern und um dann später einmal so hier zu stehen, die alten Bilder im Rausch zu durchforsten und alles nur so zu sehen, wie man es kann: nicht im Detail, sondern im Großen und Ganzen. Schlicht als Gefühl. Als Mosaik ohne Form. Vollendet ohne Konturen. Ohne Anfang und Ende. Farbe im Jetzt. Und Schwarzweiß.

Unsere Erinnerung ist gemeinsam. Für einen Teil unserer Zeit, die sich einfach verflüchtigt wie der Rauch einer einzelnen Zigarette. Der ganze Aufwand, das Tanzen, das: „Hast Du mal Feuer?“ Das Aufhören können. Das man nicht kann. Das manch einer schafft. Als Zwang gegen Zwang. Man muss doch was leisten! Muss noch was leben. Gesünder, länger und weiter. Wenn nicht bis hin, dann zumindest bis kurz vor die Unendlichkeit. „Und keinen Schritt weiter!“ Vielleicht kommt noch was. Was von der Hoffnung, von der, die man begrub an der Biegung des Flusses. Vielleicht schafft man es mal wieder hin. Und macht es dann wie das Eichhörnchen im Winter, das etwas vergrub und den Schatz fand an anderer Stelle. Just in diesem Sommer. Und der andere Baum beginnt mit dem Wachstum. Ganz unverhofft. Er wächst auch im nächsten Jahr und in dem darauf. Bis ihn  die Kinder beklettern. Bis sie zu groß sind. Bis sie wieder die Schule verlassen, keine Äpfel mehr klauen und hinaus in die Nacht ziehen, statt hinauf auf den Baum. Sich dann einfach finden und am Ende der Welt sind. Zurückkommen. Eine Wohnung mieten und einen Garten. In dem die Kinder bald spielen. Wenn das Planschbecken nicht mehr zur Kühlung der Getränke gebraucht wird, sondern für die Motoren der neuen Generation.

Das ist  noch nicht heute Nacht. Heute ist das Zischen der Flasche, wenn der Kronkorken knickt und die Kohlensäure entweicht. Die Konservierung läuft ab. Der Hauch vergangener Tage liegt in der Luft. Der Alkohol. Wie lange noch haltbar? Mindestens bis… keine Ahnung. Ich stehe auch nicht auf zu viel Nostalgie oder Untergangpanik. Es ist vielleicht noch ein Tag, vielleicht nur ein Jahr. Vielleicht sind es auch zehn oder mehr. Mein Heute ist besser, wenn es nicht gegen das Gestern ist und nicht nur für das Morgen. Zwei Ebenen. Im Gang durch die Zeit. Spielen mit beiden. Auf dem Hochseil. Ungesichert. Im Zirkus. Muss die Hand noch was machen. Noch was, für den Applaus und das Lachen. Wenn der Clown davon ablenkt, dass die Akrobaten erschöpft sind. Erschöpft vom Kunststück in luftiger Höhe. Und er macht was, das bleibt: er zeigt die Freude. Zeigt wie es kommt, nämlich anders. Und wenn nicht so, dann halt so. Für die gemeinsame Strecke. Dafür hat sich’s doch gelohnt! Oder nicht?

Foto Vergänglichkeit I

II . Haribo . Seifenblasen . und Tabletten

Wir sind groß geworden mit Teeniefilmen, die jetzt die Filme der Eltern sind. Zwanzig Jahre vorbei. Einfach so. Als wäre nichts passiert. Und wenn man sich daran erinnert, wie viel dann doch. Wie oft die Hand etwas getan. Getragen oder gesucht. Tastend durch die Welt. Findend oder nicht. Es bleibt ein Lachen im Gesicht, wenn die Äpfel vom Baum fallen und einer sie sammelt und den Kuchen macht, für den Geburtstag. Wenn die Kinder sich sammeln. Oder die Erwachsenen. Oder beide. Und einfach feiern und vergessen, dass es manchmal auch wehtut. Nur nicht, wenn man fällt von dem Hochseil und Glück hat, dass einer ein Netz spannt. Dann fällt man sicher. Kommt mit dem Schrecken davon. „Es kam noch mal anders!“ Sie schütteln sich. Erschrocken. Und lachen. Und verwischen die Schminke im Gesicht. Wenn sie sich treffen, umarmen und lieben und nüchtern sich sagen: es geht noch was weiter. Verwunderung liegt in der Luft. Verwunderung, Lust und der Mut und der Aufbruch, es noch mal zu wagen oder einfach zu tun, ohne zu wissen…

Der Kater streunt durch die Nacht. Aber kennt sein Revier. Das Zuhause. Dort, wo man lebt. Kehrt wieder ein. Hier. In das Haus. Jetzt. Unser Haus. Die Stimmung ist gut. Auf dem Siedepunkt. Bis einer ruft, der vorher nicht da war: „Ab, alle ins Bett!“ Die Nachtruhe setzt ein. Wir setzten sie aus, solange es ging. Aber es geht halt nicht länger. Der Körper geht irgendwann ganz von allein. Er liegt da und man möchte noch weiter, aber man kapituliert. Seltsam stellt sich Beruhigung von selber ein. Ganz natürlich. Wir hinterlassen Reste im Garten. Gehen hinaus in die Stadt. Wir sind das Treibgut. Nehmen Tabletten. Statt Haribo. Die Party ist over. Und wir sind noch immer nicht satt, aber müde. Kommen morgen und räumen auf, dass der Garten uns bleibt. Noch ein Jahr. „Nur noch eins!“ Und vielleicht noch eins. Damit wir dann wieder vergessen, wie lange es dauert, bis das Dunkel so hell ist, wie die Glut einer Zigarette und das Licht der Lampe – ihr schimmerndes Feuer, das heute noch brennt. Auch wenn es längst wieder hell ist und der Kopf noch was wehtut.

Foto Mehr Meer

Ich war gestern im Theater. Schauspiel. Köln. Mit viel Musik. Es ging um Karl Marx. Der wäre dieses Jahr 200 geworden. Ums Altern ging es auch. Und darum, was aus Marx wird, wenn er tot ist und nicht mehr Marx ist. Irgendwie ist er es ja noch. Als Buch. Text. Buchstaben, Zeichen und – Denken. Es ging auch darum, was man mit der Zeit macht. Oder gemacht hat. Oder gemacht hätte. Oder machen würde. Wenn, wenn, wenn…

Wie die Produktion von Mehrwert der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, so mißt nicht die absolute Größe des Produkts, sondern die relative Größe des Mehrprodukts, den Höhegrad des Reichtums. – Karl Marx: Das Kapital 

Die Gruppe Subotnik hat das gestern gut gemacht. Die Zeit war mehr wert. Sie haben es sich nicht einfach gemacht. Nicht zu einfach. Aber gemacht. Macher. machen. Komplexität gezeigt. Aber spielerisch. Leicht. Verständlich. Toll. Das war gut und auf einmal war man drin. In der Welt. In der Vergangenheit und der Produktion. Mitten im Fortschritt. Im Hier und Jetzt. „Die Natur kann das auch ohne uns“, sagt der Eine, der eben noch an der Orgel stand und elektronisch getanzt hat, als wäre er auf Crystal Meth. Er ist aber nur auf Arbeit. Getriebene. Beide! Der Kapitalist dreht das Tempo hoch. Produktion steigern.

Lustigerweise: Orgel aus dem Altenheim, Zivi. Da hab ich damals auch eine abgegriffen. Die war allerdings schwer wie Hölle, funktionierte nicht richtig und hatte irgendwie weniger Charme. Wir haben sie weggeschmissen. Auch das ist Kapitalismus und moderne Gesellschaft. Man sammelt und schmeißt weg. Wenn die Sammlung Ballast wird, statt Erlösung. Irgendwann holt sie uns ein. Meine Orgel kam aus der Kapelle. Sie kannte nur Kirchenmusik. „In der Kirche nicht tanzen!“ Wieso eigentlich nicht? Befreiung: ab in den Sprinter. Dann Vorstadt. Gnadenhof. Dann weg. Doch weg. Nach einigem Hin und Her.

Vor ihrem letzten Gang hat keiner mehr zu ihrer Musik getanzt. Dafür war sie nicht gemacht. Es gab auch nicht die alte Frau aus der Erzählung von gestern. Die tanzt. Mit ihren Kleidern, mehr Hüten als Platz, ihren Fotos und Geschichten von der Kreuzfahrt. Einmal bis um die Welt. Bis alle untergehen, mit allem – wenn der letzte Tanz das fordert.

Foto Mehr Meer

Wir waren letzte Woche angeln. Auf der Nordsee. Wir haben genau fünf Fische gefangen. Das Meer ist wirklich vorbei. Leer. Kein Mehr mehr. Also Meer schon. Aber nicht mehr Meer. Over and out. Also da ist nicht mehr viel drin. Außer Plastik. Aber davon wird man nicht satt. Übrigens auch nicht wirklich sauber. Oder? Die Fische verwandeln sich in Playmobil. Wenn sie fressen, womit wir sie füttern, um sie zu fressen. Nahrungskette beißt sich in den Schwanz. Wissenschaftler arbeiten daran. An der Lösung! Das Peeling von innen. Ihre Empfehlung. Für Magen und Darm. Bald für die Gesundheit: Meerwasser in Flaschen und als Tabletten. Instant und Fisch ist dann wieder gesund. Bis alles alle ist. Leer Meer. Mehr leer geht nicht.

Uns geht es nicht um die Fische. Nicht um die Moral. Wir essen was wir fangen. Nehmen unseren Müll mit. Dabei zu viel Plastik. Viel zu viel Plastik. Wir sind keine Helden. Können vom Fischfang nicht leben und kommen bestimmt in keinen Himmel. Wir sind die Kapitalisten und Arbeiter in einer Person. Gelitten unter der höheren Macht. Wissen nicht, wie wir einen neuen Anfang setzen und austreten, aus dem Organismus der Produktion. Fortschritt! Kraft unseres Amtes verbrauchen wir uns im Konsum und zehren davon, dass man uns dafür entlohnt. Wir stehen alle an der Orgel und das Tempo zieht einfach an. Einfach weiter machen. Machen. „Was eigentlich?“ Das ist die richtige Frage. Gestern gestellt. Was wir machen, ist manchmal gut. Manchmal nicht so gut. Manchmal bemüht und manchmal gehen wir zu weit. Aber wir üben.

de te fabula narratur – die Rede ist von Dir

Ich wollte eigentlich eine schöne Geschichte schreiben. Jetzt ist hier so eine ätzende moralische Belehrung im Subtext drin. Da hab ich überhaupt keinen Bock drauf. Mehrwert bringt uns die Kutterfahrt ja, weil sie uns Ruhe bringt. Endlich! Passend zum Wochenende. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Mitten in Holland. Glück mit dem Wetter. Das muss man auch einfach mal genießen und wir sind die kleinsten Rädchen. Die anderen haben die Macht, das Geld und das Kapital. Da sind uns die Hände gebunden.

Wir sind nicht die Summe aller Teile. Bestenfalls noch Ersatzteil. Austauschbar. Aber hier auf dem Boot sind wir zusammen. Alle gemeinsam sichtbar. Einer ist der Kapitän während die anderen angeln. Zusammen in unserer Bestimmung für bestimmte Zeit. Alles ist einfach. Verständlich. Man kommt halt nicht runter. Für sechs oder sieben Stunden. Es ist keine Überfahrt in die Ferne. Dieses Mal ist das Land aber fast weg. Nur Plattformen um uns herum. Da pumpt man hoch, was am Ende in der Luft und im Wasser landet. Springbrunnenzeit.

Es dauert eine Weile, bis man sich wirklich an das Boot gewöhnt hat. Die Ruhe darauf. Auf ihre Art und Weise. Es gewöhnt sich nicht immer und jede*r daran. Dieses mal hat übrigens keiner gekotzt. Keiner seekrank. Nicht wie der Engländer letztes Jahr. Baked Beans und Bacon im breiten Strahl. Schön in rot-orange über die Reling. Fast fürsorglich wirkte der Vater. Der Sohn tat es ihm gleich. Etwas später. Teilen ist das Prinzip, aber: Die Fische haben ihr gut gemeintes Angebot abgelehnt. Der Schwarm war schon vorbei. Ihr Frühstück war over. Irgendwo schwimmt ein einsames Tier und fragt sich: War das der Mehrwert und was ist das Meer wert.

Ich mach jetzt mal nichts mehr. Für ein paar Stunden. Heute ist Wochenende. Und das letzte war gut so. In Holland. Heute in Köln mach‘ ich das auch so. Einfach mal nichts und Montag dann Weltretten. Wettstreiten. Neuer Versuch. Im Kleinen fängts an. Im Kleinen fängts an. Wiederholung im Geiste. Vielleicht geh ich heute mal tanzen oder esse in Ruhe – mein Stück vom Kuchen. Noch ist der Untergang ja nicht vorbei. Wenn hätte ich die Geige dabei. Wir sehen uns nächste Woche! Ich bin abseits des Schwarms. Ohne Plastik. Bin raus. Ende aus. Mickey Mouse. Vorhang. Musik.

 

Portrait unter Palmen © 2018 by Tine Hutzel

Es sieht ein wenig so aus, als wären wir in Thailand oder auf Bali unterwegs.1 / Schrilles Licht. / Lebendige Nacht. / Begrüßung durch Palmen. / Mitten in der Stadt treffen wir uns heute in der Stapelbar. / Nachdem wir unterwegs waren, um Bilder zu machen. / Fotos. / Das erste Mal auch – im Tausch. / Gerichtete Perspektive. / Gemeinsamer Blick. // Waren: am Bücherschrank. / Lesen an der brüchigen Bank / aus zweifelhaften Büchern. / Mensch bleibt stehen. / Zuhörer & -schauer. / Dann weiter. / Vor dem Kiosk. / Radler stürzt von der Bank. / Noch ein Radler. / Junge Frau mit Fahrrad geht in den Kiosk / kommt wieder raus. / Wartet. / – / Wartet. / Wartet / und fährt. / Unterhaltung. / Draußen. / Drinnen. Im Kiosk. / Am Kühlschrank. / Im Licht. / Mit Weingummi / im Glas. / Eine fragt: „Wofür?“ / – Wissen wir auch nicht – / „Was macht ihr damit?“ / – Das ist noch nicht klar – / – Irgendwas mit dem Internet – / – dann ziehen wir weiter.

Chlodwigplatz / fast. / In einer Einfahrt. / Vor einem Gitter. / Wechseln uns ab. / Dann: Auto. / Dann: Noch ein Auto. / „Lassen Sie sich nicht stören!“ / Die Stimmung ist gut / wie das Wetter. / Es ist Sommer in der Stadt. / Wir sind woanders. / Machen so weiter. / Köln ist jetzt Urlaub. / Wie damals Kanada / aber anders. / So etwas wie Arbeit / ohne Plackerei. / Pausen sind wichtig! / Noch mal „Zum Pitter“ / – Präsenz – / Handschlag.  / Umarmung. / Kölsch. / Pils. / Draußen sitzen. / Feierabend. / Straßengespräch. / Gespräch über Bindungen. / Gespräch über Gespräche. / Gespräch über Verhalten. / Verhalten. / & handeln. / Austausch von Erfahrung / und von Erleben. / Fragen bleiben offen / zusammen. / Wir ziehen weiter.

Durch die U-Bahn / Linie 17. / Unter die Erde. / Mitten im Licht. / Rolltreppen / und Beton. / Große Räume. / Wenige Menschen. / Nur eine Bahn. / Statt zwei / wie sonst. / Größer geplant. / Wenige fahren hier – (noch?). / Wir fahren nicht mit / gehen zu Fuß / über der Erde. / Bis zur Lücke / Gedächtnisverlust: ›Severinstraße‹ / sezieren die Welt / miteinander / gemeinsam als Zwei i-i / und jetzt Drei i-i-i / Autonome / Untersuchung / in sensiblen Schnitten / durch die Wirklichkeit / als wären wir – Naturwissenschaftler / … mit Abschluss / und / oder / Talent. / Sitzen noch einmal neben dem Brunnen / schießen letzte Bilder / dann Bahn / dann Stapelbar / Portrait unter Palmen.

Portrait unter Palmen © 2018 by Tine Hutzel

*** 1.-
Lange her, da hatte ich auch eine Kamera. / Lief durch Paris und andere Städte … London! / Machte ein paar Bilder. / Ein paar waren gut. / (Wirklich) / Andere nicht. / Dann kam das Handy. / Die Kamera ging kaputt. / Man dachte, man braucht nie wieder ein neues Gerät… / … / – dem ist aber nicht so. / Die Bilder wurden viele / zu viele / und unscharf / ohne Sortierung. Hauptsache Insta. Hauptsache SOFORT!

*** 2.-

Wir ließen  uns treiben . so einfach dahin . und machten . wie man es so macht . macht man es . falsch . auch . wenn mann das Neue probiert . nicht als Fehler . nur mutig . sich auch aus den Augen verliert . die Kontrolle geht mit . und gut ist dann . wenn keiner das trifft . oder wenn . dann aber gefällig.

*** 3.-

Es ist schwierig ein wirklich gutes Foto zu machen. Das passiert im Kopf und dann im Gerät. Dann durch die Nachwirkung. Auch heute noch braucht ein gutes Bild eine Phase der Entwicklung und die Dunkelkammer, als wäre das negativ nie weg gewesen. Positiv wird das Bild erst dann, wenn man es wirklich begreift und dazu macht. Und dann als eigene Welt in die Wirklichkeit schickt, als wäre es ein statisch bewegter Moment im Gestern und Heute und im ewigen Kreis. Einfach nur Farbe auf Leinwand. Leuchtend schön. Beruhigend dynamisch und einfach nur sichtbar, für jeden der schaut mit dem eigenen Körper, den wirklichen Augen und ihrer Optik als Feinsinn. Man sieht durch sie anders und durch das Gerät. Zwei Perspektiven. Erweiterte Welt. Beides real.

Anmerkungen

  1. Foto: Tine Hutzel

Foto Zwischenbericht (c) 2018 by Tine Hutzel

Liebe Leute,

die Hälfte des Jahres ist rum und der Sommer auf seinem Zenit. Am Wochenende hab ich die Sonne mal am Strand in Holland am Meer genossen. Das war wunderbar und es ist wirklich jedes Mal auf’s Neue beeindruckend, welche Ecken und Häuser man abseits und im Zentrum von Den Haag findet. Nachts mit dem Fahrrad fällt das irgendwie besonders auf und ich überlege wirklich, ob ich dazu nicht mal etwas schreiben will. Wollte eh mal eine Woche länger dort bleiben!

Aber zurück aus der Zukunft: Letzte Woche war ich mit der guten Tine Fotos machen. Wir treffen uns jetzt regelmäßiger und machen das, schreiben Texte und setzen die Ergebnisse dann in ein neues gemeinsames Format mit Texten und Bildern um. Mehr will ich dazu noch nicht verraten. Das eigentliche Highlight ist der gemeinsame Name des Projektes bzw. unsere Domain! Am Ende des Jahres machen wir dann vielleicht eine Vernissage mit den Bildern und einer Lesung. Dafür müssen wir aber erst einmal liefern. Und das dann alles so reduzieren, dass es wirklich schön und schlicht ist.

Foto Zwischenbericht (c) 2018 by Tine Hutzel

Noch vor der gemeinsamen Session hat Tine es beim Sommerfest im Pitter – nur mit ihrem Handy bewaffnet – geschafft, mein letztes halbes Jahr in zwei Bildern zusammenzufassen.1 Es geht um Privates und Öffentiches. Brille auf, Brille ab. Dinge anschauen, genau hinsehen und darüber nachdenken. Etwas schreiben. Etwas machen, wenn das Schreiben nicht geht. Dann etwas lesen und wieder etwas schreiben und dazwischen Musik. Ich arbeite gerade besonders daran, die praktische Umsetzung in unterschiedlichen Formen besser zu üben und zu festigen. Das betrifft besonders das Schreiben. Außerdem arbeite ich zur Theorie des politischen Denkens und zu Konstruktionen des Öffentlichen wie Privaten in Abhängigkeit von Sprache und Literatur. Damit die komplexen Dinge sich manchmal nicht verknoten, mache ich Kunst.

Musik

Vorstadt und Solo – Ich habe den Proberaum in der Vorstadt umgebaut und etwas renoviert. Das Studio läuft zwar noch nicht wieder, weil es viele, viele Kabel gibt und ich bin noch nicht sicher, welche Lösungen ich zur Aufnahme nutzen möchte. Im Recording-Room gibt es jetzt eine kleine Bühne zum Proben und Aufnehmen von Solo-Sachen oder einer ganzen Band. Außerdem sind die Decken und Wände komplett in schwarz gestrichen und ich habe es endlich geschafft, die Akustik-Elemente so anzubringen, dass der Raum wirklich trockener klingt. Der Kühlschrank ist schon gut gefüllt und die Couch wartet auf die ersten Besucher. Sobald die Verkabelung und das Licht dann fertig sind, steht nach dem fertigen Umbau endlich das Recording einiger neuer Stücke an. Vielleicht gibt es auch eine kleine Session zur offiziellen Einweihung? Mal schauen!

Band – Das Sommerfest im Pitter mit der Band und mit Wechselwirkung ist am vorletzten Freitag ein voller Erfolg gewesen. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Runde zum Jahresabschluss an gleicher Stelle und hoffentlich mit zwei oder drei weiteren neuen Songs im Gepäck. Vorher spielen wir in knapp zwei Wochen bei Campen in Hain und laufen am 14.07. im Zusammenhang mit dem Festival bei Kölncampus im Studi-Radio. Als wäre das nicht schon der Dinge genug, können wir in der Woche drauf noch einmal drei Tage beim Open Air Kino im Rheinauhafen spielen, freuen uns dann auf den Nachholtermin im Kölnischen Stadtmuseum im August und dann … auf eine kleine Sommerpause! Alle Infos gibt es nach und nach auch auf unserer neuen Band-Website auf deinevorstadt.de.

Text

Das Experiment – Das Experiment ist etwas ins Stocken geraten. Aber ich haben den Faden wieder aufgenommen und war letztens am Rheinboulevard und habe in den Sonnenuntergang hinein geschrieben. Dabei ist eine kleine Anekdote zum Schreiner entstanden, der während der Nachkriegszeit mit seinem Gewerbe vom allgemeinen Aufbau profitiert und bei dem sich dann in etwas rätselhaften Umständen alles ändert. Das erste Kapitel ist jetzt bald wirklich, wirklich fertig und ich hoffe wirklich, wirklich, – wirklich, dass es bis Ende des Monats online gehen kann. Die nächsten Kapitel dauern dann hoffentlich kein halbes Jahr, sonst bin ich in sechs Jahren mit dem Buch noch nicht fertig und so lange kann ich nicht warten! Ich will es nämlich eigentlich gestern schon drucken…

Kattowitz im Herbst – Ich habe angefangen, die Texte für Kattowitz im Studio bei der Eurovoice GmbH einzulesen. Das Sprechen am Mikro klappt schon ganz gut, ist aber manchmal natürlich noch etwas neu und ungewohnt. Man hört jeden Schmatzer, muss stets sauber sprechen und dann noch die Stimmung des Textes über die eigene hinweg transportieren. Das ist spannend, fordert aber die volle Konzentration. Die Erfahrung im eigenen Studio zahlt sich hierbei wirklich aus. Es ist dennoch eine ganz neue Herausforderung und die Situation braucht eine Eingewöhnung. Die ersten Demos sind aber schon super und es wird am Ende eine komplette Hörfassung des Textes geben. Da freue ich mich jetzt schon mega drauf! Und deshalb lasse ich dann auch gleich noch einmal die erste offizielle Auflage drucken und binden!

 

Foto Zwischenbericht (c) 2018 by Tine Hutzel

Theorie

Man möchte meinen, dass bei all den Projekten gar keine Zeit für die Doktorarbeit bleibt: dem ist aber nichts so. Die Arbeit begleitet mich ständig im Kopf und das auch über die Phasen abseits der aktiven Lektüre und Konzeption hinweg. Es gibt kein ‚an‘ oder ‚aus‘ – für mich ist das Projekt wie alles andere auch eine Phase der Entwicklung und eine große Chance, die sich mir bietet. Die Erfahrungen sind zwar oft sehr intensiv, weil man sich so ganz in den Dienst der Sache stellt, dass man manchmal aufpassen muss, dass man sich und das Leben oder das Private nicht aus dem Auge verliert, man durchlebt einige Konflikte mit sich und der Welt, aber diese Spannung und den Druck zu erfahren, das gehört dazu und ist anstrengend aber schön für alle Beteiligten; so sie es denn sind, waren und bleiben. Die Promotion, wie ich sie betreibe, fordert eben das Ganze heraus!2

Mein Plan umfasst das Ende und das steht im Kalender für 2019. Ich habe deshalb nun in den aktiven Phasen das fokussierte Schreiben begonnen und komme damit ganz gut voran. Aktuell bin ich noch im Design der Arbeit und textlich besonders mit der Konstruktion der Einleitung befasst. Dazu gehört natürlich auch die Planung einer sinnvollen Gliederung und einer praktikablen Argumentationsstruktur. Damit komme ich aber so langsam zum Ende und werde dann die bislang erarbeitete Theorie bis zum Jahresende hoffentlich abschließen. Spätestens im Frühjahr 2019 will ich die Textanalysen zur Kölner Ausgabe, zu den Briefen und den Kriegstagebüchern Heinrich Bölls umsetzen. Bei der ersten Lektüre bestätigen sich bereits jetzt immer wieder interessante Beobachtungen, die am Ende dann in passender Auswahl hoffentlich in einem harmonischen Ganzen münden und den wissenschaftlichen Beitrag auch über das Fach hinaus interessant machen. Das ist aber Zukunftsmusik und muss sich gleichermaßen aus der täglichen Arbeit heraus und mit sich regelmäßig wiederholendem Abstand zur Sache entwickeln.

Ausblick

Die Nebengeräusche in den letzten Wochen waren sehr viele. Da war die neue DSGVO, es gab Projekte für Kunden oder Kleinigkeiten an verschiedensten Stellen, die sich dann irgendwann zum großen Geräusch oder Lärm entwickeln. Da muss man die Ohren manchmal etwas schützen. Die Planung der eigenen und externen Projekte gelingt mir mittlerweile zwar etwas besser, aber es bleibt ein work in progress. Zumal mir Rechtstexte, wie für den Datenschutz gebraucht, wirklich jedes Mal sehr schwer fallen – in der Lektüre wie in der Bearbeitung. Nichtsdestotrotz plane ich AGBs für eine Lösung mit Privaten Bereichen auf meiner Seite. Dort kann man dann Inhalte sehen, die nicht geheim oder höchst exklusiv sind, bei denen ich aber finde, dass es schöner ist, die Leser*innen zu kennen. Eine Anmeldung: Das verbindet uns anders, als wenn Du einfach auf meiner Seite bist und dann wieder weg. Auch das Internet kann ja ein Ort der persönlichen Begegnung sein!

Als ersten Schritt in diese Richtung habe ich endlich meinen Rundbrief eingerichtet. Ich habe zwar noch keinen einzigen geschrieben, aber es wäre cool, wenn Du Dich mit Deiner E-Mail-Adresse anmeldest. Ich habe nämlich wirklich große Lust auch in diesem Format direkt mit Dir zu sprechen.

Vorab schon mal „Danke!“
und bis bald

Dein Clemens


Rundbrief

Hinweise zu meinem Rundbrief

 

 

Anmerkungen

  1. Fotos: Tine Hutzel

  2. Memo an mich: Prometheus wieder aus

Gut zwei Jahre nach unserem ersten Mal bei Rock am Dom hatten wir letzten Freitag nun das zweite Mal das Vergnügen, die Veranstaltung im Domforum im Herzen von Köln eröffnen zu dürfen. Mit dabei waren dieses Mal Durch & Durch sowie Die Versenker, die eines ihrer letzten gemeinsamen Konzerte gespielt haben.

Auspacken und anfangen

Bei bestem Wetter zieht es die Menschen nach draußen. In die Parks und in die Stadt. So war ist auch am letzten Freitag. Es herrscht ein sehr reges Treiben auf der Domplatte, als ich mit der Band gegen halb fünf am Domforum ankomme. Wir sind dieses Mal wirklich früh dran und müssen entsprechend noch auf den Hausmeister warten, um unseren Parkplatz zu bekommen. Auf der Domplatte wird zu dieser Zeit noch sehr eifrig der Kölner Dom unter strahlend blauem Himmel fotografiert – mit Menschen davor (und darin) und ohne. Wahrscheinlich sind aber auch auf Bildern programmatisch „ohne Menschen“ – wenn man nicht gerade nur die Domspitzen fotografiert – ungewollt Menschen drauf.

Zwischen all diesem Trubel nehmen wir wenig später unsere Sachen aus dem Wagen und bringen sie in den Glaskasten auf der Domplatte. Dann geht das Warten weiter. Wie beim Film besteht auch bei Konzerten im Vorfeld ein nicht zu geringer Teil der Zeit damit, abzuwarten was passiert und darauf zu warten, dass Dinge auf- oder abgebaut werden. Bis es dann soweit ist, die Bühne und Technik bereitet sind und das Schlagzeug steht, stellt man sich gegenseitig vor und quatscht mit den anderen Wartenden. Bei einer gemeinsamen Apfelschorle klärt man zwischendurch kurz mit dem Techniker, dass wir gar nicht so viel Technik brauchen. Das ist für beide Seiten erfreulich. Denn obwohl viel gewartet wird ist Zeit sehr kostbar und weniger meist mehr. Das ist das eigentlich Paradoxe.

Deine Vorstadt? Los geht’s!

Nach zwei erfolgreichen Soundchecks der beiden anderen Bands bauen wir dann als letzte unseren Kram auf. Das geht bei drei Amps und ein bisschen Schlagzeug wirklich zackig: Hinstellen, Strom finden, Mikros vor die Amps, ein paar Kabel um- und einstecken, Snare und Becken tauschen, Gaffatape an Bodentreter – es hat Zeiten gegeben, da war die Vorstadt komplizierter. Hier und heute zeigt sich: Wir wissen was wir machen und machen heute weniger, brauchen keine große Technik, spielen los und einfach weiter. Ja, es kann so einfach sein und das überrascht auch mich. Nach einem kurzen Wortwechsel spielen wir drei Lieder als Soundcheck und zum Warmspielen, dann ist Einlass und die ersten neuen und bekannten Gesichter kommen.

Musik ist für mich eher so ein Ding für die Dunkelheit. Heute ist es noch hell, aber trotzdem schön!

Pünktlich um 20 Uhr geht es dann los. Wir fangen laut an, werden etwas leiser und werden dann wieder laut. Alles ganz einfach – so scheint es, außer die Texte und die Musik. Das macht etwas hier und heute. Mit uns und den anderen. Es gibt nicht die große Party, aber da schauen Leute glücklich, fröhlich, abgelenkt und singen mit. Manche tanzen und andere hören einfach nur zu, denken nach und ihnen gefällt das, was passiert. Im Raum, mit ihrer Person und den anderen. Alle sind da – wegen der Musik und mit der Musik, miteinander und genau jetzt wird klar, dass etwas von heute bleibt.

Wie bei allen Konzerten, geht es dann viel zu schnell vorbei. Erst lange gewartet und dann gefühlt nur ein Lied gespielt. Dennoch liegt das natürlich auch daran, dass sich so viele Eindrücke sammeln und eine gemeinsame, intensiv zusammen verbrachte Zeit so viele Stimmungen und Emotionen befördert, dass man sie eine ganze Woche mit in die Welt trägt. Und dafür machen wir das.

Setlist des Abends

  1. Kommt ein Tag
  2. Schwarze Schafe
  3. Routine
  4. Geheimversteck
  5. Reisefieber
  6. Küche
  7. Keine Ahnung
  8. Graffiti
  9. Amerika

Deine Vorstadt – Immer wieder alte Lieder – Küche

Der schönste Ort bei jeder Party ist die Küche. Und wenn es mal wieder so richtig und viel zu gut ist, dann tanzt man in den Morgen und singt eins der alten Lieder. Bis die Polizei plötzlich vor der Tür steht und das Kassettendeck konfisziert. Doch selbst das bringt nichts. Wir Kassettenkinder wachen wieder auf, wissen nicht was los war, gehen kurz zum Kiosk und singen einfach weiter, weil das Gefühl immer noch da und immer noch gut ist.

***

Neue Lieder, alte Lieder – immer wieder, immer weiter

Noch ein kurzer Rück- und Ausblick: Aufgrund der eifrigen Arbeit an neuen Songs zu Beginn des Jahres, hätten wir die Proben für Freitag fast ganz vergessen! Vor zwei Wochen ereilte mich dann noch eine fiese Mandelentzündung und so hatten wir letztendlich nur zwei Termine, um uns vorzubereiten. Aber da die alten und neuen Lieder mittlerweile richtig solide sitzen merkten wir dann am Montag bei der letzten Probe schon: Das gut 40-minütige Set sitzt. Und damit begann dann eine gute Woche in Vorfreude auf Freitag!

Das waren die Hits, jetzt kommen die Superhits!

Wir sind zwar noch keine Band für die große Publikumsanimation und gerade bei den neuen Lieder noch etwas konzentriert und zurückhaltend, aber es zeichnet sich etwas ab. Gerade auch das was im Proberaum gerade entsteht, wird eine Weiterführung von intensiven Texten, melodischem Gesang und krachender Musik. Schnörkellos und ehrlich geht es um Freundschaft, Freiburg und Zettelbotschaften am Kühlschrank. Mal sehen, wann wir damit den nächsten Schritt machen – ich bin jedenfalls gespannt.

Es ist jetzt fast drei Tage her…

…doch die Erinnerung ist in diesem Falle klar: Vielen Dank für den schönen gemeinsamen Abend! Dank geht auch an Tommy Millhome, der uns wieder eingeladen hat sowie an Martin und Ulrich Paashaus (www.fotolinse-paashaus.de), die den Abend mit ihrer Kamera begleitet haben. Das war wirklich gut und mach Lust auf mehr!

Ich freue mich schon total auf das, was jetzt diesen Sommer mit der Band ansteht: Sommerkino vom 28. bis 31. Mai und Ende Juli. Campen in Hain am 22. Juli und vorher spielen wir am 29. Juni noch unser Sommerfest beim Pitter in der Südstadt.

Vielleicht sehen wir uns ja bei einem der nächsten Termine. Ich würde mich freuen, wenn Du dabei bist!

Dein Clemens

 

***

Bildnachweis

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Martin und Ulrich Paashaus von der Fotolinse Paashaus (www.fotolinse-paashaus.de) © 2018

HIER KÖNNTE IHRE WERBUNG STEHEN?
 NEIN, DA STEHT JA SCHON ANDREAS!

Wir sind zwei oder drei.
Manchmal vier.

Wir sind zusammen
 Ich und Wir
 und eins noch:

 WIR SIND DIE GUTEN

 

***

Wir haben gestern –
 im Eifer des Gefechts

  (ich wurde heute
für einen Soldaten
gehalten,
   das zweite Mal
seit 2006!)

   – gleich drei gute Fotos gemacht.

   Das ist überhaupt nicht redundant.
Das ist das Leben.

Es folgt: Gebrauchslyrik.

Heute ist noch nicht vorbei 
Morgen ist Feiertag
Freitag ist Konzert
Samstag ist Fußball
Sonntag ist…
…die Woche zu Ende!

 

***
Dieser Text ist ein Echo.

8. Mai 2018

Wir sind die Guten

Zwei tapfere Gestalten,
 manchmal auch drei oder vier
 nur Einer schafft es so
 zum ganzen Wir.

     Bald ist’s so weit!

          Noch zwei Stunden
          Zwei Stunden nur
           dann sitzen wir
           zusammen und reden
            und schauen uns an
            und sind alle ganz da
            und ganz wirklich.

        Im Hier. Jetzt!
        VOLLKOMMEN, analog.

     ***
     Wir sind die Guten

     Wir treffen uns
      um uns wieder zu treffen
      um uns wieder zu sehen
      um uns wieder davon zu erzählen
      um uns so zu genügen
      um uns daran zu erinnern
      um neue Wege zu gehen
      um wieder zu stehen
      um uns zu fühlen, zu lachen,
      um Hände zu halten – und zu tanzen!
       und zu springen! Bis der Puls heftig schlägt
       und das Blut eifrig fließt
           bis unter die Haut.

     Wir sind die Guten
        wir sind
        zwei junge Wilde
        inmitten der Herde
        die gesunde Komplikation
        des stärkeren Lebens
         ganze
         und doch so fragile
         durch alle Fehler hindurch
         reine Existenz.

Wir sind alles
 seit gestern
 schon heute
 für morgen!

Die erste Lesung ist jetzt fast zwei Wochen her, die Mandelentzündung hat sich erst einmal wieder gelegt und am Freitag steht schon das nächste Konzert an. In der Zwischenzeit habe ich tatsächlich die Genehmigung für meinen ersten wissenschaftlichen Beitrag zum Tagungsband für Kattowitz bekommen und konnte letzte Woche die finale Korrektur freigeben. Es geht also an allen Fronten voran.

Dennoch muss ich an dieser Stelle vor allem mal etwas zum Experiment schreiben. Die Lesung und der öffentliche Vortrag eines eigenen Textes war für mich ja in der Form völlig neu, aufregend und sehr motivierend. So versuche ich jetzt jede von Alltäglichkeiten freie Minute zu nutzen, um die Handlung weiter voranzutreiben, ihre Erzählung zu entwickeln und die Geschichte in Form zu bringen.

Im Freiluftbüro – die Rheinpromenade in Deutz

Das wirklich Schöne am Lesen, Schreiben und Denken ist ja, dass es ortsungebunden funktioniert (oder nicht).1 Normalerweise bin ich dennoch mit der Arbeit sehr fixiert auf meinen Arbeitsplatz, wenn ich wirklich etwas schaffen will. Da sich die letzten Tage aber durch ein derart gutes Wetter auszeichnen, dass selbst mir schwerfällt, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich nicht wenigstens in den Abendstunden mal vor die Tür gehe, habe ich meinen Arbeitsplatz kürzlich erst verlassen. Schließlich ist die Sonne in den Abendstunden auch für Hauttyp null kein Gegenargument und keine Gefahr mehr.

Nachdem ich einige Fortschritte im Text machen konnte, bin ich am Sonntag also mit der aktuellen Druckfassung des Experiments (mittlerweile schon etwa 50 Seiten) von der Deutzer Freiheit aus an die Rheinpromenade. Dort habe ich dann ein bisschen gelesen und ein paar Korrekturen angebracht, ehe mir eines aufgefallen ist: Es ist ja durchaus zu beobachten, dass auch die Kölner Bauprojekte sich scheinbar nahtlos in die neue deutsche Gründlichkeit einreihen und zu detailversessenen Langzeitprojekten werden – erst bei der Fertigstellung und dann bei der Erhaltung (es geht um Perfektion! Der Dom hat ja auch gedauert…), aber ich muss an dieser Stelle, hier und heute, wirklich mal ein dickes Lob formulieren: Das hier, – ist wirklich toll!

Ich werde mal beim Finanzamt vorschlagen, dass ich diesen Arbeitsplatz vielleicht als Sommerbüro steuerlich geltend machen kann. Für Geisteswissenschaftler sind Ort und Stelle ja prädestiniert – frische Luft, freier Raum und man muss eines sagen: bei der gegenwärtigen Wohnraumsituation kann es nur allen Beteiligten sehr recht sein, wenn ich nicht noch auf die Idee komme, im Erfolgsfall eine größere Wohnung mit einem weiteren Zimmer zur Arbeit zu suchen. Und ich würde auch kein Recht auf einen bestimmten Platz einfordern. Irgendwo passt ein Mensch ja immer noch dazwischen und es wird sicher spannend, auch die Geschichten der Nachbarn zu hören. Ein paar Euro müssten doch auf Kulanz drin sein!

Nach der Lesung und zweite Schreibphase

Zurück zum Text: Nachdem ich den Anfang des Experiments im Januar Satz für Satz aktiv getwittert habe und nun feststellen musste, dass man2 so kein Buch schreibt (geschweige denn liest), musste ich feststellen, dass der Text sich in eine zweite Schreibphase verschiebt. Jetzt mögen manche sagen: Er hat kapituliert… Andere sagen: Das kommt nicht überraschend! Und das Langweilige ist: Alle haben wir recht. Aber mal eins nach dem anderen.

Es handelt sich manchmal auch um Einfälle in Kneipen, während der Bahnfahrt oder unter der Dusche. Wichtig ist, dass hin und wieder Menschen dabei sind.

Wenn man davon ausgehen will, dass ein Roman erst da ist, wenn er öffentlich ist oder veröffentlicht wird, dann möchte ich in diesem Feldversuch dafür plädieren, dass es so einfach nicht ist. Der Roman ist da, wenn der Autor seinen Einfall hat oder ihn noch nicht hat, aber anfängt zu erzählen und dann zu schreiben beginnt und ein Thema findet und es entwickelt. Damit ist der Ursprung ziemlich präzise benannt. Gleichwohl ist der Ort der Entstehung nicht immer zwangsläufig ein engerer Kontext von Literatur und zunächst meist nicht mehr als eine infinite Rohmasse.

Wieder ein Nachwort am Anfang

Wie schon bei der dem Text der Jungfrau, der derzeit aktiv ruht, habe ich in der letzten Woche begonnen, das Nachwort des Romans zu schreiben. Das lag zum einen daran, dass ich das Ende des ersten Kapitels noch nicht zu schreiben schaffe, zum anderen ist das Ende natürlich auch wichtig für die weitere Entwicklung des Romans. Während ich ja anfangs wirklich satzweise schreiben wollte, hat sich sehr schnell gezeigt, dass man den längeren Text immer nur als Gesamtes denken und schreiben kann. Es ist immer alles da oder (noch) nicht. Und es gibt Phasen in denen man schreiben kann und andere in denen es einfach nicht geht. Das klingt trivial, aber auch das muss manchmal gesagt werden und es ist wirklich so.

Gut, Papier ist heute überholt. Ich schreibe digital, aber ihr versteht schon…

Wenn die Phase kommt, in der Text entsteht (bei manchen kommt sie ja gar nicht, auch nicht nach ausgiebiger Übung!), dann muss man sie nutzen und die Worte zu Papier bringen. Man muss sich also voll und ganz der Handlung hingeben und sich in den Dienst der Sache stellen, wenn die Geschichte passiert. So ist zumindest mein aktueller Eindruck. Entsprechend habe ich nun für das Ende des Textes eine Wiederkehr des Protagonisten am Ort der Handlung des Romans eingebaut. Es wird so sein, dass sich seine Eindrücke bestätigen werden: die Dinge ändern sich und sein Platz wird zukünftig ein anderer geworden sein. Das bestätigt sich im Nachwort auf Ebene der Erzählung. Zudem wird so das geplant sehr offene Ende zum Schluss des zehnten Kapitels etwas relativiert und konkretisiert. Es bleibt dennoch vieles offen und ungesagt.

Bergidylle und ein weiterer Kneipenroman

Ich bin schon wirklich gespannt, wie sich die Geschichte in den nächsten Wochen und Monaten weiter entwickeln wird. Wie die Schreibphasen kommen und gehen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich selten mit einem Projekt ruhig gestellt bin. An die Gleichzeitigkeit der Prozesse in verschiedenen Arbeitsstufen musste ich mich wirklich lange Zeit gewöhnen, jetzt hat sich aber eine gewisse Routine und auch Ruhe eingestellt. Und so kommt es, dass sich auf der Ebene des Schreibens längst drei parallele Erzählungen in mein Leben geschlichen haben. Neben dem Experiment, liegt da eben besagte Jungfrau, deren Setting klar ist, nur fehlten mir bislang Ruhe und Kraft, die Handlung mit der Liebe zu Ende zu erzählen, die die Substanz der ganzen Geschichte ist.

Und dann ist da noch das Projekt über eine Kneipe im Kiel der 1980er Jahre. Kollektiv mit einem Freund verfasst, fing das zunächst als gemeinsame Ablenkung und Schreibübung an, war aber ein wichtiger Impuls, um ins Schreiben zu kommen. Auch dieser Text ruht derzeit. Allerdings hatten wir neulich ein Meeting in meiner Küche und haben dort die Handlung an meiner Tafel skizziert (Titelbild), um dem bisherigen Schreibstrom etwas Struktur zu verleihen. Es ist eine andere Geschichte als Das Experiment und es sind andere Protagonisten am Werk. Und doch sind da auch enge Verbindungen und Parallelen. Und auch das Motiv der Idylle im harmonischen Miteinander ist zwar in der Jungfrau am stärksten, aber dennoch für beide anderen Erzählungen auch notwendig. Vielleicht gehören alle drei Geschichten irgendwie zusammen und erzählen die gleiche Musik nur noch einmal anders.

Wenn es mal wieder an der Zeit ist, werde ich dann wieder lesen und etwas zeigen, damit es auch wirklich da ist. Bis es aber soweit ist, werde ich hier schreiben und wenn wir uns treffen, sicher davon erzählen. Es ist also eine gute Zeit, um den Sommer gemeinsam zu verbringen!

 

Anmerkungen

  1. Gleichwohl ist das natürlich manchmal auch etwas hinderlich, wenn man sich mal wieder selbst damit im Weg steht, A und B nicht getrennt voneinander zu bestreiten.

  2. Also ich schreibe es jedenfalls so nicht.

Die Entwicklung der Seite steht nicht still. Als ich im August 2017 online gegangen bin, hab ich eine ganze Menge Ideen erst einmal hinten anstellen müssen. So nach und nach versuche ich neben dem Tagesgeschäft die bestehende Seite zu optimieren, die bestehenden Formate zu festigen und neue Bereiche und Funktionalitäten zu entwickeln. Im Hintergrund habe ich in den letzten Monaten u.a. ein Projektmanagement vorbereitet und ein Abrechnungssystem für Dienstleistungen eingerichtet. Zukünftig können Kunden dort ihre Rechnungen dann online einsehen und abrufen. Das sind langfristige Änderungen, die noch Zeit brauchen.

Neuer Webplayer

Ich habe schon seit einigen Jahren nach einer zufriedenstellenden Lösung gesucht, um einen Audioplayer dauerhaft auf meiner Website einzubinden. Leider war meist das Problem, dass die einzigen brauchbaren Ansätze alle mit iframes arbeiteten. Das war für mich aus verschiedenen Gründen aber nicht zufriedenstellend. Auch ein Pop-Up-Player war nicht das, was mir wirklich gut gefallen und meinen Wünschen entsprochen hätte.

Nun habe ich einen Player gefunden, der diese Lücke nach vielen Jahren schließt. Das kostenpflichtige Plugin lässt sich sehr leicht in WordPress integrieren und kann dann mit verschiedenen Playlists und Playern für den Einsatz auf der eigenen Seite vorbereitet werden. Außerdem gibt es von Hause aus ein paar verschiedene Skins, die sich via CSS individualisieren lassen. Eingebunden wird der Player wie üblich und ganz unkompliziert via Shortcodes.

Für mich war entscheidend, dass der Player beim Seitenwechsel und auch beim Verlassen der Seite die Einstellungen und den aktuellen Track und die Position im Stück in einer Session speichert. So kommt es zwar zu einer kurzen Unterbrechung, diese halte ich aber für sinnvoll, damit klar wird, dass es sich um einen digitalen Ortswechsel handelt. Die kurze Pause betont damit das Blättern. Ich finde diesen Fakt also auch aus kommunikationstheoretischer Perspektive eher interessant, als überflüssig oder störend. Besucher kommen ja in der Regel durch gezielte Arbeit mit Landing-Pages direkt auf die richtige Seite. Bei längeren Texten spielt es während des Lesens überhaupt keine Rolle.

Liebe Leute,

nach Donnerstag hat mich zwar eine ganz üble Mandelentzündung erst einmal völlig außer Gefecht gesetzt und es hat mir in der Tat physisch wie mental etwas die Stimme verschlagen, aber nach so einem Abend ist auch irgendwie für Tage genug gesagt und man schwebt ein bisschen wie verliebt (nur anders) durch die Welt. Es ist wirklich eines der schönsten Erlebnisse, wenn die Sprache es schafft, die Grenzen zu überwinden und einen Raum voller Herzlichkeit und Leidenschaft so ganz zu erfüllen, dass alle zusammen im Moment kurz woanders und einfach nur glücklich sind. Kurz gesagt: Es war toll mit Euch! Danke.1

Heute – bezeichnenderweise am Tag der Arbeit – kehrt meine Stimme langsam zurück. Ich versuche also mal ein paar Dinge des Abends in verschiedene Formen zu bringen, Glocken zu gießen und Sandkuchen zu backen – was man halt so macht, am freien Tag, von Feiertag zu Feiertag!

Ihr legt die Schienen / Ich bin die Bahn
Ich fange an, das zu sagen / was ich so
/ sonst nicht sagen kann

Das war das erste Mal in dieser Form: alleine mit meiner Gitarre, mit ein paar Liedern an den Tasten und das erste Mal mit Lyrik und Geschichten, Gedichten und ganz viel Lust am Erzählen. Ich war wirklich etwas aufgeregt vor dem Abend, aber dank Euch war es einfach nur wunderbar. Wenn man in solche Gesichter singen und erzählen kann, dann erübrigt sich die ganze Welt für ein paar Stunden und alles relativiert sich. Man ist zusammen im Glück und alles ist einfach nur da und ganz nah. Ohne ein so aufmerksames Publikum blieben solche Geschichten stumme Erzählung.

Mit Euch ist das anders und jedes Schweigen wird gebrochen: Ihr habt so aufmerksam zugehört, wie ich es mir gar nicht hätte vorstellen können und habt an Stellen gelacht, von denen ich gar nicht wusste, dass sie wirklich so witzig sind, wie ich sie denke, wenn ich sie schreibe und dabei den Ernst manchmal an der Raststätte vergesse und dann die nächste Ausfahrt nehme, um ihn wieder einzusammeln. Weil ganz ohne geht es ja nicht. Auch er trägt schließlich seinen Teil dazu bei, dass die Dinge so laufen…

Virginia, warum hast Du mich verlassen?

Der Abend beginnt mit Virginia. Also eigentlich ohne. Es geht ja darum, dass Virginia jetzt weg ist. Und ich stehe noch da, bin völlig überrascht und rufe ihr noch etwas hinterher. Ich weiß, dass es keinen Sinn mehr hat, aber ich kann auch nicht bleiben, ohne etwas zu sagen. Vielleicht ist das (bei allen anderen Anspielungen) die eigentliche Message des Songs: Lass mir wenigstens noch die letzten Worte, wenn Du schon gehst; gehen musst oder willst. Aber so selbstbestimmt ist das Leben ganz oft oder nur manchmal eben nicht.

Das erste Lied trage ich spielerisch ganz ohne Musik, also quasi blanko vor. Das ist alles ganz anders als mit Musik. Der Text steht für sich und trotzdem ganz gut da. Es bleibt natürlich nicht dabei.  Im Anschluss spiele ich Neues und Altes an der Gitarre und verweise darauf, dass es hier nicht um irgendeine kitschige Romantik geht, der man einen überhöhenden Idealismus als unerreichbaren Überbau an die Hand gibt, um alle, die Welt und sich selbst zu überfordern. Es geht eigentlich nur darum, miteinander zu sprechen, gute Gesellschaft zu suchen und zu erkennen, wenn sie denn da ist. Das ist in der Sache schon nicht immer so einfach, weil die Welt manchmal eben ein Graffiti ist und, wenn keiner was sagt, kommt man keinen Schritt weiter. Also auf geht’s – versuchen wir unser Glück. Wie auch immer es passiert, wichtig ist nur, dass es passiert und mit uns.

Aufbruch, Glück und Paris – auch das ist eigentlich ein fröhliches Lied!

In den Vorbereitungen waren es noch fünf Gedichte, die ich lesen wollte. Ich habe mich zum Kürzen erzogen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch dann alles noch immer sehr viel ist und gelegentlich zu Überforderung führt. Es ist ein Drahtseilakt, aber ich übe! Man will ja immer gleich zwei, drei Dinge gleichzeitig erzählen und das führt dann oft zu großer Verwirrung. Deshalb heute keine Kohle, kein Bergwerk, sondern einfach nur „Aufbruch“ (aus Kattowitz im Herbst, das ich bald mal hier vollständig online verfügbar machen sollte, wäre es nur einfacher zu setzen!). Ich lese versucht etwas langsamer als zu schnell. Es ist aber immer noch schnell, aber das gehört auch dazu. Spannend, wie die Leute Sprache und Stimme, Klang und Bedeutung zusammen so ganz anders verstehen. Es wirkt auf einmal alles völlig autark und organisch. Und am Ende landen wir doch wieder gemeinsam in Polen!

Mein lyrisches Bilderbuch hat nur Worte, aber sie dringen durch und kommen hier und heute an. Sie sind nicht mehr die Vergangenheit, die sie erzählen oder bezeichnen, aber dieser neue Moment versprüht genau wieder die Lebensfreude, die sich trotz aller Hektik im Alltag während der Reise stillschweigend durchgesetzt hat. Ich habe neulich eine alte Aufnahme von unserer ersten Band gehört. Da war es ganz ähnlich, das Gefühl von früher war beim Hören einfach wieder da. Das kennt man von der Musik. Ich kannte es von meiner nicht und wusste nicht, dass auch meine Sprache oder Lyrik das so schaffen kann. Lyrik! Ich bin sehr froh damit, dass das alles hier und heute so passiert und alles ist wieder ganz da – nur anders und neu. Hach…

…es ist so schön zu sehen, wie stark die Sprache ist und wie sie diese Stimmung wiederherstellen kann. Klar – es ist eine Imitation des Vergangenen, eine Wiederholung im neuen Ereignis und Kattowitz ist heute das Café Duddel am Zülpicher Wall 8, also mitten in Köln am Bahnhof Süd. Und jeder hier hat sein eigenes Kattowitz. Jeder hat seine Bilder, die alle anders und auf ihre Weise zur Sprache passen. Und jeder kennt sie doch, die Momente, in denen man versucht, die Dinge ganz zu erfassen. Dinge, denen man keinen Begriff oder Namen geben kann, weil sie unbekannt, zu viel oder einfach nur fremd sind und bleiben. Aber es gelingt uns ja dann meist doch irgendwie und manchmal eben halt nur durch ein bisschen Spielerei und Witz. Und wirklich: Es wird so viel gelacht heute Abend – damit hätte ich gar nicht gerechnet. Ab jetzt wird der ganze Abend zum Kompliment – gegenseitig. (Das meine ich wiederum ernst!)

Nach der Pause: Lesung – das erste Mal!

Dann ist es soweit: Im Januar mit dem Roman „Das Experiment“ angefangen, durch verschiedene Schreibphasen gegangen und heute den Anfang lesen. Klar, das ist alles noch ein offener Text. An manchen Stellen bin ich mir sicher, an anderen werde ich beim Lesen unsicher. Aber das gehört dazu, das ist nicht tragisch. Man kann ja Dinge auch korrigieren. Das sollte einen nicht daran hindern, sie zu tun. Ich habe das Vorlesen in privaten Kontexten zwar ein paar mal geprobt, bin heute aber doch erstaunt, dass das so klappt: Man hört mir zu – das ist ja nicht selbstverständlich! – und sogar über zwanzig Minuten lang. Ich komme vom Text zum Erzählen und dann ist alles auf einmal sehr gut. Weil alles wie von selbst funktioniert.

Der Protagonist steht vor der Tür, kommt nicht in seine Wohnung und nicht auf die Idee, dass es Schlüsseldienste gibt. Stattdessen denkt er nach und erzählt die Geschichte seiner Großmutter, bis plötzlich jemand hinter ihm steht. Soweit kommen wir heute Abend aber noch nicht. Wir schaffen es auch noch nicht in seine Stammkneipe, von der ich aber kurz erzähle. Ich erzähle auch kurz von seinem Freund Peter, der eine etwas seltsame Beziehung zu Telefonen hat und seinen Anrufbeantworter als Puffer zwischen sich und das andere Ende der Leitung geschaltet hat. Lustigerweise hab ich mit einem der hier und heute Anwesenden neulich erst genau über diese Situation gesprochen – wir beide verstehen den Freund des Protagonisten gut. Dieser teilt seine Neurose auch mit dem Opa des Protagonisten, der in der Geschichte heute noch nicht erscheint und auch im Text wohl nur eine wichtige Randfigur bleibt.

Es geht hier und heute im Wesentlichen um die Großmutter. Die heimliche Erfinderin des Battlerap wäre eigentlich Schriftstellerin geworden. Die Geschichte meinte es anders mit ihr. Sie wurde dennoch eine glückliche Frau und wusste darum. Währenddessen bemerkt der Protagonist nicht, wie er zum Erzähler der Geschichte seiner Großmutter wird. Das Gute – setzt sich irgendwann gegen alle Widerstände durch – irgendwann wird auch das erzählt, was sonst hinter verschlossenen Türen passiert. Und irgendwann kommt jemand, der sich der Wahrheit nicht verschließt, sondern die Botschaft versteht. Das ist die eigentliche, knappe Intention der Erzählung, die ich jetzt einfach nur weiterschreiben möchte, um sie wieder zu lesen und weiter zu erzählen.

Kanada, Sehnsucht und zum Ende erzählen

Das Ende des Abends zerfasert etwas. Das ist aber heute nicht weiter schlimm. Bis hier ist alles gut gelaufen. Ich bin dankbar, dass man mir so lange zugehört hat und spiele nach der Lesung noch drei Lieder. So viel Raum für die Kunst! Vom Gipfel zurück, fahren wir mit Kettcar Taxi und träumen gemeinsam von Kanada. Alles braucht seine Zeit und es ist gut, wenn man sie hat. Entwicklung geht halt nicht ohne Entwicklung. Das ist die Paradoxie mit der wir alle leben. Sehnsucht ist nicht ihre Erfüllung. Wenn ich mal wieder nach Kanada komme, merke ich wahrscheinlich endlich, wie schön es wäre, in zwei Welten zu leben, aber nur in einer ist man zusammen und ganz da. Und der Traum des ewig anderen ist wichtig und verständlich, aber vielleicht fahren wir einfach das nächste Mal zusammen hin, oder woanders hin und dann ist Kanada möglicherweise auch Wanne-Eickel, Kattowitz oder St. Petersburg. Hauptsache zusammen. Das ist was bleibt.

Dann ist offiziell Ende. Inoffiziell spiele ich noch ein paar Lieder mehr. Tokio, Geschichte, Schafe – bei Johansson quittiert meine Stimme endgültig den Dienst. Nach mehreren Aufforderungen („Ich lasse mich sehr bitten!“ – Anmerkung des Autors: Heute nur alkoholfreies Weizen, da autonomer Fahrer!) folgt trotzdem noch eine Piano-Version von „Logbuch“, die eigentlich noch unter Verschluss ist. Vielleicht zu Unrecht. Ich mache sie bald mal fertig. Für heute geht dann wirklich nichts mehr – aber das ist auch nicht nötig, weil das gerade alles war und das war sehr schön.

Danke.

Vorhang. 

Nachtrag: In dieser Nacht werde ich gut schlafen. Die Bakterien nutzen offensichtlich die körperliche Erschöpfung für einen Angriff aus. Wie hinterhältig, welch Heimtücke! Aber ich halte tapfer dagegen – bin ganz in der Rolle als Mann und verbrauche alle meine Vorräte an Paracetamol über das Wochenende, um am Montag endlich weitere Tabletten zu bekommen. Tapfer, tapfer – der gute Herr! Ein echter Held… – Was wäre2 die Welt nur ohne Schmerzmittel und Antibiotika!

 

***

Anlage 1: Nachtrag zum Glück

Das Lied „Glück“ wurde neulich durch meinen Freund BM inhaltlich falsch verstanden. Es wurde behauptet, dass es ein sehr melancholisches und tief trauriges Lied sei. Dem möchte ich an dieser Stelle widersprechen. Es ist eigentlich ein sehr positives Lied. Es handelt davon, dass das Glück nicht einfach so passiert. Man muss auf die Gelegenheit zugehen und dann auch mal aus sich heraustreten, Eitelkeiten und Stolz überwinden und die Dinge anders machen, als man sie sonst macht. Man provoziert sich und sein Gegenüber so, dass etwas Neues entstehen kann. Manchmal gelingt das! Man investiert alles ins Jetzt und dann ist alles plötzlich sehr schön, wenn man bemerkt, wie in einem Moment das passiert, was man unter folgender Gleichung fassen kann: 1+1=13

Glück ist / wenn man davon weiß / dass man es gefunden hat / weil es gegangen ist / und dann wiederkommt

Was Sie sicher noch nicht wussten: Es ging mir eigentlich darum, eine Art gefälligen Schlager zu schreiben. Da ich zwar als Gelegenheitsfischer aktiv bin, aber meine Schwester die Helene in der Familie ist, wurde das Lied – trotz einer Anspielung auf Udo Jürgens – kein neues „Atemlos“. Auch das spricht vielleicht für ein glückliches Händchen, allerdings würde mein Finanzberater sich sicher darüber freuen, wenn mir nicht Luftschlösser wichtig wären, sondern echte.

 

Das Pedal

Hinweis: Während des Liedes „Glück“ (das in der Piano-Version heute erst das zweite Mal öffentlich vorgetragen wird!) rutscht das Pedal meines Tasteninstrumentes über den Holzboden. Meine Füße schaffen es nicht, dem Geschehen einen Richtungswechsel zu geben. Ich versuche, mir das Missgeschick nicht anmerken zu lassen, spiele den Song weiter und verspiele mich dann an einer Stelle kurz, weil es ohne Pedal wirklich schwierig ist! Aber es bleibt fast unbemerkt – außer die mir wirklich Vertrauten erwarten jetzt ein „Scheiße!“ und den spontanen Abbruch. Aber hier und heute nicht. Vielleicht gar nicht mehr. Es ist ja gerade gut – so wie es ist. Jeder Abbruch wäre falsch. Es ist nicht perfekt und gerade deshalb ja sehr schön. Nicht wegen mir. Nur wegen uns. 

Glück ist auch,…
…wenn man an alles denkt.

Dann wird es perfekt
denkt man
glaubt dran
man
Mann
Frau
.

Die Hoffnung stirbt bei Optimisten
nie, – bei allen anderen zuletzt.

Vollendung ist das Ziel
vollendet sich nicht selten
im gar-nicht-gelingen-will
also im Widerspruch
aber das ist ja reizend!

Schön, wie das so ist
wenn es gleich Torso ist
nicht erst später
und dann bleibt
und jemand schreibt
 Wie er hilflos staunt!
dem Griechenbild
die Arme zu
und “Zack!”, da entsteht das ideale Bild im Nu.

Bildhauerei ist eine schwerwiegende Kunst
Man müsste es mal bestimmen, das spezifische Gewicht
der perfekten Entstehung. Dann wäre man nah dran…

***

Zurück zur Musik: Ich klebe das Pedal
(und zur Sache) eigentlich fest
mit einem schwarzen
wahlweise grauen
oder jedem anderen
alternativfarbenen
Streifen

Textilklebeband

Im Volksmund: gerne als
“Gewebeband” bezeichnet.
In der Bühnenarbeit
und auf Festivals
spricht man meist
von “Gaffatape”
das hält alles
fest und
sicher
echt!

Die Kabel sind damit fixiert
stolpern heute keine Gefahr
Zumindest minimiert
Risiko auf ein
normales Maß
gebracht

Konzert fängt an
Die Finger zittern
Etwas ungewohnt
Nur nette Menschen
Schöne Gesichter
Freudige Stimmung
Klaviermusik
Also E-Piano mit
Fender Twin (Gitarrenverstärker)
Zwei Kabel vom digitalen Piano
In die analoge Röhre
Verstärkungsfaktor: 1

Ich singe los
Vom Glück und der Welt
Und wie schön es ist
Wenn man es provoziert
Und es passiert
Und Menschen einfach so da sind
Wie sie es jetzt sind
Und noch schöner
Wenn man genau das so weiß

Dann Solo – wichtigste Stelle
Das Pedal ist verrutscht
Gaffa vergessen
Die Beine wachsen nicht mit
Die Finger verpassen die Coolness
Und die Stelle ist so nicht mehr zu retten
Und gelingt irgendwie trotzdem
Message vermittelt

Gaffa ist nur eine gut gemeinte Bedingung
aber Gaffa kann auch nicht alles
und Gaffa macht nicht alles schöner
weil das so hier gerade
ist wie ein Gewebeband
nur schöner,
weil echt.

***

Hier folgt das Foto vom Pedal ohne Fixierung, als der Fuß es noch beherrschte!

Anlage 2: Die Anekdote vom Metahecht

Hinweis: Der folgende Abschnitt ist nichts für Tierfreunde, Vegetarier oder Veganer. Gerade in Zeiten von Wohlstand und Massentierhaltung ist natürlich die außermoralische Besprechung der tierischen Kost eine der härtesten Angelegenheiten. Dennoch bleibt das Fleisch gerade in schwierigen Zeiten ein wichtiger Energielieferant! 

Eines der eigentlichen Highlights des Abends passiert – wie so oft – erst nach dem Konzert und der Lesung. Wir stehen draußen und die ganze Meute ist in bester Stimmung. Alle erzählen miteinander, untereinander und bleiben ganz dicht zusammen. Normal versenden sich solche Geschichten und Anekdoten sofort oder überdauern höchstens im Stillepostprinzip. Nicht aber, wenn Einer dabei steht, der die Sache einfach mal aufschreibt. Exemplarisch für die Geschichten des Abends an dieser Stelle – die Anekdote vom Metahecht.

Einleitendes Interview – erzählt aus der Perspektive des Beobachters

Frage: Welcher Fisch beißt auf welchen Wurm?

Antwort: Nicht jeder Fisch beißt auf jeden Wurm. Nicht alle Fische beißen auf Würmer. Manche fressen aber auch Würmer. So einfach ist das Angeln eben nicht…

Frage: Gut, ich sehe – mein Vorurteil ist unangebracht. Aber klar, es gibt ja auch echte Profis beim Angeln. Woran erkennt man einen Profi-Angler?

Antwort: Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich sind die Unterschiede aber wirklich nicht sooo groß. Klar, man kann am Gerät was verändern, die Spots unterschiedlich anfahren und man muss das Gewässer lesen können. Dann kommt es noch auf die Köderpräsentation an und man muss natürlich gerade beim Kunstköder die perfekte Imitation erschaffen, aber im Grunde…

Frage: …es braucht also Glück? Da spricht aber der Profi! Welche Fische schmecken besser?

Antwort: Also anders als bei den Tieren, die an Land leben, ist es bei Fischen genau umgekehrt: Die Räuber schmecken besser, als die Grasfresser. Also im Wasser die Friedfische verteidigen und ihre Räuber jagen, an Land mit den Räubern solidarisieren. Der Mensch muss schon ganz schön paradoxe Dinge in der Welt ertragen. Das können wirklich nur Profis!

Jetzt steht eine Schwedenreise an. Vier Männer, zwei Boote. Ich erwarte den Bericht meines Freundes SM in spätestens zwei oder drei Wochen. Weitere Fragen können dann gestellt und beantwortet werden. Nun noch zum Metahecht!

Metahecht – das lyrische Kondensat

Personen steigen ein
Mit Hüten und langen Ruten
Schnüre dran …
– und Haken

Der Haken an der Sache ist hier eine sehr präzise zu beschreibende Wirklichkeit. Wäre das mal immer so einfach in und mit der Welt.

Angeln ist ein vermeintlich simples Geschäft:
Haken ins Wasser
Biss oder nicht
Fisch oder Flaute
Tod oder Leben
Fischer sind Räuber

Manche Fische sind das auch! Da wird doch der Fisch im Fischer verrückt!!! 

Ein Boot verlässt das Ufer
Darauf zwei Personen
natürlich wie Menschen
mit stillem Talent
zur gekonnten
Präsentation
Kunstköder
Imitat
Endlich
Wieder
Und wieder
Auswurf
Platsch
Falle
Ins Wasser
Schnur
Einrollen
Langsam
Dabei: Zupfen
Leben
Imitieren

Komm zurück!
Komm schon mit

Der Angler träumt vom “Meter-Hecht”

Währenddessen unter Wasser:
Der Metahecht denkt noch darüber nach
ob er wirklich ein Fisch ist oder ein Fischer
zum Fressen nicht bereit – Hungerstreik!
Für die Kunst hat er heute nichts übrig
Ihm geht es schließlich
– um die Frage der Existenz!

Anlage 3: Kritik von Jacke zu Jacke

Aus einer Unterhaltung am nächsten Tag:

[09:00, 27.4.2018] A: Hast auch echt gut abgeliefert 👌🏻
[09:00, 27.4.2018] A: Feedback unter 4 Augen 👍
[09:00, 27.4.2018] B: Jou. Danke
[09:01, 27.4.2018] B: Jetzt hab ich Angst 😂
[09:01, 27.4.2018] B: Ne quatsch
[09:01, 27.4.2018] B: Gerne Montag dann
[09:10, 27.4.2018] A: Ne alles in allem super Ding. Denke nur dass du sowas auch gerne hättest oder?
[09:10, 27.4.2018] A: Kann das auch sein lassen 😂
[09:31, 27.4.2018] B: Alles gut. Wir besprechen uns!
[09:33, 27.4.2018] B: Meine Jacke riecht seit gestern etwas. Jetzt muss ich die waschen und hab nur noch eine, die ich gerade so zumachen kann. Es geht noch offen. Wenn wir uns aber später mit geschlossener Jacke begegnen sollten, würde ich an der Stelle auch ohne Kritik leben können
[09:33, 27.4.2018] B: 😂
[09:34, 27.4.2018] A: 😂😂😂😂😂
[09:34, 27.4.2018] A: Schreib das auf!

So sei es hiermit geschehen!

Anmerkungen

  1. Fotos: Tine Hutzel (Titelbild, 1, 2, 5, 6 u. 7) und Ben Bergmann (3 u. 4)

  2. Ich bin versucht zu schreiben „wird“, gönne mir aber naiven Optimismus und eine positive Perspektive – die Halsschmerzen sind fast weg!

  3. S.a. Schwarze Schafe!