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Foto Lieber Martin

Lieber Martin,

ich bin seit längerer Zeit Mitglied der SPD, überzeugter Demokrat, Europäer und verstehe mich irgendwie auch als Weltbürger.1 Seit dem Parteitag in Dortmund bin ich auch noch mehr Sozialdemokrat als vorher. Die SPD befindet sich auf einem guten Weg. Aber gewonnen ist damit noch nichts: Wir stehen an einem Neuanfang. Das können die Menschen wissen. Darüber müssen wir nicht schweigen. Wir als Partei müssen uns neu erfinden, weil wir es als nationale wie globale Gesellschaft müssen. 

Wir müssen ›uns‹ wieder finden.

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Die ganze Welt ist vernetzt. Viele der Probleme, die sich hier und heute vor unserer Haustür, in unseren Häusern und auf unseren Straßen abspielen, sind hausgemacht. Aber hausgemachte Probleme sind eben auch solche, die die ganze Weltgemeinschaft betreffen. Heute steht alles mit allem im Zusammenhang, jeder mit jedem im Kontakt. Das überfordert uns. Täglich. Aber wir sind als Einzelne nicht nur passiver Teil einer Weltgesellschaft, sondern stehen in der Verantwortung im Miteinander – gleichermaßen durch unser Handeln wie durch Nicht-Handeln.

Den guten Menschen macht nicht die Politik, sondern jeder mit sich selbst aus.

Gute Politik fängt bei uns allen zu Hause und auf der Arbeit, im Alltag und im Umgang miteinander an – analog und digital

Ich verfolge Deinen Wahlkampf nun das ganze Jahr über schon intensiv. So intensiv wie keinen vorher. Nicht, weil ich einem Hype folge, sondern weil ich in zentralen Punkten unseres Programms übereinstimme. Mir war in der Vergangenheit lange nicht klar, warum keine Partei nicht wenigstens den Versuch unternimmt, auch progressiv nach vorne zu denken, Probleme anzusprechen und gesellschaftliche Veränderungen durch freiheitliches Denken offen als Möglichkeit in die Debatte trägt. Das passiert in Ansätzen gerade – endlich. Aber es ist noch mehr Potential vorhanden. Die Politik kann hier ebenso wie die Gesellschaft noch Meter gut machen und Gräben überwinden. Du kämpfst und zeigst, wie engagiert Politik betrieben werden kann. Das schätze ich sehr und es begeistert mich als Person, die zugunsten der Rhetorik eigentlich immer um Nüchternheit und eine kühle Ratio bemüht ist.

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Es geht um Handlungsfähigkeit und -freiheit.

Blickt man in die Welt, zeigt sich eine schwierige Lage – innen wie außen. Auch ich bin dieser Tage besorgt und das nicht wegen nur einer Baustelle. Und doch geht es mir sehr gut. So gut, wie es vielen Menschen insbesondere in Deutschland geht. Das ist ein Geschenk. Aber wenn wir ehrlich sind: Wir sind zugleich sehr wenige. Es spaltet unsere Gesellschaft nicht nur Politikverdrossenheit, sondern eine “Schere zwischen arm und reich”, die mehr als nur Kapital, Besitz oder den Kontostand meint. Wir müssen endlich feststellen: Die Politik des ständigen Wachstums ist nicht nur in der Krise, sondern an ein Ende gelangt und wir stehen vor der Frage, wohin sich die Spannungen entladen.

Es bieten sich zwei Alternativen: Entspannung durch alternative Lösungen für und durch die Weltgemeinschaft oder es werden mehr Konflikte entstehen und wohl unvermeidbar ausgetragen werden. Dabei hoffe ich, dass die Welt von morgen eine andere ist, weil wir uns gegen Gewalt entschieden und unsere Aufgabe als Menschheit erkannt und angenommen haben werden. Ich möchte mit unserer Generation in der Zukunft für ein neues Denken von ›Fortschritt‹ im friedlichen Miteinander als Wohlstand stehen.

Nur im Kollektiv kann man die großen Probleme langfristig lösen und gemeinsam erfolgreich sein.

Ich habe Zeit und Freiheit, diese Worte im Frieden zu verfassen und mich zu äußern. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit. Und wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, man in einer schwierigen Situation steckt oder schlichtweg Angst vor Veränderung hat, dann ist diese Sorge mehr als vorhanden und doch nicht immer sichtbar. Man muss das ernst nehmen und hinschauen. Auch das ist die Aufgabe von Politik. Jede Angst ist berechtigt und genau genommen hat jeder ganz eigene Ängste und wenige von uns sind so gefestigt, dass sie darüber offen sprechen können und wollen. Dabei schützt uns unsere Angst. Sie schützt uns davor, nicht ins offene Messer zu laufen, und es ist gut, hin und wieder Vorsicht walten zu lassen. Aber es ist falsch zu glauben, das Tabu schütze die Demokratie.

Lasst uns in Ruhe gemeinsam darüber sprechen und besonnen in den Dialog treten. Denn: In einer solidarischen Gesellschaft sind Ängste gesellschaftsfähig! Lasst uns alle miteinander darüber sprechen, wie die Gesellschaft von morgen keine ewig bessere, sondern eine bedingungslos eine gute wird.

 

Viele Grüße, Kraft und Erfolg für die letzten Tage im Kampf für ein demokratisches und sozial gerechtes Deutschland im solidarischen Miteinander in Europa und der Welt!

Solidarisch
Clemens

P.S.: Wir sehen uns morgen in Köln, um 17:30 Uhr am Heumarkt!
https://www.facebook.com/events/471685716532004/

Anmerkungen

  1. Grundsätzlich ist die Welt allerdings etwas groß, um sie als Einzelner als Ganzes zu denken, fürchte ich.