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Die erste Lesung ist jetzt fast zwei Wochen her, die Mandelentzündung hat sich erst einmal wieder gelegt und am Freitag steht schon das nächste Konzert an. In der Zwischenzeit habe ich tatsächlich die Genehmigung für meinen ersten wissenschaftlichen Beitrag zum Tagungsband für Kattowitz bekommen und konnte letzte Woche die finale Korrektur freigeben. Es geht also an allen Fronten voran.

Dennoch muss ich an dieser Stelle vor allem mal etwas zum Experiment schreiben. Die Lesung und der öffentliche Vortrag eines eigenen Textes war für mich ja in der Form völlig neu, aufregend und sehr motivierend. So versuche ich jetzt jede von Alltäglichkeiten freie Minute zu nutzen, um die Handlung weiter voranzutreiben, ihre Erzählung zu entwickeln und die Geschichte in Form zu bringen.

Im Freiluftbüro – die Rheinpromenade in Deutz

Das wirklich Schöne am Lesen, Schreiben und Denken ist ja, dass es ortsungebunden funktioniert (oder nicht).1 Normalerweise bin ich dennoch mit der Arbeit sehr fixiert auf meinen Arbeitsplatz, wenn ich wirklich etwas schaffen will. Da sich die letzten Tage aber durch ein derart gutes Wetter auszeichnen, dass selbst mir schwerfällt, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich nicht wenigstens in den Abendstunden mal vor die Tür gehe, habe ich meinen Arbeitsplatz kürzlich erst verlassen. Schließlich ist die Sonne in den Abendstunden auch für Hauttyp null kein Gegenargument und keine Gefahr mehr.

Nachdem ich einige Fortschritte im Text machen konnte, bin ich am Sonntag also mit der aktuellen Druckfassung des Experiments (mittlerweile schon etwa 50 Seiten) von der Deutzer Freiheit aus an die Rheinpromenade. Dort habe ich dann ein bisschen gelesen und ein paar Korrekturen angebracht, ehe mir eines aufgefallen ist: Es ist ja durchaus zu beobachten, dass auch die Kölner Bauprojekte sich scheinbar nahtlos in die neue deutsche Gründlichkeit einreihen und zu detailversessenen Langzeitprojekten werden – erst bei der Fertigstellung und dann bei der Erhaltung (es geht um Perfektion! Der Dom hat ja auch gedauert…), aber ich muss an dieser Stelle, hier und heute, wirklich mal ein dickes Lob formulieren: Das hier, – ist wirklich toll!

Ich werde mal beim Finanzamt vorschlagen, dass ich diesen Arbeitsplatz vielleicht als Sommerbüro steuerlich geltend machen kann. Für Geisteswissenschaftler sind Ort und Stelle ja prädestiniert – frische Luft, freier Raum und man muss eines sagen: bei der gegenwärtigen Wohnraumsituation kann es nur allen Beteiligten sehr recht sein, wenn ich nicht noch auf die Idee komme, im Erfolgsfall eine größere Wohnung mit einem weiteren Zimmer zur Arbeit zu suchen. Und ich würde auch kein Recht auf einen bestimmten Platz einfordern. Irgendwo passt ein Mensch ja immer noch dazwischen und es wird sicher spannend, auch die Geschichten der Nachbarn zu hören. Ein paar Euro müssten doch auf Kulanz drin sein!

Nach der Lesung und zweite Schreibphase

Zurück zum Text: Nachdem ich den Anfang des Experiments im Januar Satz für Satz aktiv getwittert habe und nun feststellen musste, dass man2 so kein Buch schreibt (geschweige denn liest), musste ich feststellen, dass der Text sich in eine zweite Schreibphase verschiebt. Jetzt mögen manche sagen: Er hat kapituliert… Andere sagen: Das kommt nicht überraschend! Und das Langweilige ist: Alle haben wir recht. Aber mal eins nach dem anderen.

Es handelt sich manchmal auch um Einfälle in Kneipen, während der Bahnfahrt oder unter der Dusche. Wichtig ist, dass hin und wieder Menschen dabei sind.

Wenn man davon ausgehen will, dass ein Roman erst da ist, wenn er öffentlich ist oder veröffentlicht wird, dann möchte ich in diesem Feldversuch dafür plädieren, dass es so einfach nicht ist. Der Roman ist da, wenn der Autor seinen Einfall hat oder ihn noch nicht hat, aber anfängt zu erzählen und dann zu schreiben beginnt und ein Thema findet und es entwickelt. Damit ist der Ursprung ziemlich präzise benannt. Gleichwohl ist der Ort der Entstehung nicht immer zwangsläufig ein engerer Kontext von Literatur und zunächst meist nicht mehr als eine infinite Rohmasse.

Wieder ein Nachwort am Anfang

Wie schon bei der dem Text der Jungfrau, der derzeit aktiv ruht, habe ich in der letzten Woche begonnen, das Nachwort des Romans zu schreiben. Das lag zum einen daran, dass ich das Ende des ersten Kapitels noch nicht zu schreiben schaffe, zum anderen ist das Ende natürlich auch wichtig für die weitere Entwicklung des Romans. Während ich ja anfangs wirklich satzweise schreiben wollte, hat sich sehr schnell gezeigt, dass man den längeren Text immer nur als Gesamtes denken und schreiben kann. Es ist immer alles da oder (noch) nicht. Und es gibt Phasen in denen man schreiben kann und andere in denen es einfach nicht geht. Das klingt trivial, aber auch das muss manchmal gesagt werden und es ist wirklich so.

Gut, Papier ist heute überholt. Ich schreibe digital, aber ihr versteht schon…

Wenn die Phase kommt, in der Text entsteht (bei manchen kommt sie ja gar nicht, auch nicht nach ausgiebiger Übung!), dann muss man sie nutzen und die Worte zu Papier bringen. Man muss sich also voll und ganz der Handlung hingeben und sich in den Dienst der Sache stellen, wenn die Geschichte passiert. So ist zumindest mein aktueller Eindruck. Entsprechend habe ich nun für das Ende des Textes eine Wiederkehr des Protagonisten am Ort der Handlung des Romans eingebaut. Es wird so sein, dass sich seine Eindrücke bestätigen werden: die Dinge ändern sich und sein Platz wird zukünftig ein anderer geworden sein. Das bestätigt sich im Nachwort auf Ebene der Erzählung. Zudem wird so das geplant sehr offene Ende zum Schluss des zehnten Kapitels etwas relativiert und konkretisiert. Es bleibt dennoch vieles offen und ungesagt.

Bergidylle und ein weiterer Kneipenroman

Ich bin schon wirklich gespannt, wie sich die Geschichte in den nächsten Wochen und Monaten weiter entwickeln wird. Wie die Schreibphasen kommen und gehen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich selten mit einem Projekt ruhig gestellt bin. An die Gleichzeitigkeit der Prozesse in verschiedenen Arbeitsstufen musste ich mich wirklich lange Zeit gewöhnen, jetzt hat sich aber eine gewisse Routine und auch Ruhe eingestellt. Und so kommt es, dass sich auf der Ebene des Schreibens längst drei parallele Erzählungen in mein Leben geschlichen haben. Neben dem Experiment, liegt da eben besagte Jungfrau, deren Setting klar ist, nur fehlten mir bislang Ruhe und Kraft, die Handlung mit der Liebe zu Ende zu erzählen, die die Substanz der ganzen Geschichte ist.

Und dann ist da noch das Projekt über eine Kneipe im Kiel der 1980er Jahre. Kollektiv mit einem Freund verfasst, fing das zunächst als gemeinsame Ablenkung und Schreibübung an, war aber ein wichtiger Impuls, um ins Schreiben zu kommen. Auch dieser Text ruht derzeit. Allerdings hatten wir neulich ein Meeting in meiner Küche und haben dort die Handlung an meiner Tafel skizziert (Titelbild), um dem bisherigen Schreibstrom etwas Struktur zu verleihen. Es ist eine andere Geschichte als Das Experiment und es sind andere Protagonisten am Werk. Und doch sind da auch enge Verbindungen und Parallelen. Und auch das Motiv der Idylle im harmonischen Miteinander ist zwar in der Jungfrau am stärksten, aber dennoch für beide anderen Erzählungen auch notwendig. Vielleicht gehören alle drei Geschichten irgendwie zusammen und erzählen die gleiche Musik nur noch einmal anders.

Wenn es mal wieder an der Zeit ist, werde ich dann wieder lesen und etwas zeigen, damit es auch wirklich da ist. Bis es aber soweit ist, werde ich hier schreiben und wenn wir uns treffen, sicher davon erzählen. Es ist also eine gute Zeit, um den Sommer gemeinsam zu verbringen!

 

Anmerkungen

  1. Gleichwohl ist das natürlich manchmal auch etwas hinderlich, wenn man sich mal wieder selbst damit im Weg steht, A und B nicht getrennt voneinander zu bestreiten.

  2. Also ich schreibe es jedenfalls so nicht.