Kategorie ›Text‹

Ich war neulich im Auto unterwegs. Wir wollten kurz halten. Haben wir aber nicht; nicht geschafft. Wollten nach Hause. Unbedingt. Ich wollte trotzdem kurz, nur kurz fragen, wer in dem Haus wohnt und ob man sich vielleicht mal treffen könne. Jetzt oder in baldiger Zukunft, wenn wir wieder hier lang kämen. Aber die anderen1 sagten, das sei eine blöde Idee und sowieso sei hier nicht damit zu rechnen, dass man mit offenen Armen empfangen würde. Hier sei nicht das Land der offenen Haustüren und fehlenden Schlösser. Schlösser fehlten mir nie. Das stimmt.

Ich zweifelte und wusste, dass das Hier dünnes Eis war. Aber ich forderte vehement weiter, weil ich nicht sehr an der asphaltierten Richtung hing. Im Verständnis für Passivität als Notwendigkeit wünschte ich, etwas abseits zu sehen und etwas anderes zu probieren. „Die Entdecker, – sind ja auch ins Risiko gegangen“, warf ich ein und beide Personen im Auto schüttelten den Kopf. Sehr synchron, – übrigens. Mein Einwand, es ginge ja nicht um ›Amerika‹ oder ›Indien‹, sondern um „Deutschland” und das sei ja im Prinzip schon entdeckt, blieb unbeachtet. Nach einer Pause schob ich hinterher: „Schon oft übrigens“, aber wusste gar nicht genau, was ich meinte, wenn das Land immer fremd geblieben war.

Man müsse es vielleicht gar nicht ent- sondern nur auf-decken, so wie man sich morgens aufdeckt, bevor man aufsteht und Kaffee kocht, vielleicht eine Kleinigkeit isst und dann zur Arbeit geht. Auf meine Erweiterung2 sagte der Beifahrer, er frühstücke gar nicht, gehe aber zur Arbeit. Gerade deshalb frühstücke er auch nicht, damit er rechtzeitig vor den Kollegen da sei. Die würden „einige Zeit liegen lassen“, sagte er und meinte damit wohl den Umweg über die KITA. „Ich schaffe das gar nicht“, kam dann bestätigend vom Fahrer. Ich verwies diesen darauf, wie man es nicht schaffen könne, vor der Arbeit zu frühstücken, wenn man nicht mal einen Weg dorthin habe, weil man zu Hause sein Büro habe.

Die Antwort war der Bäcker, der vor einigen Wochen insolvent gegangen war. Das Backwerk war drei Minuten weiter, aber kein Grund, überhaupt aus dem Haus zu gehen und ohne Brötchen kein Frühstück. Essen war später dann der gute Grund: Als die Sonne unterging, hielten wir bei Burger King, was schließlich gar keiner war, sondern McDonald’s. Wir hatten zwar vor, bei Burger King zu halten, aber es kam einfach Kilometer weit keiner. Wir schimpften kurz über die Burger und ich aß auch gar keinen, sondern bestellte mir nur einen Kaffee, der groß größer war als erwartet. Dass es schon später Abend war, schien mir dabei nicht in den Kopf zu kommen und an Schlaf war wohl die nächsten Stunden nicht zu denken.

Ich ärgerte mich über die verpasste Chance und bemerkte nicht, dass die Frau, die meinen Kaffee zubereitete, die Tür vorhin gar nicht hätte aufmachen können, weil sie eben hier ihren Dienst tat. Ihr Mann war schon seit mehreren Wochen auf Montage und die Kinder „aus dem Haus“, was hier in der Regel bedeutete: In der Stadt, irgendwo, wo es größer ist und „Hauptsache was los!“ – In der Scheune standen noch fünf letzte Rinder, die „für Burger zu gut“ waren. So hatte es Heinz stolz gesagt, als er ging und nicht mehr wiederkommen sollte.

Hinweis an BM: Dieser Dialog ist keine Nacherzählung und frei erfunden. Ich bitte Dich (sonst fällt es ja niemandem möglicherweise auf) alle möglichen Parallelen nicht auf die Wirklichkeit zu übertragen.

Hinweis an mich: Dieses moralische Kalenderblatt habe ich in sozialen Medien geklaut. Wo und wann, das weiß ich gar nicht mehr. Ich denke auch nicht, dass es dort jemand vermisst. Was ich bemerkenswert fand, als ich die Geschichte las, war, dass der Schreiber wohl offensichtlich ein großes Mitteilungsbedürfnis für seine Geschichte verspürte. Natürlich wusste man nicht genau, ob (a) eine Belehrung durch die Fabel im Märchen erfolgt oder ob (b) die Handlung wirklich so geschehen war. Aber bemerkenswert erschien mir (c) wie offen er sprach. Seine Freunde mussten sich doch darin erkennen oder zumindest wissen, wer aus dem Freundeskreis gemeint sein könnte. Für die räumliche Empirie sprach, dass zu seinem Post Geo-Daten hinterlegt waren. Sie stimmten zwar nur in etwa mit der Erzählung überein, denn er brauchte ja eine Weile von der Fertigung des Fotos und Finden des passenden Filters bis zum Posten des Beitrags später im Restaurant, aber es wäre ein Leichtes gewesen, den Weg zum Haus zu finden. Das Haus an dem ich jetzt klopfe.

 

Anmerkungen

  1. sic!

  2. ›Amplificatio‹ sagen Experten dazu. Experten sind manchmal auch vom anderen Geschlecht oder Frauen. Das geht mich aber nichts an.

Ich habe 2 Hörner
Ich bin gar kein Einhorn1

Anmerkungen

  1. Reingefallen! Ich habe diesen Text nur geschrieben, um dich zu veräppeln und weil gerade alle Welt meint, überall Einhörner zu sehen. Woher der Drang danach kommt, auf der pinken Welle zu surfen – ich weiß es wirklich nicht. Aber es ist kindisch, absurd, ja – vielleicht ein wenig witzig. Aber es ist ein Herdenkomplex der globalen Masse, die ihre Verantwortung für das Tier verweigert, an den Wolf und die Großmutter glaubt. Glaubt; nur, um auf den Prinzen warten zu können, um ihn als Biest zu verachten und um schließlich die  Rechtsschutzversicherung anzurufen, um das Widerrufsrecht einzuklagen. Gott, werd‘ endlich erwachsen, werd‘ Mensch und steh‘ auf zwei Beinen. Lauf selbst und hoff nicht darauf, von vieren getragen zu werden! Und wenn du wen triffst, auf Augenhöhe – gründet eine Laufgruppe.

Foto clementines world

clementines world | HEY . LOW | Foto © 2018 by Tine Hutzel

HEY . LOW

Hier steht der Text1
EINFACH ANFANGEN
„Los! Los…“, rufen die Kinder vom Hinterhof
Ich überlege noch…
Warum eigentlich
Bin kein Kind mehr!
Noch nicht so alt
Schon zu erwachsen
um erwachsen zu sein
Niemand sollte
– je ganz erwachsen werden
[müssen]
und sein…

Wir treffen uns und
warum eigentlich?
warum eigentlich nicht!
wir sind Zwei
Eins und Eins
wir sind viele
sind eins
und
1

Wir sind Zwei
wir machen Fotos
…und schreiben dazu
ein oder zwei Mal
im Monat
wie jetzt
HIER
und: heute
wir sind
Trrrrommelwirbel
zack . bumm
Tadaaa!
clementines . world
komm vorbei
und schau einfach
und uns dabei zu
wir machen die Welt
wie sie passiert
Du machst sie auch
fang‘ einfach an
mach mit
und mach auch
so wie wir

* Jetzt sind wir da! *

ich – du – wir

Beide
& alle
.

***

Anmerkungen

  1. Zuerst veröffentlicht auf https://clementines.world/2018/07/18, Foto © 2018 by Tine Hutzel

Foto Vergänglichkeit I

Am Ende der Nacht / holt sie uns ein. / Die Freiheit / Dinge zu lassen / Dinghaft zu sein. / Nur und einfach nur Mensch / Freund / unter Freunden / Liebende / Seifenblasen im Rauch / im Wind / …o..O..oo.. / Im Garten / die Autobahn im Rücken / im einzigen Gang / mit unseren Maschinen / abseits der Straße . – / wir sind am Rastplatz / im ›Freio‹ / wir sind auf Automatik / sind auf Pause / unsere Motoren / spielen verstecken. / Wir finden uns so, wie Kinder im Alter / spielen zusammen / wenn die Zeit frei ist / und wir nicht daran denken / wie lange sie läuft / oder braucht / um etwas endlich zu schaffen. / Jetzt wieder länger. / Wir feiern / den Ferienbeginn / und scheißen auf’s Zeugnis!

I . Die Hand an der Zigarette

Es ist die Hand. Sie legt etwas hin. Aktiv. Mitten in der Nacht. Fast ist schon morgen. Die Party geht zu Ende. Die zweite in Folge. Heute Schrebergarten. Gestern in der Stadt. Auch ein Garten. Reihenhaus. Geschichte. Geschichten. Gestern trifft sich die Klasse von… deren Alter ich lieber verschweige. Es reicht aber, um sich aktiv daran zu erinnern, was gestern mal war. Und heute eigentlich sollte. Nicht aber (vielleicht: noch nicht) ist. Subtil liegt die Nostalgie über der Hoffnung vergangener Tage. Heute ist alles anders, noch immer sehr gut. Haben nicht alles erreicht. Wie auch? Alles ist viel und kein Maßstab. Manche suchen, andere haben gefunden. Nicht das was sie dachten. Nicht alle. Andere sind mitten drin und deshalb nicht hier. Die Wege sind nicht immer so, dass sie sich kreuzen, wenn man den Abschluss gemacht hat und hinaus in die Welt geht, um sie zu erobern und um dann später einmal so hier zu stehen, die alten Bilder im Rausch zu durchforsten und alles nur so zu sehen, wie man es kann: nicht im Detail, sondern im Großen und Ganzen. Schlicht als Gefühl. Als Mosaik ohne Form. Vollendet ohne Konturen. Ohne Anfang und Ende. Farbe im Jetzt. Und Schwarzweiß.

Unsere Erinnerung ist gemeinsam. Für einen Teil unserer Zeit, die sich einfach verflüchtigt wie der Rauch einer einzelnen Zigarette. Der ganze Aufwand, das Tanzen, das: „Hast Du mal Feuer?“ Das Aufhören können. Das man nicht kann. Das manch einer schafft. Als Zwang gegen Zwang. Man muss doch was leisten! Muss noch was leben. Gesünder, länger und weiter. Wenn nicht bis hin, dann zumindest bis kurz vor die Unendlichkeit. „Und keinen Schritt weiter!“ Vielleicht kommt noch was. Was von der Hoffnung, von der, die man begrub an der Biegung des Flusses. Vielleicht schafft man es mal wieder hin. Und macht es dann wie das Eichhörnchen im Winter, das etwas vergrub und den Schatz fand an anderer Stelle. Just in diesem Sommer. Und der andere Baum beginnt mit dem Wachstum. Ganz unverhofft. Er wächst auch im nächsten Jahr und in dem darauf. Bis ihn  die Kinder beklettern. Bis sie zu groß sind. Bis sie wieder die Schule verlassen, keine Äpfel mehr klauen und hinaus in die Nacht ziehen, statt hinauf auf den Baum. Sich dann einfach finden und am Ende der Welt sind. Zurückkommen. Eine Wohnung mieten und einen Garten. In dem die Kinder bald spielen. Wenn das Planschbecken nicht mehr zur Kühlung der Getränke gebraucht wird, sondern für die Motoren der neuen Generation.

Das ist  noch nicht heute Nacht. Heute ist das Zischen der Flasche, wenn der Kronkorken knickt und die Kohlensäure entweicht. Die Konservierung läuft ab. Der Hauch vergangener Tage liegt in der Luft. Der Alkohol. Wie lange noch haltbar? Mindestens bis… keine Ahnung. Ich stehe auch nicht auf zu viel Nostalgie oder Untergangpanik. Es ist vielleicht noch ein Tag, vielleicht nur ein Jahr. Vielleicht sind es auch zehn oder mehr. Mein Heute ist besser, wenn es nicht gegen das Gestern ist und nicht nur für das Morgen. Zwei Ebenen. Im Gang durch die Zeit. Spielen mit beiden. Auf dem Hochseil. Ungesichert. Im Zirkus. Muss die Hand noch was machen. Noch was, für den Applaus und das Lachen. Wenn der Clown davon ablenkt, dass die Akrobaten erschöpft sind. Erschöpft vom Kunststück in luftiger Höhe. Und er macht was, das bleibt: er zeigt die Freude. Zeigt wie es kommt, nämlich anders. Und wenn nicht so, dann halt so. Für die gemeinsame Strecke. Dafür hat sich’s doch gelohnt! Oder nicht?

Foto Vergänglichkeit I

II . Haribo . Seifenblasen . und Tabletten

Wir sind groß geworden mit Teeniefilmen, die jetzt die Filme der Eltern sind. Zwanzig Jahre vorbei. Einfach so. Als wäre nichts passiert. Und wenn man sich daran erinnert, wie viel dann doch. Wie oft die Hand etwas getan. Getragen oder gesucht. Tastend durch die Welt. Findend oder nicht. Es bleibt ein Lachen im Gesicht, wenn die Äpfel vom Baum fallen und einer sie sammelt und den Kuchen macht, für den Geburtstag. Wenn die Kinder sich sammeln. Oder die Erwachsenen. Oder beide. Und einfach feiern und vergessen, dass es manchmal auch wehtut. Nur nicht, wenn man fällt von dem Hochseil und Glück hat, dass einer ein Netz spannt. Dann fällt man sicher. Kommt mit dem Schrecken davon. „Es kam noch mal anders!“ Sie schütteln sich. Erschrocken. Und lachen. Und verwischen die Schminke im Gesicht. Wenn sie sich treffen, umarmen und lieben und nüchtern sich sagen: es geht noch was weiter. Verwunderung liegt in der Luft. Verwunderung, Lust und der Mut und der Aufbruch, es noch mal zu wagen oder einfach zu tun, ohne zu wissen…

Der Kater streunt durch die Nacht. Aber kennt sein Revier. Das Zuhause. Dort, wo man lebt. Kehrt wieder ein. Hier. In das Haus. Jetzt. Unser Haus. Die Stimmung ist gut. Auf dem Siedepunkt. Bis einer ruft, der vorher nicht da war: „Ab, alle ins Bett!“ Die Nachtruhe setzt ein. Wir setzten sie aus, solange es ging. Aber es geht halt nicht länger. Der Körper geht irgendwann ganz von allein. Er liegt da und man möchte noch weiter, aber man kapituliert. Seltsam stellt sich Beruhigung von selber ein. Ganz natürlich. Wir hinterlassen Reste im Garten. Gehen hinaus in die Stadt. Wir sind das Treibgut. Nehmen Tabletten. Statt Haribo. Die Party ist over. Und wir sind noch immer nicht satt, aber müde. Kommen morgen und räumen auf, dass der Garten uns bleibt. Noch ein Jahr. „Nur noch eins!“ Und vielleicht noch eins. Damit wir dann wieder vergessen, wie lange es dauert, bis das Dunkel so hell ist, wie die Glut einer Zigarette und das Licht der Lampe – ihr schimmerndes Feuer, das heute noch brennt. Auch wenn es längst wieder hell ist und der Kopf noch was wehtut.

Portrait unter Palmen © 2018 by Tine Hutzel

Es sieht ein wenig so aus, als wären wir in Thailand oder auf Bali unterwegs.1 / Schrilles Licht. / Lebendige Nacht. / Begrüßung durch Palmen. / Mitten in der Stadt treffen wir uns heute in der Stapelbar. / Nachdem wir unterwegs waren, um Bilder zu machen. / Fotos. / Das erste Mal auch – im Tausch. / Gerichtete Perspektive. / Gemeinsamer Blick. // Waren: am Bücherschrank. / Lesen an der brüchigen Bank / aus zweifelhaften Büchern. / Mensch bleibt stehen. / Zuhörer & -schauer. / Dann weiter. / Vor dem Kiosk. / Radler stürzt von der Bank. / Noch ein Radler. / Junge Frau mit Fahrrad geht in den Kiosk / kommt wieder raus. / Wartet. / – / Wartet. / Wartet / und fährt. / Unterhaltung. / Draußen. / Drinnen. Im Kiosk. / Am Kühlschrank. / Im Licht. / Mit Weingummi / im Glas. / Eine fragt: „Wofür?“ / – Wissen wir auch nicht – / „Was macht ihr damit?“ / – Das ist noch nicht klar – / – Irgendwas mit dem Internet – / – dann ziehen wir weiter.

Chlodwigplatz / fast. / In einer Einfahrt. / Vor einem Gitter. / Wechseln uns ab. / Dann: Auto. / Dann: Noch ein Auto. / „Lassen Sie sich nicht stören!“ / Die Stimmung ist gut / wie das Wetter. / Es ist Sommer in der Stadt. / Wir sind woanders. / Machen so weiter. / Köln ist jetzt Urlaub. / Wie damals Kanada / aber anders. / So etwas wie Arbeit / ohne Plackerei. / Pausen sind wichtig! / Noch mal „Zum Pitter“ / – Präsenz – / Handschlag.  / Umarmung. / Kölsch. / Pils. / Draußen sitzen. / Feierabend. / Straßengespräch. / Gespräch über Bindungen. / Gespräch über Gespräche. / Gespräch über Verhalten. / Verhalten. / & handeln. / Austausch von Erfahrung / und von Erleben. / Fragen bleiben offen / zusammen. / Wir ziehen weiter.

Durch die U-Bahn / Linie 17. / Unter die Erde. / Mitten im Licht. / Rolltreppen / und Beton. / Große Räume. / Wenige Menschen. / Nur eine Bahn. / Statt zwei / wie sonst. / Größer geplant. / Wenige fahren hier – (noch?). / Wir fahren nicht mit / gehen zu Fuß / über der Erde. / Bis zur Lücke / Gedächtnisverlust: ›Severinstraße‹ / sezieren die Welt / miteinander / gemeinsam als Zwei i-i / und jetzt Drei i-i-i / Autonome / Untersuchung / in sensiblen Schnitten / durch die Wirklichkeit / als wären wir – Naturwissenschaftler / … mit Abschluss / und / oder / Talent. / Sitzen noch einmal neben dem Brunnen / schießen letzte Bilder / dann Bahn / dann Stapelbar / Portrait unter Palmen.

Portrait unter Palmen © 2018 by Tine Hutzel

*** 1.-
Lange her, da hatte ich auch eine Kamera. / Lief durch Paris und andere Städte … London! / Machte ein paar Bilder. / Ein paar waren gut. / (Wirklich) / Andere nicht. / Dann kam das Handy. / Die Kamera ging kaputt. / Man dachte, man braucht nie wieder ein neues Gerät… / … / – dem ist aber nicht so. / Die Bilder wurden viele / zu viele / und unscharf / ohne Sortierung. Hauptsache Insta. Hauptsache SOFORT!

*** 2.-

Wir ließen  uns treiben . so einfach dahin . und machten . wie man es so macht . macht man es . falsch . auch . wenn mann das Neue probiert . nicht als Fehler . nur mutig . sich auch aus den Augen verliert . die Kontrolle geht mit . und gut ist dann . wenn keiner das trifft . oder wenn . dann aber gefällig.

*** 3.-

Es ist schwierig ein wirklich gutes Foto zu machen. Das passiert im Kopf und dann im Gerät. Dann durch die Nachwirkung. Auch heute noch braucht ein gutes Bild eine Phase der Entwicklung und die Dunkelkammer, als wäre das negativ nie weg gewesen. Positiv wird das Bild erst dann, wenn man es wirklich begreift und dazu macht. Und dann als eigene Welt in die Wirklichkeit schickt, als wäre es ein statisch bewegter Moment im Gestern und Heute und im ewigen Kreis. Einfach nur Farbe auf Leinwand. Leuchtend schön. Beruhigend dynamisch und einfach nur sichtbar, für jeden der schaut mit dem eigenen Körper, den wirklichen Augen und ihrer Optik als Feinsinn. Man sieht durch sie anders und durch das Gerät. Zwei Perspektiven. Erweiterte Welt. Beides real.

Anmerkungen

  1. Foto: Tine Hutzel

HIER KÖNNTE IHRE WERBUNG STEHEN?
 NEIN, DA STEHT JA SCHON ANDREAS!

Wir sind zwei oder drei.
Manchmal vier.

Wir sind zusammen
 Ich und Wir
 und eins noch:

 WIR SIND DIE GUTEN

 

***

Wir haben gestern –
 im Eifer des Gefechts

  (ich wurde heute
für einen Soldaten
gehalten,
   das zweite Mal
seit 2006!)

   – gleich drei gute Fotos gemacht.

   Das ist überhaupt nicht redundant.
Das ist das Leben.

Es folgt: Gebrauchslyrik.

Heute ist noch nicht vorbei 
Morgen ist Feiertag
Freitag ist Konzert
Samstag ist Fußball
Sonntag ist…
…die Woche zu Ende!

 

***
Dieser Text ist ein Echo.

8. Mai 2018

Wir sind die Guten

Zwei tapfere Gestalten,
 manchmal auch drei oder vier
 nur Einer schafft es so
 zum ganzen Wir.

     Bald ist’s so weit!

          Noch zwei Stunden
          Zwei Stunden nur
           dann sitzen wir
           zusammen und reden
            und schauen uns an
            und sind alle ganz da
            und ganz wirklich.

        Im Hier. Jetzt!
        VOLLKOMMEN, analog.

     ***
     Wir sind die Guten

     Wir treffen uns
      um uns wieder zu treffen
      um uns wieder zu sehen
      um uns wieder davon zu erzählen
      um uns so zu genügen
      um uns daran zu erinnern
      um neue Wege zu gehen
      um wieder zu stehen
      um uns zu fühlen, zu lachen,
      um Hände zu halten – und zu tanzen!
       und zu springen! Bis der Puls heftig schlägt
       und das Blut eifrig fließt
           bis unter die Haut.

     Wir sind die Guten
        wir sind
        zwei junge Wilde
        inmitten der Herde
        die gesunde Komplikation
        des stärkeren Lebens
         ganze
         und doch so fragile
         durch alle Fehler hindurch
         reine Existenz.

Wir sind alles
 seit gestern
 schon heute
 für morgen!

Foto HNY

Da ist das neue Jahr / das gestern noch nur Zukunft war /
Ist jetzt schon alt / wie meine Schuhe / tragen mich noch gut /
Durch Buchforst / frühst um 6 / in Stille / dunkelblau / 
 zwischen kaltem Feuerwerk vermisse ich die Vögel
Kein Kiosk, kein Bäcker – keine Hundebesitzer
Ausgestorben ist der Weg / über die Brücke /
 nur unten fahren Autos im offensichtlich ewigen Fluss
  in alle Richtung / nur entgegengesetzt 
  gehe gegen die Einbahnstraße / ins Scheinwerferlicht / 
  Kapuze / Blick gesenkt / in Gedanken / Musik / 

Die Nacht ist längst schon Morgen / doch es ist
  als wolle sich die neue Zeit / Erfahrung aus der alten borgen

Für ein paar Stunden / nur / steh‘ oben / auf dem Berg /
Seh‘ Licht und Schatten / ein paar Häuser / keins im Innenhof / Stille (auch hier) / 
 dringt durch die Fenster / höre das Atmen /
wie der Bauch sich bewegt / 

 das laute Schweigen / wie es aus der Zeit sich erhebt / und alles ist gut / 
 wie man lebt und man liebt / und liebt wie man’s tut / im Guten / im Schlechten / 
 Positiv nie in Gefahr / weil Negativ der Ansporn bleibt / das Bild zu entwickeln

     Nicht nur Sand fließt 
       stur nach unten     

Doch ich hüpfe oben / wie ein kleines Kind / nicht trotzig / selbst / bestimmt / Ich / schreie lauthals / lachenderweise /
 und dann: schlafen wir uns gemeinsam an / ganz in Ruhe / sind endlich voll da / zweitausend die Zeit / achtzehn das Jahr 

Und wieder / und kommt / und geht – / und gefühlt / – nur ein Morgen / das Land / wie die Leute / das Ich / und das Selbst / das Du mit mir ist / persönlich es schafft / sich etwas von gestern für heute zu borgen / und es macht / wie das Kind / wenn es oben auf spielt / und die Zeit / und der Sand / nur in alle / und eine Richtung / verrinnt / – / und das ist / dann / – willkommen / – / – im Jetzt. //

Foto Freunde

Foto FreundeSuppe gekocht ✅
Krautsalat gemacht ✅
Kartoffelpürree angesetzt ✅
Brathähnchen eingerieben ✅
Arbeiten
 noch etwas
Fitnesstudio
 dann
Kiosk
 vielleicht
Belohnungsbier (?)
 vielleicht!
Ofen
 an
Dusche
Warten auf S.***

 Und dann:
 ist auf einmal
 wieder alles gut.

  [ Notiz ]
    Blutdruck 
    120 / 70 
    gefühlt
     nicht
      gemessen.
  [ Ende ]

Denken an 
        L.

___


Geteilt mit der Öffentlichkeit:
    Weihnachtsessen verpasst.
    Leider. Trauer mächtig.
    Bier –
    verzapft!
    Terrasse
    Hopfenpool
    Heute:
    kleine Version.
    Alles kleiner.
    Außer die Freundschaft.
    Die ist groß.

Foto Morgen, Kinder - auch die Alten

Zu Weihnachten, da gibt’s Geschenke
und auch manche Schnapsgetränke
nicht für Kinder, ganz gewiss
die trinken nur die Reste
weg vom Tisch

So schlafen alle munter ein
kommt einer leise wach herein
durch den Schornstein
mit viel Wunder
ein Sack dabei, ganz voll
– alles, nur kein Plunder

Unter’m Christbaum sammeln sich
nachts für alle Schlafenden
die wach geworden, nicht vergessen!
die Reste noch vom Abend essen

Und plötzlich steht ein jeder da
als wär der Heiland doch noch wahr
denn da liegen Kisten mit viel Liebe
eingepackt für’s Herzgetriebe
– auch die Alten fühlen das
den ewig jungen Kinderspaß

So startet dann der Tag noch jung
mit Familienfreudenwunderung.