Kategorie ›Gedichte‹

Kölner Dom, Sonne, et cetera / Rheinboulevard (05. Juli 2019)

Kölner Dom, Sonne, et cetera / Rheinboulevard (05. Juli 2019)

06. Juli 2019

Kölner Dom, Sonne, et cetera // Im Sommer zieht es die Menschen aus der Stadt ans Wasser / in Köln an den Rhein / mit Blick auf zwei Spitzen / die im Sonnenuntergang / sich wie Dornen gegen den Himmel stellen / um noch etwas zu bleiben / heute / dann Nacht. // Wir sitzen am Ufer / morgen schon wieder/ mitten im Sommer / wie die Termiten / wenn die Schicht uns nicht bindet / und der Alltag mal zwei Minuten egal ist. // Sie reden miteinander / im Hintergrund läuft ihre Musik / Generationen vermischen sich / genau wie Milieus / vereint in kalten Getränken / und in dem Bedürfnis nach Sprache / die nicht digital korrigiert wird. // Clickbait sind heute Brezeln für Tauben / gefällt schon 300 / Liebe gekauft / nebenan ‚kennen‘ sich Menschen von Tinder / gefällt schon / *___* / Lückentexte als Integrationsprogramm / deutsche Sprache / will geübt sein. // Sie finden Antworten / gegen den jeweiligen Dornröschenschlaf / Männerquote im Märchen / manchmal lieber Prinzessin… // Sie finden sich kostümiert im Missverständis / und gehen heute nicht auseinander / erst morgen – / anders. // Eine durchgeführte Aktion nennt sich ‚entfolgen‘ / eine andere ‚blockieren‘ / man trifft sich wieder und kennt sich noch immer nicht / aber am Wasser wartet schon die neue Chance / jeden Tag / jedes Jahr / jedes Leben / und sogar noch eins länger. // Gefällt schon / *___* 


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Foto Kalk 19-I (im Sommer)

Foto Kalk 19-I (im Sommer)

22. Juni 2019

Kalk 19-I (im Sommer)

Ich komme in die Kneipe / unverhofft / höre Musik / bin eigentlich längst auf dem Weg nach Hause / also wollte eigentlich gar nicht mehr raus / aber der Sommer ist warm / endlich / und der Sport steckt mir auch noch in den Knochen / die Straßenbahn kommt / als ich doch noch mal aufbreche / ich bin wieder in Deutz / ich bin wieder dort / wo ich… / wie gestern / nur ohne Backstreet Boys / heute ist Phil Collins am anderen Ende der Stadt / das merkt man als ich / den Rhein wieder verlasse / es ist doch etwas kalt / 18° und T-Shirt / „Pussy“ / = sexistische Sprache / „Fuck“ / = das auch / Aus dem Hintergrund: „Wie soll man denn…, darf man denn überhaupt… noch irgendwo und wie denn dann fluchen. Heidewitzka! Oder ist das auch…“ / Die Antwort: Versuch es doch einfach in cool und ganz ohne Beleidigung. / Ich verlasse Deutz / die Fans von heute steigen noch vor mir aus / dann Kalk Kapelle / eigentlich reicht’s auch / der Spaziergang / durch die Nacht / ganz unverhofft. // Hopla / Leute davor / auf dem Heimweg / der Junge kommt heut später nach Hause / Jazz / unerwartet / gegen die Planung / im Sinne der Spontaneität / gegen die Vernunft / bei halbem Gewissen – immerhin. // Dann ist wahrscheinlich bald morgen / wir werden sehen…

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Foto Aus der Werkstatt (16. Mai 2019)

Foto Aus der Werkstatt (16. Mai 2019)

16. Mai 2019

Aus der Werkstatt // …im Prozess. / Mit der Kaffeetasse durch die Zeit / bin noch immer wach / die Folie blättert langsam ab / an uns Beiden / aber verbraucht sehen wir noch nicht aus / auch wenn das Licht sich in die Furchen gräbt / bis unter die weiße Haut, die wir teilen / genau wie den Spaß daran, dass sie / manchmal genau das eben nicht ist / weiß / sondern rot, gelb, grün oder manchmal auch blau oder schwarz / das ganze Spektrum RGB / hell oder dunkel / täglich neue Suche / hindurch durch die Skala / bis man die passende Temperatur gefunden hat / die Stimmung erzeugt / um uns noch einmal / täglich / ganz neu zu entwickeln / und weiter zu machen / was dann irgendwann / durch das Mikrofon / haltbar gemacht / sich noch einmal verwandelt / und unsichtbar ist / wenn man es wieder in den Ohren fühlt, – / und dann im Kopf.

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Foto Hamburg 19-II (11. März 2019)

Foto Hamburg 19-II (11. März 2019)

 

11. März 2019

Hamburg 19-II

/ Ankommen / Fanclub / St. Pauli / Museum / Hans-Albers-Platz / alte Bekannte / Einzahl / Mehrzahl / Konjunktiv / Begrüßung / Indikativ / Reeperbahn / mit Ostblock / Hermann / rauchende Gesellschaft / am Tisch / im Hauseingang / in einem Taxi / Fortsetzung: Altona // Ticket besorgen / Spaziergang / Getränkemarkt mit Wohnungseigentümer / tragen helfen / Runde um den Block / Blick auf Elbe / Bank neben Müttern / mit Wagen und Kindern / eine Kinderlos [sic!] / später zurück vom Friseur / Besuch bei S. und G. / Jever in Küche / [Werbung] / Kompliment / gute Gespräche / Glühbirnen von Decke / dann los / dann: Kino / Goldener Handschuh / Zeise / Film / Horror? / …geht so. / Ausklang mit Zwickel. // Frühstück / verabredet / warten / … / mehr Mütter als gestern / hier keine Väter / Tasse fällt auf den Boden / oder Teller / oder beides / Porzellan zerbricht bei Aufprall / es wird gekehrt / Zeitungen auf Tisch / viele / Forderung: mehr Diversität bei Indianerkostümen / Brötchen / Kindergarten / Busfahrt / Fußball / Altona / Fan in Uniform der Roten Armee mit Bart und Kappe läuft durch die Menge und produziert sich / oder was er damit bezeichnet / Einer setzt sich hin und wankt noch vor der Halbzeit / wohin bleibt offen / Punk / Maschinengewehr / Wrestlingmaske / bald Frauenquote beim Fußball? / Weiter zum Bahnhof / Hermann II / mit W. / „müssten noch was essen“ / Zeit klärt die Frage / dann Geburtstag / *Lücke der Aufzeichnungen* / im Taxi liegen 50 Euro / gute Fahrt / morgen ist Derby. // Das Wetter ist schlicht, der nächste Morgen / auf zum Fanladen, Fahnenlager – Flachmann 4x / später geht die Cola im Catering aus / Stehplatz / Fischbrötchen / Fußball / leider ohne Erfolg / Pyro, Pyro, Pyro / Unterbrechung / … / Pyro / Abpfiff / Ernüchterung / Ausklang des Abends / Essen / 2x / einmal richtig geliefert / Fachleute wissen Bescheid / hier ist heute der Wurm drin / Film / 1, 2 und 3 / Müdigkeit setzt sich durch / morgen Altona / dann: Köln / im Futur / an Spargelfeldern vorbei / in die Heimat // *Abgesang* / Der Hafen, die Lichter, mit Sehnsucht zurück. / Das Herz von St. Pauli befördert das Glück. / Ach Hamburg! Ich muss jetzt nach Hause. / Bis bald.

Foto Mit Dido (13. Februar 2019)

Foto Mit Dido (13. Februar 2019)

 

Mit Dido
.

Mitten in Buchforst
Hupt ein Auto
Zu Didos
Hurricanes
Mitten im Takt
An der Waldecker Straße
Durch die Kopfhörer
In meinen Kopf
Ich warte
Auf die KVB
Hier
Auf die ganze Welt
ab morgen wieder
#Globalisierung
Heute Fußball
Tottenham
Letzte Woche
In Dortmund
Zeitraffer
Stewies Reise
Durch die Maschine
Mit der Zeit
Bin eigentlich nicht so der Familientyp
Nerd vs. @Tocotronic
Roland Barthes
Fühle mich
Neutrum
Grenzüberschreitung
Morgen
Ich liebe diese Stimme
„I will be your safety“
Bitte!
Du mir so
Nahestehende Weiblichkeit
Die mir eigentlich fehlt
Grammatikalisch
Im Pass
Judith Butler
Denke an Holland
Ich brauche einen Künstlernamen!
Dido, Eminem oder einfach Jörg
Über den Rhein
Bald ist Karneval
Vorher Krakau
Der Vortrag wächst
Durch die Figur spreche ich
Durch mich selbst
Und enthülle die
Maskerade
Schüchtern aber
Bewusst
Behaupte ich
Ein Mann zu sein
Ohne Stereotypographie
Eher mit Anstand
Und großer Liebe für
Das Fremde
Die mir fehlt
Und sich heute
Dido nennt
Durch mich
Figur und Projektion
Der eigenen
Unvollkommenheit
Das ist ein Fakt
Tatsache
Stereotyp ›weiblich‹
In Worten: R-o-s-a
Aber eben
Nur die halbe Wahrheit
Oder ein Drittel
Falls die Welt gar nicht binär funktioniert
Ich bin am Neumarkt
Gleich Ehrenfeld
Alles neu
Alles Fußball
Ganz männlich
Denkste
Ich steige aus
Komme irgendwo an
Becks
Auch das schmeckt nicht männlich
Sondern nach Bier
Aber gut
Feierabend
Bald Krakau
Ich bin offensichtlich aufgeregt
Als Mann oder ›Mann‹
Oder Neutrum
Oder generisches Maskulinum
Ist eigentlich auch egal
Vielleicht einfach als Mensch
Der ein Hörspiel liebt
Weil es Figuren in Rollen presst
Die sie eigenständig als Grenze
Erkennen und
Überwinden
Ohne
Die Ambivalenz
Als Unsicherheit
Zu fürchten
Falls etwas schief läuft
#whiteflag
oder Taschentuch.

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Lekker Handball

.
Das Alter zieht einen Schlitten durch jedes Gesicht / manches verstellt es / uns aber nicht / zwei treue Gefährten / und noch ein paar mehr / am Ende des Tunnels / es ist nicht so / als ob da nicht noch Platz für / Weitere wär / .

Man muss mal neue Dinge versuchen / wir waren zusammen / beim Damenhandball / mitten auf St. Pauli / am Rand / in einer warmen / fensterlosen / Sporthalle / schön war’s / … / und queer . /

.
Wir brauchen mehr davon / ich spreche / für alle / und auch / für mich / . / Selbstredend / .

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#stpauli
#horstundwilli
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27. Januar 2019

Hamburg .

So, das war Hamburg.

Das Wetter ist immer noch intensiv, aber mild. Die Bars sind noch laut wie Kriege, obwohl ich den Terminus unpassend finde. Ich habe trotz gutem Angebot mit niemandem geschlafen. Es wird noch oder wieder geraucht. Klamotten stinken. Aber gut. Wir haben immer ein Haar in der Suppe. Da ist es besser einfach mal die Kirche im Storch zu lassen. Oder so ähnlich. Das System funktioniert noch nicht wieder richtig. Ist aber gerade gut so. /

Freunde besuchen führt zu schönen Geschichten. Die kann man nicht schreiben wie man sie lebt. Das ist passiert. Aber ich mache mir mal ein paar Stichworte. Kann ja nichts schaden. /

Außerdem ist es zum Lesen noch immer zu dunkel. /

***

Konservativ gesprochen.

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25. Januar 2019

Lesen
.

1 | Ich musste meine Lektüre vor etwa einer Stunde einstellen / mein Buch hat keine Hintergrundbeleuchtung / ein bisschen schade / hätte gern noch zehn oder fünfzehn / langsame Seiten / gemächlich auf dem Weg nach Hamburg / mal wieder / & endlich / – / gegenüber geht es derweil / gerade erst los / das ist die Digitalisierung / live und in Farbe / lesen digital / Menschheit / heute.

2 | Noch zwei Stunden / noch eine / was tun / nebenan im Abteil Gespräch über Altphilologen und andere Experten / es geht um die Geschichte einer Kirche / vorher war es Elektromobilität / da sitzt rechts ein redefreudiger Macher mit Berliner Dialekt / er hat auf jeden Fall auch eine Geschichte / mit der Kirche / mit Autos und Raststätten / mit Reden gegen die AFD / jetzt sind sie wieder beim Architekten / der Zuhörer / Student / eloquent / „Empathie“ / sexy irgendwie / dachte die Asiatin vorhin / unterstelle ich / dann verlässt sie emotionslos das Abteil / unterstelle ich / erneut / weiter geht das Gespräch nebenan / Berliner arbeitet mit Tastatur und Maus / Firma wurde nach der Wende gekauft / alle entlassen / Student: Empathie, er kennt was aus der Physik / Mehrgenerationenhaus / Familiengeschichte des Berliner Dialekts / einen Stift hat er nicht bei / Zettel und Papier habe ich ihm geliehen / beides / brauchte er nur temporär / das ist die kurze Geschichte / digital.

3 | Ich schreibe mal ein paar Worte / dabei @fortuna_ehrenfeld / Musik kann so schön sein.

4 | Vielleicht liest sie gleich einer im Zug / die Geschichte / oder eine / – / sehe sie beide nicht / die Lesenden / höchstens ein bisschen Instarespons / Smartphone / Akku / Powerbank / willkommen im Internet.

5 | Das Lesen ist jetzt digital / wie unsere Existenz / digital riecht nicht wie das Abteil in dem ich sitze / im durchgesessenen Polster / der blauen Bank / die sich jedes Mal windet / wenn sich einer bewegt / wie die gemeinsame Matratze / keiner schnarcht.

6 | Die Musik fällt aus / Funkloch / Deutschland / 2019.

#Hamburg #Koeln #flixtrain #flixbus #reisen #zugfahrt #unterwegs#strassengedicht #gebrauchslyrik #lyrik #gedichte #poetryisnotdead #schreiben#lesen #internet #digitalisierung #freunde

Neulich: Ich mache ja hin und wieder so eine Art Freestyle-Poesie. Straßengedichte. Gebrauchslyrik. Zettel und Stift oder auch digital. Ab und an ein Foto. Manchmal beginnt es mit einem Wort. Dann schreibe ich, bis es gut ist. Dann höre ich auf. Und lese. Verändere meist nicht mehr viel. Korrekturen? Ja. Dann im nächsten Gedicht.

P.S.: Ich mache auch mal was offensichtlich Fröhliches. Demnächst. Bald. Nicht als Korrektur. Vielleicht als andere Seite. Oder so. Follow the white rabbit on Instagram oder einfach hier.

Schönes Wochenende
der #clefu

+++

Aufrecht und dunkel
begegnen sich selten
und wenn
dann im Verborgenen
dort, wo nur ein Schimmer
vom Tageslicht bleibt
Rest, den man
nicht verdecken kann
wie die Narbe
des ewigen
Lebens
.

Angeblich ewig
sagen
die
Christen

glaube
ich
.

In der Dunkelheit
bekomme ich
meistens
Angst
„… alleine?“
Nicht nur
Auch mit
Anderen
Freunden
Vertrauten
Bekannten
Ehemals Fremden

Aus der Entfernung
höre ich das Rufen
das gar nicht
so düster schallt
weil es meist
ruhig ist
aber ich
höre das Echo
voraus
.

Manchmal
gehe ich trotzdem
Schritt für Schritt
hinein durch die Nacht
und selten begegnet
mir eine*r
noch seltener
die
pure Gewalt
noch seltener
Wahrheit &
Liebe
.

Aufrichtig
gehe ich wieder
und wieder
und wieder
in zwei
Richtungen
eine vertraute
die andere
unbekannt
hin und
her
vor und
zurück
bis es
soweit ist
dass das Licht
sich verrät
und die
Dunkelheit
trägt
.

Und mich
auch
.

 

 

Heute war ein guter Tag /
Punkt.
.

Lange her;
.-
und nicht gesehen

Familie ist ja
eine
sehr spezielle
Angelegenheit.
Die üblichen
rationalen
Denkmuster
greifen da nicht.

Wohlwollend
im Alltag einstudiert
und dann im
entscheidenden
Moment
Bluescreen [Windows-Kind, CF]. Und jetzt
kommt man
trotzdem
zusammen

*Passage gestrichen*
[Anm. CF: Passage intim]
.

Das ist auch
Familie
man versucht es
immer
und
immer
wieder
.

Quasi
professionell
.

Irgendwie
ist das schön
deshalb -:
sitzen sie
mittendrin
ICH
du
WiR
alle
zusammen

& reden
nicht immer
flüssig …
nach all den Jahren
verlernt man
gemeinsame
Sprache
nie aber
das Sprechen
auch wenn
manches noch
wehtut
vielleicht sogar immer
aber man
übt sich
mehr
als
provisorisch
gemeinsam
das Leben
und wo gehobelt …
Blut ist dicker
nicht artig
aber heute “einzig”
spricht das Genie
#unikal
[Anm. CF: Hat jetzt auch #Twitter und #Insta]

Nachwort (glücklich):
Ich brauch das alles heute nicht.
Ich war im Reallife.
Analog.
Krass.
Und.
Gut.

#yes .