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Gut zwei Jahre nach unserem ersten Mal bei Rock am Dom hatten wir letzten Freitag nun das zweite Mal das Vergnügen, die Veranstaltung im Domforum im Herzen von Köln eröffnen zu dürfen. Mit dabei waren dieses Mal Durch & Durch sowie Die Versenker, die eines ihrer letzten gemeinsamen Konzerte gespielt haben.

Auspacken und anfangen

Bei bestem Wetter zieht es die Menschen nach draußen. In die Parks und in die Stadt. So war ist auch am letzten Freitag. Es herrscht ein sehr reges Treiben auf der Domplatte, als ich mit der Band gegen halb fünf am Domforum ankomme. Wir sind dieses Mal wirklich früh dran und müssen entsprechend noch auf den Hausmeister warten, um unseren Parkplatz zu bekommen. Auf der Domplatte wird zu dieser Zeit noch sehr eifrig der Kölner Dom unter strahlend blauem Himmel fotografiert – mit Menschen davor (und darin) und ohne. Wahrscheinlich sind aber auch auf Bildern programmatisch „ohne Menschen“ – wenn man nicht gerade nur die Domspitzen fotografiert – ungewollt Menschen drauf.

Zwischen all diesem Trubel nehmen wir wenig später unsere Sachen aus dem Wagen und bringen sie in den Glaskasten auf der Domplatte. Dann geht das Warten weiter. Wie beim Film besteht auch bei Konzerten im Vorfeld ein nicht zu geringer Teil der Zeit damit, abzuwarten was passiert und darauf zu warten, dass Dinge auf- oder abgebaut werden. Bis es dann soweit ist, die Bühne und Technik bereitet sind und das Schlagzeug steht, stellt man sich gegenseitig vor und quatscht mit den anderen Wartenden. Bei einer gemeinsamen Apfelschorle klärt man zwischendurch kurz mit dem Techniker, dass wir gar nicht so viel Technik brauchen. Das ist für beide Seiten erfreulich. Denn obwohl viel gewartet wird ist Zeit sehr kostbar und weniger meist mehr. Das ist das eigentlich Paradoxe.

Deine Vorstadt? Los geht’s!

Nach zwei erfolgreichen Soundchecks der beiden anderen Bands bauen wir dann als letzte unseren Kram auf. Das geht bei drei Amps und ein bisschen Schlagzeug wirklich zackig: Hinstellen, Strom finden, Mikros vor die Amps, ein paar Kabel um- und einstecken, Snare und Becken tauschen, Gaffatape an Bodentreter – es hat Zeiten gegeben, da war die Vorstadt komplizierter. Hier und heute zeigt sich: Wir wissen was wir machen und machen heute weniger, brauchen keine große Technik, spielen los und einfach weiter. Ja, es kann so einfach sein und das überrascht auch mich. Nach einem kurzen Wortwechsel spielen wir drei Lieder als Soundcheck und zum Warmspielen, dann ist Einlass und die ersten neuen und bekannten Gesichter kommen.

Musik ist für mich eher so ein Ding für die Dunkelheit. Heute ist es noch hell, aber trotzdem schön!

Pünktlich um 20 Uhr geht es dann los. Wir fangen laut an, werden etwas leiser und werden dann wieder laut. Alles ganz einfach – so scheint es, außer die Texte und die Musik. Das macht etwas hier und heute. Mit uns und den anderen. Es gibt nicht die große Party, aber da schauen Leute glücklich, fröhlich, abgelenkt und singen mit. Manche tanzen und andere hören einfach nur zu, denken nach und ihnen gefällt das, was passiert. Im Raum, mit ihrer Person und den anderen. Alle sind da – wegen der Musik und mit der Musik, miteinander und genau jetzt wird klar, dass etwas von heute bleibt.

Wie bei allen Konzerten, geht es dann viel zu schnell vorbei. Erst lange gewartet und dann gefühlt nur ein Lied gespielt. Dennoch liegt das natürlich auch daran, dass sich so viele Eindrücke sammeln und eine gemeinsame, intensiv zusammen verbrachte Zeit so viele Stimmungen und Emotionen befördert, dass man sie eine ganze Woche mit in die Welt trägt. Und dafür machen wir das.

Setlist des Abends

  1. Kommt ein Tag
  2. Schwarze Schafe
  3. Routine
  4. Geheimversteck
  5. Reisefieber
  6. Küche
  7. Keine Ahnung
  8. Graffiti
  9. Amerika

Deine Vorstadt – Immer wieder alte Lieder – Küche

Der schönste Ort bei jeder Party ist die Küche. Und wenn es mal wieder so richtig und viel zu gut ist, dann tanzt man in den Morgen und singt eins der alten Lieder. Bis die Polizei plötzlich vor der Tür steht und das Kassettendeck konfisziert. Doch selbst das bringt nichts. Wir Kassettenkinder wachen wieder auf, wissen nicht was los war, gehen kurz zum Kiosk und singen einfach weiter, weil das Gefühl immer noch da und immer noch gut ist.

***

Neue Lieder, alte Lieder – immer wieder, immer weiter

Noch ein kurzer Rück- und Ausblick: Aufgrund der eifrigen Arbeit an neuen Songs zu Beginn des Jahres, hätten wir die Proben für Freitag fast ganz vergessen! Vor zwei Wochen ereilte mich dann noch eine fiese Mandelentzündung und so hatten wir letztendlich nur zwei Termine, um uns vorzubereiten. Aber da die alten und neuen Lieder mittlerweile richtig solide sitzen merkten wir dann am Montag bei der letzten Probe schon: Das gut 40-minütige Set sitzt. Und damit begann dann eine gute Woche in Vorfreude auf Freitag!

Das waren die Hits, jetzt kommen die Superhits!

Wir sind zwar noch keine Band für die große Publikumsanimation und gerade bei den neuen Lieder noch etwas konzentriert und zurückhaltend, aber es zeichnet sich etwas ab. Gerade auch das was im Proberaum gerade entsteht, wird eine Weiterführung von intensiven Texten, melodischem Gesang und krachender Musik. Schnörkellos und ehrlich geht es um Freundschaft, Freiburg und Zettelbotschaften am Kühlschrank. Mal sehen, wann wir damit den nächsten Schritt machen – ich bin jedenfalls gespannt.

Es ist jetzt fast drei Tage her…

…doch die Erinnerung ist in diesem Falle klar: Vielen Dank für den schönen gemeinsamen Abend! Dank geht auch an Tommy Millhome, der uns wieder eingeladen hat sowie an Martin und Ulrich Paashaus (www.fotolinse-paashaus.de), die den Abend mit ihrer Kamera begleitet haben. Das war wirklich gut und mach Lust auf mehr!

Ich freue mich schon total auf das, was jetzt diesen Sommer mit der Band ansteht: Sommerkino vom 28. bis 31. Mai und Ende Juli. Campen in Hain am 22. Juli und vorher spielen wir am 29. Juni noch unser Sommerfest beim Pitter in der Südstadt.

Vielleicht sehen wir uns ja bei einem der nächsten Termine. Ich würde mich freuen, wenn Du dabei bist!

Dein Clemens

 

***

Bildnachweis

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Martin und Ulrich Paashaus von der Fotolinse Paashaus (www.fotolinse-paashaus.de) © 2018

Liebe Leute,

nach Donnerstag hat mich zwar eine ganz üble Mandelentzündung erst einmal völlig außer Gefecht gesetzt und es hat mir in der Tat physisch wie mental etwas die Stimme verschlagen, aber nach so einem Abend ist auch irgendwie für Tage genug gesagt und man schwebt ein bisschen wie verliebt (nur anders) durch die Welt. Es ist wirklich eines der schönsten Erlebnisse, wenn die Sprache es schafft, die Grenzen zu überwinden und einen Raum voller Herzlichkeit und Leidenschaft so ganz zu erfüllen, dass alle zusammen im Moment kurz woanders und einfach nur glücklich sind. Kurz gesagt: Es war toll mit Euch! Danke.1

Heute – bezeichnenderweise am Tag der Arbeit – kehrt meine Stimme langsam zurück. Ich versuche also mal ein paar Dinge des Abends in verschiedene Formen zu bringen, Glocken zu gießen und Sandkuchen zu backen – was man halt so macht, am freien Tag, von Feiertag zu Feiertag!

Ihr legt die Schienen / Ich bin die Bahn
Ich fange an, das zu sagen / was ich so
/ sonst nicht sagen kann

Das war das erste Mal in dieser Form: alleine mit meiner Gitarre, mit ein paar Liedern an den Tasten und das erste Mal mit Lyrik und Geschichten, Gedichten und ganz viel Lust am Erzählen. Ich war wirklich etwas aufgeregt vor dem Abend, aber dank Euch war es einfach nur wunderbar. Wenn man in solche Gesichter singen und erzählen kann, dann erübrigt sich die ganze Welt für ein paar Stunden und alles relativiert sich. Man ist zusammen im Glück und alles ist einfach nur da und ganz nah. Ohne ein so aufmerksames Publikum blieben solche Geschichten stumme Erzählung.

Mit Euch ist das anders und jedes Schweigen wird gebrochen: Ihr habt so aufmerksam zugehört, wie ich es mir gar nicht hätte vorstellen können und habt an Stellen gelacht, von denen ich gar nicht wusste, dass sie wirklich so witzig sind, wie ich sie denke, wenn ich sie schreibe und dabei den Ernst manchmal an der Raststätte vergesse und dann die nächste Ausfahrt nehme, um ihn wieder einzusammeln. Weil ganz ohne geht es ja nicht. Auch er trägt schließlich seinen Teil dazu bei, dass die Dinge so laufen…

Virginia, warum hast Du mich verlassen?

Der Abend beginnt mit Virginia. Also eigentlich ohne. Es geht ja darum, dass Virginia jetzt weg ist. Und ich stehe noch da, bin völlig überrascht und rufe ihr noch etwas hinterher. Ich weiß, dass es keinen Sinn mehr hat, aber ich kann auch nicht bleiben, ohne etwas zu sagen. Vielleicht ist das (bei allen anderen Anspielungen) die eigentliche Message des Songs: Lass mir wenigstens noch die letzten Worte, wenn Du schon gehst; gehen musst oder willst. Aber so selbstbestimmt ist das Leben ganz oft oder nur manchmal eben nicht.

Das erste Lied trage ich spielerisch ganz ohne Musik, also quasi blanko vor. Das ist alles ganz anders als mit Musik. Der Text steht für sich und trotzdem ganz gut da. Es bleibt natürlich nicht dabei.  Im Anschluss spiele ich Neues und Altes an der Gitarre und verweise darauf, dass es hier nicht um irgendeine kitschige Romantik geht, der man einen überhöhenden Idealismus als unerreichbaren Überbau an die Hand gibt, um alle, die Welt und sich selbst zu überfordern. Es geht eigentlich nur darum, miteinander zu sprechen, gute Gesellschaft zu suchen und zu erkennen, wenn sie denn da ist. Das ist in der Sache schon nicht immer so einfach, weil die Welt manchmal eben ein Graffiti ist und, wenn keiner was sagt, kommt man keinen Schritt weiter. Also auf geht’s – versuchen wir unser Glück. Wie auch immer es passiert, wichtig ist nur, dass es passiert und mit uns.

Aufbruch, Glück und Paris – auch das ist eigentlich ein fröhliches Lied!

In den Vorbereitungen waren es noch fünf Gedichte, die ich lesen wollte. Ich habe mich zum Kürzen erzogen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch dann alles noch immer sehr viel ist und gelegentlich zu Überforderung führt. Es ist ein Drahtseilakt, aber ich übe! Man will ja immer gleich zwei, drei Dinge gleichzeitig erzählen und das führt dann oft zu großer Verwirrung. Deshalb heute keine Kohle, kein Bergwerk, sondern einfach nur „Aufbruch“ (aus Kattowitz im Herbst, das ich bald mal hier vollständig online verfügbar machen sollte, wäre es nur einfacher zu setzen!). Ich lese versucht etwas langsamer als zu schnell. Es ist aber immer noch schnell, aber das gehört auch dazu. Spannend, wie die Leute Sprache und Stimme, Klang und Bedeutung zusammen so ganz anders verstehen. Es wirkt auf einmal alles völlig autark und organisch. Und am Ende landen wir doch wieder gemeinsam in Polen!

Mein lyrisches Bilderbuch hat nur Worte, aber sie dringen durch und kommen hier und heute an. Sie sind nicht mehr die Vergangenheit, die sie erzählen oder bezeichnen, aber dieser neue Moment versprüht genau wieder die Lebensfreude, die sich trotz aller Hektik im Alltag während der Reise stillschweigend durchgesetzt hat. Ich habe neulich eine alte Aufnahme von unserer ersten Band gehört. Da war es ganz ähnlich, das Gefühl von früher war beim Hören einfach wieder da. Das kennt man von der Musik. Ich kannte es von meiner nicht und wusste nicht, dass auch meine Sprache oder Lyrik das so schaffen kann. Lyrik! Ich bin sehr froh damit, dass das alles hier und heute so passiert und alles ist wieder ganz da – nur anders und neu. Hach…

…es ist so schön zu sehen, wie stark die Sprache ist und wie sie diese Stimmung wiederherstellen kann. Klar – es ist eine Imitation des Vergangenen, eine Wiederholung im neuen Ereignis und Kattowitz ist heute das Café Duddel am Zülpicher Wall 8, also mitten in Köln am Bahnhof Süd. Und jeder hier hat sein eigenes Kattowitz. Jeder hat seine Bilder, die alle anders und auf ihre Weise zur Sprache passen. Und jeder kennt sie doch, die Momente, in denen man versucht, die Dinge ganz zu erfassen. Dinge, denen man keinen Begriff oder Namen geben kann, weil sie unbekannt, zu viel oder einfach nur fremd sind und bleiben. Aber es gelingt uns ja dann meist doch irgendwie und manchmal eben halt nur durch ein bisschen Spielerei und Witz. Und wirklich: Es wird so viel gelacht heute Abend – damit hätte ich gar nicht gerechnet. Ab jetzt wird der ganze Abend zum Kompliment – gegenseitig. (Das meine ich wiederum ernst!)

Nach der Pause: Lesung – das erste Mal!

Dann ist es soweit: Im Januar mit dem Roman „Das Experiment“ angefangen, durch verschiedene Schreibphasen gegangen und heute den Anfang lesen. Klar, das ist alles noch ein offener Text. An manchen Stellen bin ich mir sicher, an anderen werde ich beim Lesen unsicher. Aber das gehört dazu, das ist nicht tragisch. Man kann ja Dinge auch korrigieren. Das sollte einen nicht daran hindern, sie zu tun. Ich habe das Vorlesen in privaten Kontexten zwar ein paar mal geprobt, bin heute aber doch erstaunt, dass das so klappt: Man hört mir zu – das ist ja nicht selbstverständlich! – und sogar über zwanzig Minuten lang. Ich komme vom Text zum Erzählen und dann ist alles auf einmal sehr gut. Weil alles wie von selbst funktioniert.

Der Protagonist steht vor der Tür, kommt nicht in seine Wohnung und nicht auf die Idee, dass es Schlüsseldienste gibt. Stattdessen denkt er nach und erzählt die Geschichte seiner Großmutter, bis plötzlich jemand hinter ihm steht. Soweit kommen wir heute Abend aber noch nicht. Wir schaffen es auch noch nicht in seine Stammkneipe, von der ich aber kurz erzähle. Ich erzähle auch kurz von seinem Freund Peter, der eine etwas seltsame Beziehung zu Telefonen hat und seinen Anrufbeantworter als Puffer zwischen sich und das andere Ende der Leitung geschaltet hat. Lustigerweise hab ich mit einem der hier und heute Anwesenden neulich erst genau über diese Situation gesprochen – wir beide verstehen den Freund des Protagonisten gut. Dieser teilt seine Neurose auch mit dem Opa des Protagonisten, der in der Geschichte heute noch nicht erscheint und auch im Text wohl nur eine wichtige Randfigur bleibt.

Es geht hier und heute im Wesentlichen um die Großmutter. Die heimliche Erfinderin des Battlerap wäre eigentlich Schriftstellerin geworden. Die Geschichte meinte es anders mit ihr. Sie wurde dennoch eine glückliche Frau und wusste darum. Währenddessen bemerkt der Protagonist nicht, wie er zum Erzähler der Geschichte seiner Großmutter wird. Das Gute – setzt sich irgendwann gegen alle Widerstände durch – irgendwann wird auch das erzählt, was sonst hinter verschlossenen Türen passiert. Und irgendwann kommt jemand, der sich der Wahrheit nicht verschließt, sondern die Botschaft versteht. Das ist die eigentliche, knappe Intention der Erzählung, die ich jetzt einfach nur weiterschreiben möchte, um sie wieder zu lesen und weiter zu erzählen.

Kanada, Sehnsucht und zum Ende erzählen

Das Ende des Abends zerfasert etwas. Das ist aber heute nicht weiter schlimm. Bis hier ist alles gut gelaufen. Ich bin dankbar, dass man mir so lange zugehört hat und spiele nach der Lesung noch drei Lieder. So viel Raum für die Kunst! Vom Gipfel zurück, fahren wir mit Kettcar Taxi und träumen gemeinsam von Kanada. Alles braucht seine Zeit und es ist gut, wenn man sie hat. Entwicklung geht halt nicht ohne Entwicklung. Das ist die Paradoxie mit der wir alle leben. Sehnsucht ist nicht ihre Erfüllung. Wenn ich mal wieder nach Kanada komme, merke ich wahrscheinlich endlich, wie schön es wäre, in zwei Welten zu leben, aber nur in einer ist man zusammen und ganz da. Und der Traum des ewig anderen ist wichtig und verständlich, aber vielleicht fahren wir einfach das nächste Mal zusammen hin, oder woanders hin und dann ist Kanada möglicherweise auch Wanne-Eickel, Kattowitz oder St. Petersburg. Hauptsache zusammen. Das ist was bleibt.

Dann ist offiziell Ende. Inoffiziell spiele ich noch ein paar Lieder mehr. Tokio, Geschichte, Schafe – bei Johansson quittiert meine Stimme endgültig den Dienst. Nach mehreren Aufforderungen („Ich lasse mich sehr bitten!“ – Anmerkung des Autors: Heute nur alkoholfreies Weizen, da autonomer Fahrer!) folgt trotzdem noch eine Piano-Version von „Logbuch“, die eigentlich noch unter Verschluss ist. Vielleicht zu Unrecht. Ich mache sie bald mal fertig. Für heute geht dann wirklich nichts mehr – aber das ist auch nicht nötig, weil das gerade alles war und das war sehr schön.

Danke.

Vorhang. 

Nachtrag: In dieser Nacht werde ich gut schlafen. Die Bakterien nutzen offensichtlich die körperliche Erschöpfung für einen Angriff aus. Wie hinterhältig, welch Heimtücke! Aber ich halte tapfer dagegen – bin ganz in der Rolle als Mann und verbrauche alle meine Vorräte an Paracetamol über das Wochenende, um am Montag endlich weitere Tabletten zu bekommen. Tapfer, tapfer – der gute Herr! Ein echter Held… – Was wäre2 die Welt nur ohne Schmerzmittel und Antibiotika!

 

***

Anlage 1: Nachtrag zum Glück

Das Lied „Glück“ wurde neulich durch meinen Freund BM inhaltlich falsch verstanden. Es wurde behauptet, dass es ein sehr melancholisches und tief trauriges Lied sei. Dem möchte ich an dieser Stelle widersprechen. Es ist eigentlich ein sehr positives Lied. Es handelt davon, dass das Glück nicht einfach so passiert. Man muss auf die Gelegenheit zugehen und dann auch mal aus sich heraustreten, Eitelkeiten und Stolz überwinden und die Dinge anders machen, als man sie sonst macht. Man provoziert sich und sein Gegenüber so, dass etwas Neues entstehen kann. Manchmal gelingt das! Man investiert alles ins Jetzt und dann ist alles plötzlich sehr schön, wenn man bemerkt, wie in einem Moment das passiert, was man unter folgender Gleichung fassen kann: 1+1=13

Glück ist / wenn man davon weiß / dass man es gefunden hat / weil es gegangen ist / und dann wiederkommt

Was Sie sicher noch nicht wussten: Es ging mir eigentlich darum, eine Art gefälligen Schlager zu schreiben. Da ich zwar als Gelegenheitsfischer aktiv bin, aber meine Schwester die Helene in der Familie ist, wurde das Lied – trotz einer Anspielung auf Udo Jürgens – kein neues „Atemlos“. Auch das spricht vielleicht für ein glückliches Händchen, allerdings würde mein Finanzberater sich sicher darüber freuen, wenn mir nicht Luftschlösser wichtig wären, sondern echte.

 

Das Pedal

Hinweis: Während des Liedes „Glück“ (das in der Piano-Version heute erst das zweite Mal öffentlich vorgetragen wird!) rutscht das Pedal meines Tasteninstrumentes über den Holzboden. Meine Füße schaffen es nicht, dem Geschehen einen Richtungswechsel zu geben. Ich versuche, mir das Missgeschick nicht anmerken zu lassen, spiele den Song weiter und verspiele mich dann an einer Stelle kurz, weil es ohne Pedal wirklich schwierig ist! Aber es bleibt fast unbemerkt – außer die mir wirklich Vertrauten erwarten jetzt ein „Scheiße!“ und den spontanen Abbruch. Aber hier und heute nicht. Vielleicht gar nicht mehr. Es ist ja gerade gut – so wie es ist. Jeder Abbruch wäre falsch. Es ist nicht perfekt und gerade deshalb ja sehr schön. Nicht wegen mir. Nur wegen uns. 

Glück ist auch,…
…wenn man an alles denkt.

Dann wird es perfekt
denkt man
glaubt dran
man
Mann
Frau
.

Die Hoffnung stirbt bei Optimisten
nie, – bei allen anderen zuletzt.

Vollendung ist das Ziel
vollendet sich nicht selten
im gar-nicht-gelingen-will
also im Widerspruch
aber das ist ja reizend!

Schön, wie das so ist
wenn es gleich Torso ist
nicht erst später
und dann bleibt
und jemand schreibt
 Wie er hilflos staunt!
dem Griechenbild
die Arme zu
und “Zack!”, da entsteht das ideale Bild im Nu.

Bildhauerei ist eine schwerwiegende Kunst
Man müsste es mal bestimmen, das spezifische Gewicht
der perfekten Entstehung. Dann wäre man nah dran…

***

Zurück zur Musik: Ich klebe das Pedal
(und zur Sache) eigentlich fest
mit einem schwarzen
wahlweise grauen
oder jedem anderen
alternativfarbenen
Streifen

Textilklebeband

Im Volksmund: gerne als
“Gewebeband” bezeichnet.
In der Bühnenarbeit
und auf Festivals
spricht man meist
von “Gaffatape”
das hält alles
fest und
sicher
echt!

Die Kabel sind damit fixiert
stolpern heute keine Gefahr
Zumindest minimiert
Risiko auf ein
normales Maß
gebracht

Konzert fängt an
Die Finger zittern
Etwas ungewohnt
Nur nette Menschen
Schöne Gesichter
Freudige Stimmung
Klaviermusik
Also E-Piano mit
Fender Twin (Gitarrenverstärker)
Zwei Kabel vom digitalen Piano
In die analoge Röhre
Verstärkungsfaktor: 1

Ich singe los
Vom Glück und der Welt
Und wie schön es ist
Wenn man es provoziert
Und es passiert
Und Menschen einfach so da sind
Wie sie es jetzt sind
Und noch schöner
Wenn man genau das so weiß

Dann Solo – wichtigste Stelle
Das Pedal ist verrutscht
Gaffa vergessen
Die Beine wachsen nicht mit
Die Finger verpassen die Coolness
Und die Stelle ist so nicht mehr zu retten
Und gelingt irgendwie trotzdem
Message vermittelt

Gaffa ist nur eine gut gemeinte Bedingung
aber Gaffa kann auch nicht alles
und Gaffa macht nicht alles schöner
weil das so hier gerade
ist wie ein Gewebeband
nur schöner,
weil echt.

***

Hier folgt das Foto vom Pedal ohne Fixierung, als der Fuß es noch beherrschte!

Anlage 2: Die Anekdote vom Metahecht

Hinweis: Der folgende Abschnitt ist nichts für Tierfreunde, Vegetarier oder Veganer. Gerade in Zeiten von Wohlstand und Massentierhaltung ist natürlich die außermoralische Besprechung der tierischen Kost eine der härtesten Angelegenheiten. Dennoch bleibt das Fleisch gerade in schwierigen Zeiten ein wichtiger Energielieferant! 

Eines der eigentlichen Highlights des Abends passiert – wie so oft – erst nach dem Konzert und der Lesung. Wir stehen draußen und die ganze Meute ist in bester Stimmung. Alle erzählen miteinander, untereinander und bleiben ganz dicht zusammen. Normal versenden sich solche Geschichten und Anekdoten sofort oder überdauern höchstens im Stillepostprinzip. Nicht aber, wenn Einer dabei steht, der die Sache einfach mal aufschreibt. Exemplarisch für die Geschichten des Abends an dieser Stelle – die Anekdote vom Metahecht.

Einleitendes Interview – erzählt aus der Perspektive des Beobachters

Frage: Welcher Fisch beißt auf welchen Wurm?

Antwort: Nicht jeder Fisch beißt auf jeden Wurm. Nicht alle Fische beißen auf Würmer. Manche fressen aber auch Würmer. So einfach ist das Angeln eben nicht…

Frage: Gut, ich sehe – mein Vorurteil ist unangebracht. Aber klar, es gibt ja auch echte Profis beim Angeln. Woran erkennt man einen Profi-Angler?

Antwort: Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich sind die Unterschiede aber wirklich nicht sooo groß. Klar, man kann am Gerät was verändern, die Spots unterschiedlich anfahren und man muss das Gewässer lesen können. Dann kommt es noch auf die Köderpräsentation an und man muss natürlich gerade beim Kunstköder die perfekte Imitation erschaffen, aber im Grunde…

Frage: …es braucht also Glück? Da spricht aber der Profi! Welche Fische schmecken besser?

Antwort: Also anders als bei den Tieren, die an Land leben, ist es bei Fischen genau umgekehrt: Die Räuber schmecken besser, als die Grasfresser. Also im Wasser die Friedfische verteidigen und ihre Räuber jagen, an Land mit den Räubern solidarisieren. Der Mensch muss schon ganz schön paradoxe Dinge in der Welt ertragen. Das können wirklich nur Profis!

Jetzt steht eine Schwedenreise an. Vier Männer, zwei Boote. Ich erwarte den Bericht meines Freundes SM in spätestens zwei oder drei Wochen. Weitere Fragen können dann gestellt und beantwortet werden. Nun noch zum Metahecht!

Metahecht – das lyrische Kondensat

Personen steigen ein
Mit Hüten und langen Ruten
Schnüre dran …
– und Haken

Der Haken an der Sache ist hier eine sehr präzise zu beschreibende Wirklichkeit. Wäre das mal immer so einfach in und mit der Welt.

Angeln ist ein vermeintlich simples Geschäft:
Haken ins Wasser
Biss oder nicht
Fisch oder Flaute
Tod oder Leben
Fischer sind Räuber

Manche Fische sind das auch! Da wird doch der Fisch im Fischer verrückt!!! 

Ein Boot verlässt das Ufer
Darauf zwei Personen
natürlich wie Menschen
mit stillem Talent
zur gekonnten
Präsentation
Kunstköder
Imitat
Endlich
Wieder
Und wieder
Auswurf
Platsch
Falle
Ins Wasser
Schnur
Einrollen
Langsam
Dabei: Zupfen
Leben
Imitieren

Komm zurück!
Komm schon mit

Der Angler träumt vom “Meter-Hecht”

Währenddessen unter Wasser:
Der Metahecht denkt noch darüber nach
ob er wirklich ein Fisch ist oder ein Fischer
zum Fressen nicht bereit – Hungerstreik!
Für die Kunst hat er heute nichts übrig
Ihm geht es schließlich
– um die Frage der Existenz!

Anlage 3: Kritik von Jacke zu Jacke

Aus einer Unterhaltung am nächsten Tag:

[09:00, 27.4.2018] A: Hast auch echt gut abgeliefert 👌🏻
[09:00, 27.4.2018] A: Feedback unter 4 Augen 👍
[09:00, 27.4.2018] B: Jou. Danke
[09:01, 27.4.2018] B: Jetzt hab ich Angst 😂
[09:01, 27.4.2018] B: Ne quatsch
[09:01, 27.4.2018] B: Gerne Montag dann
[09:10, 27.4.2018] A: Ne alles in allem super Ding. Denke nur dass du sowas auch gerne hättest oder?
[09:10, 27.4.2018] A: Kann das auch sein lassen 😂
[09:31, 27.4.2018] B: Alles gut. Wir besprechen uns!
[09:33, 27.4.2018] B: Meine Jacke riecht seit gestern etwas. Jetzt muss ich die waschen und hab nur noch eine, die ich gerade so zumachen kann. Es geht noch offen. Wenn wir uns aber später mit geschlossener Jacke begegnen sollten, würde ich an der Stelle auch ohne Kritik leben können
[09:33, 27.4.2018] B: 😂
[09:34, 27.4.2018] A: 😂😂😂😂😂
[09:34, 27.4.2018] A: Schreib das auf!

So sei es hiermit geschehen!

Anmerkungen

  1. Fotos: Tine Hutzel (Titelbild, 1, 2, 5, 6 u. 7) und Ben Bergmann (3 u. 4)

  2. Ich bin versucht zu schreiben „wird“, gönne mir aber naiven Optimismus und eine positive Perspektive – die Halsschmerzen sind fast weg!

  3. S.a. Schwarze Schafe!

Foto: Live im Ufo Bensbar am 07. März 2018

Foto: Live im Ufo Bensbar am 07. März 2018

Hallo Internet,

gestern habe ich die Probe im Studio mal mitgeschnitten und da dachte ich mir doch glatt, dass ich einen Track davon einfach in den Ring werfe. Morgen – also Mittwoch – gibt’s das alles (Kopf singt weiter: „…und noch viel mehr“) dann analog zu sehen und zu hören.

Weitere Infos in dialogischer Form
————————————————
TITEL:
KANADA kann überall –
und immer eine Reise wert

Er: „Wo?“
Ich: „Hier: Akustik-BAR live am 7. März im Ufo Jugendkulturhaus
Sie: „Wann?“
Ich: „So ab halb 8 ankommen, ab 8 Uhr sitzen, gucken und hören.“
Und beide so: „STARK! Da kommen wir doch glatt vorbei…-und Eintritt?“
Und Ich: „…frei!“
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Wir sehen uns morgen. Heute vorab Material von meiner neuen Studiodashcam (eingerichtet, damit ich mich notfalls vor Gericht verteidigen kann).

Schönen Nachmittag
Euer #clefu

Setlist (voraussichtlich):

  1. Ein gutes Jahr
  2. Virginia
  3. Bedingungslos
  4. Ich gehe nicht
  5. Glück
  6. Paris
  7. Es ist nicht vorbei
  8. Jeden ganzen Meter
  9. Kettcar, Im Taxi weinen
  10. Kanada
  11. Letztes Mal in Köln
  12. Eine Geschichte

Als ich am Samstag aufwache, sind einige Wochen des Wartens ganz plötzlich vorbei und ich denke: Es geht wieder los – und nach einiger Zeit stelle ich fest: Endlich! Ich bin vor einigen Jahren noch häufiger mal auf Geburtstagen, mal auf Betriebsfeier aufgetreten. Dann folgte eine intensive Zeit im Studio und vor allem im Studium und ich hatte das Live-Erlebnis etwas aus den Augen verloren. Wir spielten zwar unsere Auftritte mit Deine Vorstadt, aber auch die waren immer zu schnell wieder vorbei. Der Alltag wirft einen doch schnell wieder zurück in die Routine. „Jetzt ist das vorbei“, dachte ich am Samstag und wusste, dass „jetzt“ zwar manchmal ein ausgesprochen dehnbarer Begriff ist, aber nicht heute.

Endlich wieder mit dem Koffer aus dem Haus

Gegen neun Uhr komme ich in Ehrenfeld an und werde bereits von meinem Freund und Kollegen MF-Production begrüßt. 2015 haben wir gemeinsam das Lied „Schwarze Schafe (Schlaflos in Widdersdorf)“ aufgenommen und waren damit u.a. bei KölnTV zu Gast. Heute spielen wir das Lied gemeinsam in einer Akustik-Version auf der Hochzeit seiner (d.i. MF) Ex-Freundin – eine für den Außenstehenden seltsam anmutenden Konstellation, aber es ist mit dem Bräutigam als Überraschung abgesprochen und mir ganz Recht so, um weder Konflikte noch Peinlichkeiten zu provozieren. Ab 21:15 Uhr ist also klar, dass es wirklich ein gelungener Abend werden könnte.

Verabredet ohne Probe stellen wir gg. 21:45 Uhr fest, dass wir vielleicht doch noch eine kurze, schnelle Durchlaufprobe im Hinterhof einschieben sollten. Eigentlich ist alles klar, aber „eigentlich“ ist ein noch dehnbarer Begriff als „jetzt“ an manchen Tagen. Wir spielen hinter der Küche im Streulicht und Flüsterton, gucken uns kurz an und sind uns einig, dass es eine gute Nummer werden könnte. Dann geht es auch gleich los.

„Wir reden nicht, sondern spielen einfach los!“

Im letzten Slot vor dem Hochzeitstanz beenden wir das Programm der Vorträge, Reden und Videobeiträge und treten ins Licht der Bühne. Nach – ich glaube Michael Jackson – dreht der DJ die Musik runter. Ich fange also einfach an, spiele die ersten vier Akkorde, die die nächsten vier Minuten auch mehr oder weniger die letzten sind und warte, bis sich das Publikum auf uns gerichtet hat. Es wird ruhig, deutlich ruhiger als noch vor fünf oder zehn Minuten und irgendwie überrascht mich die Stille und ich finde es fast schade, da dann sogleich wieder mit brechen zu müssen.

Dann geht es los:  „Unter der Porta Nigra…“

„Unter der Porta Nigra…“ setze ich an und merke, dass meine Stimme heute wirklich ganz gut klappt. Das ist manchmal nicht nur Tagesform, sondern gerade die Stimme ist auch immer ein Indikator für das persönliche Befinden. Scheinbar, denke ich, geht es mir heute wirklich ganz gut und scheinbar habe ich wirklich großen Spaß gerade. Ich hole kurz und tief Luft mit den Augen, da ich ja im Moment weitersingen muss und genieße fortan den Abend und die Aufmerksamkeit. Wir spielen unseren Song akustisch und unverstärkt, haben den ganzen Saal aber trotzdem für uns und mit uns. Es passt heute alles. Song, Publikum – Stimmung!

Ein Lied und keins mehr – noch nicht

Auch dieser Auftritt ist viel zu schnell vorbei. Es gibt einige „Zugabe“-Rufe, aber wir haben nur ein gemeinsames Lied und können den Wünschen an diesem Tag leider nicht entsprechen. Vielleicht werden wir für das nächste Mal und spätestens für die Silberhochzeit einen zweiten gemeinsamen Track produzieren (Verhandlungen laufen bereits!). Hier und heute gehen wir noch „eiskalt“ von der Bühne und genießen den Moment gemeinsam mit allen. An der frischen Luft stehend, begleiten wir dann mit dem Blick durch den Eingang des Saals den Hochzeitstanz, leiten die ganze positive Energie in das Gespräch über und sind noch immer aufgedreht aber glücklich.

Foto Deine Vorstadt bei Köln.tv am 01.03.2016

Kurz bevor Schluss ist bei Köln.tv hatte ich mit der Band die Gelegenheit, dort noch einmal für ein Interview und zwei Songs vorbei zu schauen. So konnten wir unseren 2015 bei mir in der Vorstadt recht spontan gemeinsam mit MF-Production aufgenommenen Song Schwarze Schafe (Schlaflos in Widdersdorf) mal wieder live in einer Akustik-Version spielen. Als zweiten Track hatten wir Routine im Gepäck und ein kurzes Interview gab es sogar noch oben drauf. Und wir haben es alles auf Video!

Das war insgesamt ziemlich neu für uns, aber auch eine wirklich gute Sache. Es war zwar ungewohnt, dass man uns Fragen zur Musik und zur Sache stellt, die wir uns sonst so nicht stellen, aber für’s erste Mal haben wir unsere Sache ganz gut gemacht, finde ich. Und obwohl ich dachte, es sei eigentlich ein kleiner Sender, haben es dann doch viel mehr Leute gesehen, als ich erwartet hätte! Warum der Sender jetzt dennoch offline ist… es ist wirklich schade.

Interview

Schwarze Schafe (Schlaflos in Widdersdorf)

Routine