Schlagwort ›Video‹

Beiträge

Ich spiel auf einer Hochzeit

Als ich am Samstag aufwache, sind einige Wochen des Wartens ganz plötzlich vorbei und ich denke: Es geht wieder los – und nach einiger Zeit stelle ich fest: Endlich! Ich bin vor einigen Jahren noch häufiger mal auf Geburtstagen, mal auf Betriebsfeier aufgetreten. Dann folgte eine intensive Zeit im Studio und vor allem im Studium und ich hatte das Live-Erlebnis etwas aus den Augen verloren. Wir spielten zwar unsere Auftritte mit Deine Vorstadt, aber auch die waren immer zu schnell wieder vorbei. Der Alltag wirft einen doch schnell wieder zurück in die Routine. „Jetzt ist das vorbei“, dachte ich am Samstag und wusste, dass „jetzt“ zwar manchmal ein ausgesprochen dehnbarer Begriff ist, aber nicht heute.

Endlich wieder mit dem Koffer aus dem Haus

Gegen neun Uhr komme ich in Ehrenfeld an und werde bereits von meinem Freund und Kollegen MF-Production begrüßt. 2015 haben wir gemeinsam das Lied „Schwarze Schafe (Schlaflos in Widdersdorf)“ aufgenommen und waren damit u.a. bei KölnTV zu Gast. Heute spielen wir das Lied gemeinsam in einer Akustik-Version auf der Hochzeit seiner (d.i. MF) Ex-Freundin – eine für den Außenstehenden seltsam anmutenden Konstellation, aber es ist mit dem Bräutigam als Überraschung abgesprochen und mir ganz Recht so, um weder Konflikte noch Peinlichkeiten zu provozieren. Ab 21:15 Uhr ist also klar, dass es wirklich ein gelungener Abend werden könnte.

Verabredet ohne Probe stellen wir gg. 21:45 Uhr fest, dass wir vielleicht doch noch eine kurze, schnelle Durchlaufprobe im Hinterhof einschieben sollten. Eigentlich ist alles klar, aber „eigentlich“ ist ein noch dehnbarer Begriff als „jetzt“ an manchen Tagen. Wir spielen hinter der Küche im Streulicht und Flüsterton, gucken uns kurz an und sind uns einig, dass es eine gute Nummer werden könnte. Dann geht es auch gleich los.

„Wir reden nicht, sondern spielen einfach los!“

Im letzten Slot vor dem Hochzeitstanz beenden wir das Programm der Vorträge, Reden und Videobeiträge und treten ins Licht der Bühne. Nach – ich glaube Michael Jackson – dreht der DJ die Musik runter. Ich fange also einfach an, spiele die ersten vier Akkorde, die die nächsten vier Minuten auch mehr oder weniger die letzten sind und warte, bis sich das Publikum auf uns gerichtet hat. Es wird ruhig, deutlich ruhiger als noch vor fünf oder zehn Minuten und irgendwie überrascht mich die Stille und ich finde es fast schade, da dann sogleich wieder mit brechen zu müssen.

Dann geht es los:  „Unter der Porta Nigra…“

„Unter der Porta Nigra…“ setze ich an und merke, dass meine Stimme heute wirklich ganz gut klappt. Das ist manchmal nicht nur Tagesform, sondern gerade die Stimme ist auch immer ein Indikator für das persönliche Befinden. Scheinbar, denke ich, geht es mir heute wirklich ganz gut und scheinbar habe ich wirklich großen Spaß gerade. Ich hole kurz und tief Luft mit den Augen, da ich ja im Moment weitersingen muss und genieße fortan den Abend und die Aufmerksamkeit. Wir spielen unseren Song akustisch und unverstärkt, haben den ganzen Saal aber trotzdem für uns und mit uns. Es passt heute alles. Song, Publikum – Stimmung!

Ein Lied und keins mehr – noch nicht

Auch dieser Auftritt ist viel zu schnell vorbei. Es gibt einige „Zugabe“-Rufe, aber wir haben nur ein gemeinsames Lied und können den Wünschen an diesem Tag leider nicht entsprechen. Vielleicht werden wir für das nächste Mal und spätestens für die Silberhochzeit einen zweiten gemeinsamen Track produzieren (Verhandlungen laufen bereits!). Hier und heute gehen wir noch „eiskalt“ von der Bühne und genießen den Moment gemeinsam mit allen. An der frischen Luft stehend, begleiten wir dann mit dem Blick durch den Eingang des Saals den Hochzeitstanz, leiten die ganze positive Energie in das Gespräch über und sind noch immer aufgedreht aber glücklich.

Foto Clemens Fuhrbach - Kettcar, Im Taxi weinen (akustisch)

Nach einem langen Wochenende: Kettcar, Im Taxi weinen (akustisch)

Hallo zusammen.

Ich hatte letztes Wochenende Besuch aus Leipzig. Danach habe ich völlig übernächtigt die Handy-Kamera mitlaufen lassen und mit zittriger Hand Kettcar, Im Taxi weinen (akustisch) aufgenommen. Fast ohne Stimme und mit Kater singe ich den Song, der genau davon erzählt, dass eine Zeit manchmal zu schnell zu Ende geht und sich doch zu jeder Zeit wieder so anfühlt, als wäre man immer noch 20, frei und unbefangen und voller Träume – nur halt zehn Jahre später und um einige Erfahrungen reicher – und jede Zeit für sich ist ja irgendwie gut.

Was mit dem Abitur irgendwann anfing und von Kettcar und Tomte musikalisch quasi begleitet worden war, wuchs sich schneller raus, als ich es selber realisierte – gleichzeitig blieb die Musik irgendwo ständig als Begleiter und der Impuls war und ist da. Auf die ersten wilden Jahre und musikalischen Gehversuche folgte oftmals auch Ernüchterung und Frustration. Manchmal schwand die Lust, aber nie ging sie so ganz. Der Zweifel siegte nicht, weil in dieser Zeit ganz viele wichtige Leute zu Gefährten wurden, die nichts mit meiner Musik anfangen konnten oder wenigstens nichts mit Musik zu tun hatten, weil sie selber keine machten. Fernab des Proberaums entstand Freundschaft – neben der Musik, nicht ohne sie.

Und ständig geht die Sonne auf

Als uns einer der dicksten Freunde unserer Kiosk-Gang in Köln vor einigen Jahren dann in Richtung Osten verließ, wurden nicht nur die großartigen Abende mit zahlreichen Diskussionen und endlosen Unterhaltungen zwangsläufig weniger, sondern es ging auch ein ständiger Begleiter meiner musikalischen Entwicklung. Auch Kettcar hörte ich da schon länger gar nicht mehr. Die Dinge veränderten sich und tun dies fortlaufend – das ist ganz normal. Dennoch ist es jedes Mal wieder so, wenn man sich trifft, als wäre Zeit nicht wichtig und, als wäre das alles eigentlich nur ein langer Sommertag – „ein einziger Sommer“. Alte Fotos verraten natürlich eine andere Geschichte. Was damals nach dem Abi anfing – mit Kettcars Im Taxi weinen, Tomtes Schönheit der Chance oder Olli Schulz‘ & der Hund Maries Weil die Zeit sich so beeilt – am Kiosk weiterging und morgens mit Bratkartoffelgeruch bei Rita endete, all das ist Anlass des Songs Kettcar, Im Taxi weinen. Es ist die Geschichte, dass es gut ist, wenn man Freiheit erfährt und Freundschaft findet.

Seit einiger Zeit probe ich mein Album „Jeden ganzen Meter“ in Akustik-Versionen. Nebenher schreibe ich an neuen Songs und spiele ein paar ganz alte, um gegen Ende des Jahres ein neues Album raus zu bringen, vielleicht den ein oder anderen spontanen Gig auf der Straße zu spielen und zum Jahresabschluss dann ein Solo-Konzert in Köln: akustisch, alleine und ganz intim. Da ich nie nur an einer Front kämpfen, dauert es noch etwas – aber es hat sich schon viel verändert und auch dieses Schiff läuft in absehbarer Zeit in den Hafen ein.

Clemens

Jeden ganzen Meter gibt es u.a. bei

iTunes | AmazonGoogle Music | Spotify | Deezer

oder auch bei Youtube

 

Portrait Paris (Foto)

Jeden ganzen Meter und Paris-Video

Liebe Freunde,

es ist lang geworden, daher hier zunächst der Link

und die

Kurzfassung:
06.12. „Paris“ als Single und Video online, ab 12.12. Album „Jeden ganzen Meter“ vorbestellen bei iTunes oder direkt als Digipak (15,- inkl. Versand; vorerst nur per E-Mail an mail@clemensfuhrbach.com). Es ist alles solo, indie und ganz minimalistisch, mit fast keinem Budget und großem Herzen entwickelt und produziert. Das Ergebnis ist mehr als gut hörbar und ein echtes Gefühl von Glück.

Langfassung:
Für mich gehen ein spannendes Jahr und eine ereignisreiche Zeit zu Ende. Nachdem ich im Mai meine Examensarbeit abgegeben und im Juni mein Studium nach langem hin und her dann doch noch beendet habe, habe ich mich ein paar Wochen lang in meinem Studio in der Vorstadt hingesetzt und überlegt: Was war eigentlich vor zehn Jahren der Grund, dass du damals angefangen hast, eigene Lieder zu schreiben und Musik zu machen?

Die Antwort hatte ich relativ schnell gefunden: Es war einfach die richtige Zeit, Indie war das passende Gefühl und eine echte Signatur unserer Jugend. Ich hatte gute Leute um mich herum, wir erlebten Dinge, die uns für Momente zu Riesen machten und einen heute zum melancholischen Nostalgiker werden lassen, weil man feststellt, dass sie schon fünf Jahre oder länger hinter uns liegen. Doch so schön alle rückwärtsgewandte Erinnerung auch ist – es sind auch Jahre der Entwicklung, die ins Land ziehen und die eigene Perspektive für Vergangenheit und Zukunft erst zu einem richtigen Gefühl werden lassen. Ein Gefühl, für das es ein Wort gibt: Glück.

Ich beschloss also im Frühsommer, dem ersten einen zweiten Einschnitt an die Seite zu stellen und fing an, unter dem Titel „Jeden ganzen Meter“ ein Album zu schreiben, das sich musikalisch und inhaltlich bewusst in eine Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des deutschen Liedguts begibt und gleichzeitig einen individuellen Weg zeichnet. Das Album wurde zum ständigen Dialog. Es entstanden neue Ideen und Lieder, aber auch einige Demos und Textbausteine aus der intensiven „Lernzeit“ fügten sich zu einem stimmigen Set aus 10 Liedern. Weil ich dieses Mal sehr persönlich schreiben und arbeiten wollte, beschloss ich früh, den gesamten Produktionsprozess selbst zu durchlaufen – ich wollte keine Kompromisse diskutieren und Termine koordinieren, sondern Musik machen – so gut ich es kann und so wie es der Geldbeutel erlaubt. Klar war auch schnell, dass es alles auf deutsch sein musste.

Ich fand nach der Schulzeit zur deutschen Sprache und stellte fest, dass die Arbeit mit Worten eine meiner stillen Leidenschaften ist, die mir jetzt erst bewusst wurde. Die Musik wurde für mich über die Jahre zum experimentellen Spielplatz und zum Medium der ständigen Reflexion und Auseinandersetzung. Dabei habe ich auch früh immer versucht, eigene Wege zu gehen und Positionen zu entwickeln, die manchmal etwas abseits lagen. Dies ist geblieben – ein Gefühl von Freiheit, das ich erst jetzt wirklich schätzen kann. Immer ein bisschen neben der Strecke stehend, habe ich einen Stil gefunden, der so ist, wie ich Musik machen will und wie ich es gut finde. Dieser Prozess der musikalischen Auseinandersetzung war immer auch von bedingungslosen Entscheidungen und Erfahrungen geprägt. In der polaren Spannung zwischen ständigem Verlust und Ertrag wird man zum gelassenen Jäger des Augenblicks und liebt, auch wenn es flüchtig ist, immer intensiver.

Von heute an ist mein Video zu „Paris“ online. Die Single gibt es u.a. auch bei iTunes, Amazon und Spotify. Ich wollte für den Track keine große Video-Produktion oder -Inszenierung an den Start bringen (wäre auch völlig gegen das Budget gewesen). Zwei Menschen, eine Kamera, eine Stunde Zeit und die Suche nach einem Ort für einen einzigen Schuss. Das ist das Video zu Paris, als bewegtes Portrait im Charakter eines statischen Bildes. Großer Dank geht dafür an meinen Kumpel MF-Production / Michael Feldherr, der 4 Minuten lang stillstand, keine Sekunde gelacht und kein Wort gesprochen hat. DANKE.

Ab dem 12.12. kann man mein Album „Jeden ganzen Meter“ auch bei iTunes vorbestellen. Wer vorher noch ein Geschenk für Weihnachten braucht, kann mir ganz einfach eine E-Mail schreiben. Es gibt ganz schicke Digipaks für 15,- inkl. Versand. Downloads machen sich unter dem Weihnachtsbaum einfach nicht so gut.

Danke für die gemeinsame Strecke bis hier hin. Es kommen noch ein paar Meter dazu!

Dein Clemens

P.S.:
Mitten im Sommer hat sich ein neues Projekt ergeben und so muss die Schule noch ein bisschen warten, weil ich doch noch mal zur Uni gehe und im eigenen Feld forsche, arbeite und am Ende hoffentlich etwas zu Papier bringe. Das ist total spannend und aufregend, und das Geldverdienen bleibt noch ein bisschen die existentielle Nebensache. Wenn’s zeitlich alles klappt gibt es auch bald wieder eine Seite mit ein paar Infos zum Projekt und einer Möglichkeit zum Download meiner Musik. Ich will versuchen, dieses Mal nicht wild Dinge zu posten, die einen zweiten Blick und einen Augenblick der echten Aufmerksamkeit verdient haben. Das Internet ist eh schon voll genug. Es bleibt spannend, der Weg auf der Suche nach dem Neuen zu provozieren und das gesammelte Erinnern immer wieder neu zu durchforsten.