Theorie

Polyphone Autorschaft als Politik in der Literatur ›Heinrich Bölls‹

Projektskizze

Im Frühjahr 2016 schloss ich das Lehramtsstudium mit der Examensarbeit Polyphone Autorschaft bei Heinrich Böll ab. Im Anschluss daran bekam ich die Möglichkeit bei apl. Prof. Dr. Matthias Bickenbach an der Universität zu Köln ein eigenständiges Forschungsprojekt aufzunehmen. Seit Herbst 2016 arbeite ich nun zum Thema Polyphone Autorschaft als Politik in der Literatur ›Heinrich Bölls‹. Auf Grundlage der bei Kiepenheuer & Witsch in 27 Bänden erschienenen Kölner Werkausgabe (2010 abgeschlossen) soll durch eine literaturwissenschaftliche Analyse eine allgemeine Perspektive zur Autorschaft erarbeitet werden. Der Beitrag versteht sich weiterführend und über die manchmal engen Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinaus als gesellschaftlicher Ausdruck zur Förderung der sprachlichen Vielfalt im demokratischen Spektrum der Bundesrepublik Deutschland.

Der Abschluss des Projekts ist für 2019 vorgesehen.

Kurz-Exposé

Stand: Herbst 2016

Im Jahr 2017 wäre der Autor Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Sein politisches Engagement wird durch die Heinrich-Böll-Stiftung e.V. in der Welt fortgesetzt. Wie aber steht es um das literarische Erbe des Nobelpreisträgers von 1972? Hat die Stimme Bölls eine Gegenwart und wenn ja, welche – oder müsste die Frage besser lauten: Wie viele? Zeitgenossen stellten sich dieser Frage nicht. Zu offensichtlich gab es den einen politischen Böll, die moralische Instanz und das „Gewissen der Nation“ und den anderen, dessen literarische Mittel begrenzt waren. Den, der im Nachkriegsdeutschland zur rechten Zeit am rechten Ort war und vom sprachlichen Vakuum des Neuanfangs profitierte. Beide Rollen wies Böll von sich und widersetzte sich einer öffentlichen Instrumentalisierung. Dennoch empfand er sich als „Gebundener“ (Frankfurter VL, 1964, KA 14) und stellte sich demonstrativ der Öffentlichkeit, brach mit Tabus und provozierte Kontroversen. Notwendiges Mittel dazu war die „Sprache als Hort der Freiheit“ (Die Sprache als Hort der Freiheit, 1959 , KA 10), in der er nicht Wahrheit, sondern Ausdruck suchte und konsequent vermittelte.

Im sprachlichen Ereignis verbinden sich nicht nur die politischen und literarischen Ebenen der Autorschaft ›Heinrich Bölls‹, sondern zugleich die Grundlagen jeder Diskussion von Politik und Literatur, denn beide Orte brauchen die Sprache als Medium der Kommunikation und Vermittlung. Die Sprachkonzeption Bölls erinnert dabei an ein polyphones Verständnis nach Bachtin und stellt dialogische Sprache einer monologischen gegenüber. Dem entsprechend war sich Böll dessen bewusst, dass Sprache auch Macht und Manipulation bedeuten kann, wenn sie monologisiert und radikalisiert wird: „Sprache ist Propaganda und strategisches Mittel, Kriege fangen immer mit Worten an, immer.“(»Gewissen der Nation? Reiner Quatsch«, 1982, Interview mit Sigrid Löffler, KA 26) Böll kannte die politische Dimension jeglichen Sprechens und Schreibens spätestens seit der totalitären Herrschaft in der NS-Zeit. Demokratischer Gegenentwurf konnte deshalb nach 1945 nur eine Sprachkonzeption bedeuten, die Vielfalt erkannte und kommunizierte.

Projektblog

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Hinweise zu Veranstaltungen & Tagungen

Ich vermerke Veranstaltungen und Tagungen, an denen ich als Zuhörer oder Vortragender teilnehme, mit Hinweisen zu Datum/Zeit, Ort und Programm neben meinen Konzerten bei meinen Terminen unter Live. Außerdem dokumentiere und kommentiere ich die Veranstaltung live – soweit möglich – in den von mir genutzten sozialen Netzwerken und halte aus meiner Sicht wichtige Aspekte und Perspektiven in einem anschließenden Bericht im Projektblog fest.

Förderung

Bei einem Interesse zur Zusammenarbeit oder im Falle der Möglichkeit einer Förderung meines Projektes, freue ich mich über eine E-Mail oder auf ein persönliches Gespräch.

Zur Person

Clemens Fuhrbach studierte Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Universität zu Köln und schloss das Studium mit dem Ersten Staatsexamen für Gymnasien und Gesamtschulen ab. Der Titel seiner Examensarbeit lautete Polyphone Autorschaft bei Heinrich Böll. Während des Studiums sammelte er Erfahrungen in unterschiedlichen Formaten der Medienproduktion, in der Web-Entwicklung und als Content-Redakteur. Außerdem schreibt er Prosa und Lyrik und ist als Musiker solo und in der Band Deine Vorstadt aktiv. Er betreibt ein Tonstudio in der Vorstadt und veröffentlicht seine Musik auf dem gleichnamigen Label.