Einträge von Clemens Fuhrbach

Vom Klackern und Klotzen

Zwischen den Zeilen sammeln sich gelbe Markierungen und Seite für Seite kommen Dinge hinzu, andere fallen weg. Wer aufmerksam liest, nimmt das abstrakte Gegenüber ernst. Das ist eine Frage des Respekts. Das Gefühl, dass man zu wenig gelesen hat, das bleibt und wächst täglich. Dennoch kommt mit jedem geschlossenen Buchdeckel auch die Gewissheit hinzu, dass man immerhin ein nächstes Kapitel hinzugefügt hat – und man muss ja schließlich selbst…

Headphones

Headphones // Ein paar Minuten gegen das Licht / für ein paar Takte im Regen / für ein paar Akkorde so wie 2006 / im Leben den Anker werfen / der Rastplatz auf dem Weg ins Glück ist die Musik. //

Arbeiterviertel

Ich wohne nun eine ganze Weile in Kalk. Laufe durch Buchforst zur Bahn. Mal schleiche ich nachts durch die Straßen, mal bin ich wachsam wie ein übereifriger Jagdhund in Erwartung der nächsten erfolgreichen Fährte. Wenn ich nach Hause komme, komme ich mittlerweile hier her. Man gewöhnt sich an die Häuser. Den Dreck auf der Straße. Den Lärm vom Güterbahnhof. Das Quietschen wenn sich der Stahl aneinander reibt. Man gewöhnt sich auch an die Menschen mit denen man lebt – nie wirklich, nie ganz. Auch sie quietschen irgendwie. Mitten in der Stadt teilt sich das Viertel in einen Bereich für Gebliebene und einen Durchgangsbereich für die…

Blauer Sand

Neulich ist es passiert. Ich schüttelte die falschen Hände. Jetzt sind meine kontaminiert. Ich nutze den Zustand der eingetretenen Blaufleckenkrankheit und schreibe von meinem Leiden. Die Aristokraten*innen sind darüber besorgt. Die Masken sitzen längst nicht mehr sicher. Locker sitzt…

Zwischen Schreibtisch und Studio, Proberaum und Meer

Leute, Leute – was ist das los: Ich habe schon vier Monate keinen Eintrag mehr in meinem Tagebuch verzeichnet. Geschrieben habe ich derweil eine ganze Menge. Passiert ist irgendwie noch mehr und jetzt endlich macht sich mal die Erfahrung seit 2013 bemerkbar, denn das Scheitern an der ständigen Mitschrift der Wirklichkeit ist mir gut bekannt. Wer nicht nur zwischendurch lebt, scheitert genüsslich am Protokoll. Aber was hier schon fast…

Köln XY-Z?

Köln XY-Z? // Ende Juli / abseits der Datenbank / Word Dokumente geschlossen / Tabellen für morgen farbig markiert / nur noch mal eben / auf einen Sprung / ans Wasser / nicht ins / – zum Abschied. // Abgesang / solo. // Stille. // Verabschiedung vom alten Proberaum / ein paar Jahre / sind dann doch / eine (verdammt lang her) lange Zeit. // Eben dann …

Kölner Dom, Sonne, et cetera

Kölner Dom, Sonne, et cetera // Im Sommer zieht es die Menschen aus der Stadt ans Wasser / in Köln an den Rhein / mit Blick auf zwei Spitzen / die im Sonnenuntergang / sich wie Dornen gegen den Himmel stellen / um noch etwas zu bleiben / heute / dann Nacht. // Wir sitzen am Ufer / morgen schon wieder/ mitten im …

Frei zu sein, heißt, frei zu singen

Das politische Lied ist seit jeher nicht nur der Ausdruck des politischen Denkens, sondern es steht in der Schnittstelle des Sagbaren und vermittelt so die soziale Grenzerfahrung durch Sprache. Wie frei ist man wirklich und wie kommt die Unabhängigkeit in der Sprache der Lieder zum Ausdruck? Dieser Leitfrage wollen wir in einem gemeinsamen Workshop mit deutschen und polnischen Studierenden nachgehen.

Kalk 19-I (im Sommer)

Kalk 19-I (im Sommer) // Ich komme in die Kneipe / unverhofft / höre Musik / bin eigentlich längst auf dem Weg nach Hause / also wollte eigentlich gar nicht mehr raus / aber der Sommer ist warm / endlich / und der Sport steckt mir auch noch in den Knochen / die Straßenbahn kommt / als ich doch noch mal aufbreche / …

Blut

In den letzten Tagen habe ich Heinz Strunks‘ Der goldene Handschuh gelesen und dabei hat mich mehrere Male wiederholt der Ekel gepackt. Eine gewisse Betroffenheit hat sich in empathischen Momenten auch eingestellt. Was dargestellt wird, geht über das Verständnis hinaus. Zur Entspannung habe ich dann in den Pausen zur Lektüre ein Bild gemalt. Dass es den Titel „Blut“ trägt, ist dem Schicksal der Parallelität geschuldet.