Clemens Fuhrbach - Jeden ganzen Meter (Artwork Web)

Jeden ganzen Meter

lyrisch. bescheiden. verträumt.

Wir waren fast unendlich / wir waren kurz vor dem Zenit / wann hat der Verfall begonnen / wann kommt wer wo nicht mehr mit?

Album 2016/2017 – Jeden ganzen Meter stellt sich in eine Tradition, erklärt meine musikalische Sozialisation und Entwicklung und es formuliert mein Programm des Glaubens an den guten Augenblick und daran, dass harmonische Gesellschaft gelingen kann, und, dass zwei Menschen, die zueinanderfinden ein hoher Wert sind, für den es sich zu kämpfen lohnt und den man verteidigen muss.

Tracklist

Das Thema ist Liebe

Du bist immer noch sehr schön – in meinen Augen. Ich mag in Deinen Augen das Alter gerne sehen

Jeden ganzen Meter würde ich noch mal gehen auf dem Weg, sich selbst zu versuchen, um etwas zu finden, das einen nicht immer sofort zum glücklichen Menschen macht, aber einen dauerhaft bergauf zurück zum Glück führt. Entwicklung kostet den Prozess der Erfahrung, der nur dadurch ein schöner wird, wenn er ein gemeinsamer ist und bleibt – im Gelingen und Scheitern.

Texte

Ein gutes Jahr

Es ist ein gutes Jahr
um sich zu verlieben
sagt der Hase zu dem Igel
und die Katze trägt die Maus
auf dem Rücken

Extravagant
Extragalant
Extraterrestrisch
ist dieses Land:
Utopia

Denn auch in fabelhafter Harmonie
verändert sich das Grauen nicht
und wird’s im Hunger mal ganz knapp
bricht der Schalk dem Rammler
das Genick

Das Bild der schönen Seele ist längst tot
die Abendsonne scheint, sie scheint
sie scheint blutrot

Und wir laufen über
mitten im Gefecht
Kollision
wird Explosion
Absolution
verpasst

Das Bild der schönen Seele ist längst tot
die Abendsonne scheint, sie scheint
sie scheint blutrot

Und dann geht die Sonne langsam wieder auf
auf die Lichtung tritt ein röhrender junger Hirsch
(und dann geht die Sonne langsam wieder auf)
und die Jagdgesellschaft schießt

Das Bild der schönen Seele ist jetzt tot
die Abendsonne scheint, sie scheint
sie scheint blutrot.

Virginia

Virginia, warum hast Du mich verlassen
Virginia, warum bist Du nicht mehr hier
War das alles was Du brauchtest
Virginia, ich habe keine Angst mehr vor Dir

Ja, ich bin ein Wohlstandskind
ja, das ist ein Wohlstandsbauch
trage alles was der Wohlstand braucht
bedeutungsschwanger bin ich auch

Mein Kind wird sie ändern
mein Kind wird alles ändern
mein Kind küsst die Revolution
mein Kind ist ein Wohlstandssohn

Virginia, warum hast Du mich verlassen
Virginia, warum bist Du nicht mehr hier
War das alles was Du brauchtest
Virginia, ich habe keine Angst mehr vor Dir

Und ja, wir sind von guten Eltern
ja, das hier ist dreifach schön
schau wir sind fast wie die Giganten
lass uns wie Giganten untergehen

Zuerst kam der Blitz
wann kommt der Donner
ich habe gewartet
den ganzen Sommer

Mein Kind wird sie ändern
mein Kind wird alles ändern
mein Kind küsst die Revolution
mein Kind ist ein Wohlstandssohn

Virginia, warum hast Du mich verlassen
Virginia, warum bist Du nicht mehr hier
War das wirklich alles was Du brauchtest
Virginia, ich habe keine Angst mehr vor Dir

Mein Kind wird sie ändern
mein Kind wird alles ändern
mein Kind küsst die Revolution
mein Kind ist ein Wohlstandssohn

mein Kind kennt die Revolution
mein Kind ist ein Wohlstandssohn

mein Kind küsst die Revolution
mein Kind ist ein Wohlstandssohn

Paris

Wir waren fast zusammen
wir waren fast in Paris
wir sind nie dort angekommen
was auch Teil der Wahrheit ist

Wir waren fast unendlichen
wir waren kurz vor dem Zenit
wann hat der Verfall begonnen
wann kommt wer wo nicht mehr mit

Ich hab die Stadt in die Trümmer zerlegt
die sie verdient hat
ich hab sie unbemerkt – schöner gemacht
ich hab die Dinge gesehen
die man vorher vermisst hat
ich hab mich nie – so für was geschämt

Wir waren fast unendlich
unendlich lange unterwegs
wollten jeden Feind bekriegen
dass am Ende der Triumphzug steht

Wir waren fast zusammen
wir waren fast in Paris
wir haben diese Stadt besungen
weil das das Rätsel löst

Wir waren fast zusammen
wir waren fast in Paris
wir sind nie dort angekommen
weil das die Wahrheit ist

Wir waren fast unendlich
unendlich lange unterwegs
wollten jeden Feind besiegen
dass am Ende der Triumphzug geht
mein Kind ist ein Wohlstandssohn

Bedingungslos

Weil sich nicht mehr zu verlieben
nicht die Option ist
muss man Konsequenzen tragen
über die man nicht Herr bleibt

Vielleicht bin ich zu eitel
vielleicht aber auch nicht
ich bin auf jeden Fall sehr stolz
bleib Emotionsfaschist

Wenn ich spreche, dann zu viel
oder eben nicht
und vielleicht ist unser Fehler
dass das genauso bei Dir ist

Aber wenn man morgens aufwacht
traust noch immer nicht dem Gefühl
Du kannst es kaum glauben
dass das so einfach gehen kann
wenn man morgens aufwacht
traust noch immer nicht dem Gefühl
Du bist bedingungslos nicht allein

Unser verschwiegenes Sprechen
hält wie ein festes Band
weil man die Stille zu durchbrechen
immer unerträglich fand

Wenn ich spreche, dann zu viel
oder eben nicht
und vielleicht ist unser Fehler
dass das genauso bei Dir ist

Aber wenn man morgens aufwacht
traust noch immer nicht dem Gefühl
Du kannst es kaum glauben
dass das so einfach gehen kann
wenn man morgens aufwacht
traust noch immer nicht dem Gefühl
Du bist bedingungslos nicht allein

Bedingungslos nicht allein
Du bist bedingungslos nicht allein

Glück

Ich war nie ein großer Spieler
dafür spiel ich immer noch sehr gern
gegen die große Lust am Gewinnen
kann auch ich mich manchmal nicht wehren

Hatte nie Spaß am großen Geld
doch wenn wollte ich es vermehren
aus der Gier gab es kein entrinnen
ich hatte Angst alles zu verlieren

Doch alles was eigentlich zählt
fällt mir plötzlich wieder ein
und ja, das ist irgendwie spät
und scheint doch so einfach
gewesen zu sein

Zyklisch geht Ökonomie zugrunde
danach gehen wir steil bergauf
wenn du dann immer noch dabei bist
hab ich das richtig provoziert
ich habe alles in diesen einen
Nachmittag investiert
alles auf rot gesetzt
und die Spielregeln trotzdem verletzt
denn im Hoffen auf das richtig große Glück
hatte ich stets zu viel Pech

Das Geld, das ich nie besaß
war alles nur geklaut
weil man ohne Kapital
die schönsten Luftschlösser
baut

Denn alles was eigentlich zählt
ist die letzte Flasche Wein
und alles was eigentlich zählt
ist damit nicht alleine
gewesen zu sein

Zyklisch geht Ökonomie zugrunde
danach gehen wir steil bergauf
wenn du dann immer noch dabei bist
hab ich das richtig provoziert
ich habe alles in diesen einen
Nachmittag investiert
alles auf rot gesetzt
und die Spielregeln trotzdem verletzt
denn im Hoffen auf das richtig große Glück
hatte ich stets zu viel Pech

Adieu

Wir haben es gewusst
aber nicht geglaubt
es eifrig verdrängt
und darauf vertraut

Wir haben spekuliert
dass da ein Ausweg ist
wir haben es gehofft
dass man irgendwo die Zeit vergisst

Weißt Du noch als wir uns
am Busbahnhof trafen
konnten nächtelang
gemeinsam nicht schlafen
ich seh Dich immer noch
lieblich wie beim ersten Mal
ich seh Dich immer noch
als hätten wir die andere Wahl

Ich will ein letztes Mal
Deine Stimme hören
ich will ein letztes Mal
in Deine Augen sehen
ich will ein letztes Mal
Deinen Atem spüren
ich will ein letztes Mal
Deine Hände berühren
bevor Du gehst
sag leise adieu

Du schaust in Augen
die nicht in diesen Raum gehören
Du hinterlässt Spuren
die nicht mehr zurück zu Dir führen
bitte lass mich nicht allein
ich folge Dir auf Schritt und Tritt
ich weiß auch, dass das feige ist
doch was kommt wenn unser
Schlussakkord verstummt

Ich will nur ein letztes Mal
Deine Stimme hören
ich will nur ein letztes Mal
in Deine Augen sehen
ich will ein letztes Mal
Deinen Atem spüren
ich will ein letztes Mal
Deine Hände berühren
bevor Du gehst
sag leise adieu

Weißt Du noch als wir uns
am Busbahnhof trafen
konnten nächtelang
gemeinsam nicht schlafen
ich seh Dich immer noch
lieblich wie beim ersten Mal
ich seh Dich immer noch
als hätten wir die andere Wahl

Ich will ein letztes Mal
Deine Stimme hören
ich will ein letztes Mal
in Deine Augen sehen
ich will ein letztes Mal
Deinen Atem spüren
ich will ein letztes Mal
Deine Hände berühren
bevor Du gehst
sag leise adieu

Jeden ganzen Meter

Ich hab tausend Mal gefragt
wie es wohl weitergeht
ich hab tausend Mal gewartet
dass irgendwo, irgendwas mal stillsteht
doch das tut es – nie

Du bist immer noch sehr schön
in meinen Augen
ich mag in Deinen Augen
das Alter gerne sehen
wenn wir stillstehen
und uns ansehen

Und jeden Zentimeter würde ich noch mal gehen
und jeden ganzen Meter würde ich noch mal so hier stehen
und Dich ansehen
wenn wir stillstehen

Ich hab tausend Mal gefragt
wohin die Reise geht
ich hab nächtelang gesucht
ob was geschrieben steht
und nichts gefunden

Du bist immer noch bei mir
in meinen Armen
ich mag in Deinen Armen
die Wege gerne gehen
die wir nicht sehen
wenn wir stillstehen
und uns ansehen

Und jeden Zentimeter würde ich noch mal gehen
und jeden ganzen Meter würde ich noch mal so hier stehen
und Dich ansehen
wenn wir stillstehen

Jeden Zentimeter würde ich noch mal gehen
und jeden ganzen Meter würde ich noch mal so hier stehen

Du bist immer noch sehr schön
in meinen Augen
ich mag in Deinen Augen
das Alter gerne sehen
wenn wir stillstehen
und uns ansehen

Und jeden Zentimeter würde ich noch mal gehen
und jeden ganzen Meter würde ich noch mal so hier stehen

und Dich ansehen

Jeden Zentimeter würde ich noch mal gehen
und jeden ganzen Meter würde ich noch mal so hier stehen

und Dich ansehen

Jeden Zentimeter würde ich noch mal gehen
und jeden ganzen Meter würde ich noch mal so hier stehen
und Dich ansehen
wenn wir stillstehen

Es ist nicht vorbei

Zweitausend und eine Stunde
hab ich gewartet
dass irgendwo, irgendwann
der Abgesang startet

Denn wenn Du dann dabei bist
ist mir doch egal
ist das hier noch Sylt
oder schon Uckermark

Denn was uns verbindet
ist was uns berührt
was uns des Nachts
in die Dunkelheit führt

Weil man immer weiter geht
auch wenn man nichts mehr sieht
und trotzdem versteht
was da blind geschieht
es ist noch immer nicht vorbei
noch immer nicht
noch immer nicht
noch immer nicht vorbei

Im Unterholz
wühlt ein Ungetüm
eine Kreatur
ganz schön ungestüm

Doch was uns verbindet
ist was uns berührt
was uns hinaus
in die Dunkelheit führt

Weil man immer weiter geht
auch wenn man nichts mehr sieht
und trotzdem versteht
was da blind geschieht
es ist noch immer nicht vorbei
noch immer nicht
noch immer nicht
noch immer nicht vorbei

Und wir sitzen hier im Junimond
ich weiß, wie ein König wohnt
ich kenne auch die Gespenster
dort unten am Fenster
warten wir im Neonlicht
ich sehe Deinen Schatten nicht
doch insgeheim, da weiß ich ganz genau
in Gedanken bist Du genauso frei wie ich

Weil man immer weiter geht
auch wenn man nichts mehr sieht
und trotzdem versteht
was da blind geschieht
es ist noch immer nicht vorbei
noch immer nicht
noch immer nicht
noch immer nicht vorbei

Kettcar, Im Taxi weinen

Dass die Zeit sich so beeilt
fällt auch mir ganz langsam schwer
weil man eigentlich doch immer nur
immer noch gern zwanzig wär

Da sind noch so viele Fragen
und noch mehr sind nicht gestellt
ich mein, wann erklärt sich eigentlich
die gottverdammte Welt

Ich mein, ich war nie Balu der Bär
Audrey Hepburn war noch gleich wer
ich bekenne noch ein Defizit
weiß noch immer nicht
wo Wanne-Eickel liegt

Doch es kommt mir alles so vor
als wäre es ein einfacher Sommer
es kommt mir alles so vor
als wäre es noch längst nicht vorbei
und als die Sonne aufgeht
im Osten oder Westen hörten wir
Kettcar, Im Taxi weinen
wir wussten beide nicht wo es langgeht
doch die Schönheit der Chance hat uns geführt

Die Zeit geht schneller als sie kam
ich kam nie wirklich hinterher
mit dem Lösen des Rätsels
ey, das hier ist auch wirklich schwer

Ich mein, ich war nie mit in New York
vielleicht war das gerade klug
wie meinte man wohl „wird schon gut“
als man die Koffer aus der Wohnung trug

Das kommt mir alles so vor
als wäre es ein einfacher Sommer
es kommt mir alles so vor
als wäre es noch längst nicht vorbei
und als die Sonne aufgeht
im Osten oder Westen hörten wir
Kettcar, Im Taxi weinen
wir wussten beide nicht wo es langgeht
doch die Schönheit der Chance hat uns geführt

Ich mein, ich war nie Balu der Bär
Audrey Hepburn war noch gleich wer
ich bekenne noch ein Defizit
weiß noch immer nicht
wo Wanne-Eickel liegt

Es kommt mir alles so vor
als wäre es ein einfacher Sommer
es kommt mir alles so vor
als wäre es noch längst nicht vorbei
und als die Sonne aufgeht
im Osten oder Westen hörten wir
Kettcar, Im Taxi weinen
wir wussten beide nicht wo es langgeht
doch die Schönheit der Chance hat uns geführt

die Schönheit der Chance hat uns geführt
die Schönheit der Chance hat uns verführt

Kanada

Wenn ich einmal groß bin
dann gehen wir nach Kanada
ich glaub ich kenn die Route noch
ich war nämlich schon einmal da

Das nächste Mal nehm ich Dich mit
und wir gehen Schritt für Schritt
miteinander aufeinander zu
ich und…
…und Marie sagt:
„Du träumst schon wieder von Kanada…“

So ein richtig schöner Grizzly
so ein richtig schnieker Pickup
es ist immer gutes Wetter
und im Winter gibt’s auch Schnee

Im Sommer gibt’s die große
große Liebe
und Marie sagt: „Ey, ich sitz doch neben Dir!“
und ich so: „Jou, stimmt!“

Komm Marie, wir gehen nach Kanada!

Denn in Kanada wird jeder Star als Star geboren
die Jahre, die dazwischen kommen, gehen nicht verloren
in Kanada wird jeder Star als Star geboren
die Jahre, die dazwischen kommen, sind nicht verloren

In Kanada wird jeder Star als Star geboren
in Kanada wird jeder Star als Star geboren
in Kanada wird jeder Star als Star geboren
in Kanada wird jeder Star als Star geboren

In Kanada wird jeder Star als Star geboren
die Jahre, die dazwischen kommen, sind nicht verloren
in Kanada wird jeder Star als Star geboren
die Jahre, die dazwischen kommen, gehen nie verloren

Aus der Entstehung

Es ist die Paradoxie echter Avantgarde, dass sie im Voranschreiten und Entdecken des Neuen trotzdem mit ihrer Tradition im Kontakt steht.

Dieses Album entstammt einer sehr persönlichen Entwicklung und ist zugleich als respektvolle Anerkennung derer, die vor einem da waren, der Versuch einer Aufarbeitung eigener Prägung und Suche des Eigenen. Niemand, nicht mal das Genie, kommt aus dem Nichts. Und doch erscheint es manchmal so, als wäre eine Schöpfung völlig ursprünglich und unerhört. Doch ist das mehr als bloße Illusion? Auch dies ist schließlich das Ergebnis einer Transformation des Gegebenen.

Die Bedeutung von Sprache und dem Anderen

Ich knüpfe an Bestehendes an. Das zu leugnen wäre quatsch. Zu glauben, die Collage der fremden Aussagen könne sich nicht in eine neue fügen aber ebenso. Die neue Aussage ist ein eigenes Programm, das sich sprachlich und inhaltlich zeigt. Ich bin Romantiker und es fällt sehr schnell auf: Ich folge der Politik der Versöhnung des Ich mit dem Du und der Welt. Dazu stelle ich mich der Verschiedenheit als Gleichheit. Aus dieser Spannung erfahre ich Fremdheit in der Arbeit durch Sprache. Sprechen ist mehr als bloßer Austausch von Worten und Sprache. Jeder spricht anders, weil die Worte jedem selbst etwas bedeuten. In der Suche nach eigenem Ausdruck im Miteinander geht es daher um Vermittlung des Eigenen im Verständnis des Anderen als Aussöhnung des Konflikts.

Im Verstehen begriffen, die eigentliche Aussage nicht treffen zu können, ist das Erkennen trotzdem sprechen zu können und zur Sprache zu finden das Resultat einer notwendigen Bescheidenheit im Umgang mit Leben und Welt.

Durch die Produktion

Entscheidung zur Reproduzierbarkeit

Ich wollte mal eine „richtige“ Platte machen und musste dafür viele Schritt in der Produktion von Musik lernen. Ich habe viele Stunden Demos produziert und Aufnehmen geübt. Damit bin ich schließlich auf einen Standard und einen Sound gekommen, der mir gefällt, der zu mir passt und der gleichzeitig nicht mehr ist, als ein Zwischenstand und das, was mir eben durch meinen Weg möglich ist.

Seit den Anfängen mit der Band, also ganz früh schon wollte ich selber Musik machen und Entscheidungen treffen. Das war rückblickend eine sehr naive Entscheidung und ich weiß gar nicht, ob es wirklich eine bewusst getroffene war. Dennoch war diese emotionale Führung aus heutiger Perspektive intuitiv der richtige Weg, weil es mich näher zu Aussage und Werk bringt.

Meine Musik ist in diesem Album vollständig und nur durch meine Hände und Ohren gegangen. Das hat man so nicht oft, das ist auch mutig, weil Spezialisten Dinge besser können. Schließlich ist mit dem Abschluss des Albums ein Zeitpunkt erreicht, der für mich einen vom Zweifel begleiteten Abschnitt beendet und an dessen Ende ich mich im Selbstverständnis als Musiker und Songwriter und als produzierenden Künstler erkenne.

Wer frühere Aufnahmen kennt, weiß, dass ich immer wieder mit Synthies und anderen Instrumenten getüftelt habe und auch dieses Mal musste ich mir vor allem eines immer wieder sagen: Du musst weniger machen. So wie Du es machst, wird es vielleicht keine komplizierte Symphonie, aber es ist so, wie Du es machen kannst und es wird besser, je weniger es wird. Es ist so, wie zu Dir passt. Und es ist so, wie Du es machen willst.

Einfaches Rezept mit komplexer Wendung

Gesang – A-Gitarre – E-Gitarre – Bass – Tasten – Drums – das ist die Basis, auf die ich mich bei der Produktion meiner Songs konzentriert habe. Im ständigen Spiel und Entdecken des Neuen, musste ich feststellen, lernen und verstehen: ein guter Song ist nicht von allem zu viel, sondern weniger als alles und gerade dadurch genug. Komposition ist die Frage des ständigen Findens einer harmonischen Balance – was mal besser gelingt und mal schlechter. Es ist eine Tätigkeit als dauerhafte Übung am Eigenen und deshalb bleibt man im Produktionsprozess nur drei Dingen gegenüber verpflichtet: dem Song, seiner Aussage und v.a. sich selbst als Mensch.

Man muss die Suppe nicht erst erfinden, um zu kochen. Und man kann aus einer Kartoffel viele verschiedene Suppen kochen, die alle gut schmecken.

Die Kunst, durch Erfahrung zu lernen, sich selbst nicht zu überfordern, sich nicht zu überschätzen und sich gleichzeitig gänzlich der eigenen Idee hinzugeben und sich dennoch nicht im Song zu verlieren, das zwingt einen in eine Grenzerfahrung. Das Album ist das Ergebnis dieser Auseinandersetzung eines Einzelnen und richtet sich gleichzeitig an ein Publikum der Einzelnen und der Gesellschaft. Man sollte die Platte vollständig durchhören. Dazu ist sie gemacht. Natürlich sind nicht nur Kracher auf so einem Album: Da sind auch Songs bei, die wichtig für das Ganze in seiner Entstehung sind oder an ihrer Position einen Effekt erzielen und so eine Wirkung im Gesamten entfalten.