Relaunch 2017

Es ist lang geworden – und dieses Mal meine ich nicht den Text (den muss ich ja jetzt erst noch schreiben), sondern die digitale Abwesenheit. Eigentlich wollte ich 2013 einen Reset starten, dann noch einmal einen letztes Jahr und mittlerweile ist es 2017 und es ist ganz schön viel passiert in der Welt und in unser aller Leben. Viele Menschen mit denen ich gemeinsame Abende in den Kneipen dieses Landes verbracht habe, in Clubs getanzt (ja, das ist früher wirklich passiert) oder Konzerte gespielt habe, heiraten dieser Tage, sind schon verheiratet oder zumindest kurz davor, haben vielleicht die ersten Kinder und kommen in der nächsten Phase der eigenen Entwicklung an.

Presse - Foto: Tine Hutzel © 2017

In den letzten Wochen und Monaten bin ich immer wieder ganz unverhofft alten Freunden und Weggefährten begegnet. Ganz offen wurde ich gefragt, was ich mache, was die Musik macht oder auch das Studium. Ich habe viele Gespräche geführt, erzählt und gelacht und es war ganz oft genauso wie früher, nur ein paar Jahre später und etliche Erfahrungen reicher. Da waren ganz viele tolle Dinge dabei, die man gar nicht alle mitnehmen und aufsammeln kann.

All die Geschichten, die man sich nicht ausdenken kann und die jeden von uns begleiten sind so großartig, man kann sie nicht alle erzählen. Doch mir ist eines aufgefallen: Meine Mitmenschen halten es für selbstverständlich, dass ich meinen Weg gehe, wie sie ihren. Und sie erwarten, dass ich meine Geschichte so erzähle, wie ich es mache. Nicht als biographischen Mitschnitt eines Egozentrikers, sondern als Gefährte durch das Leben, der eben eines tut: Musik machen und Text schreiben.

Für denjenigen, der produziert, den Künstler oder wer auch immer das sein mag, für den ist jede Entwicklung einer Idee oder Vorstellung immer nur eine Bearbeitung – letztlich ein Zwischenstand. Man befindet sich immer auf dem Weg. Mal auf diesem, mal auf einem anderen: das kann man aber niemandem „verkaufen“ und so muss man hin und wieder mal seinen Frieden mit dem Istzustand machen und daraus etwas Vorzeigbares herstellen. Sonst läuft man Gefahr, nie irgendetwas zeigen zu können oder zu wollen und dann verpasst man nicht nur sein Publikum – so klein es auch sein mag, es gibt da ja eigentlich ein Publikum für alles und jeden -, man verpasst auch sich selbst auf diese Weise. Und das ist nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders.

Mit dem Zwischenstand leben und lernen

Nach dem Ende meines Studiums im letzten Jahr und der Fertigstellung meines Albums Jeden ganzen Meter war eigentlich schnell klar, dass ich wieder eine Präsenz online entwickeln möchte. Offline zu sein – da fehlte mir etwas. Leider waren mir in den ganzen Versuchen, die ich während meines Studiums bemüht hatte, etwas Stringenz und Ausdauer abhanden gekommen. Mit dem Blog oder Tagebuch bewegte ich mich im Zwischenraum von Privatheit und Öffentlichkeit und kam zu keinem ständigen Format – auch weil mich das Leben links wie rechts überholte.

Doch eines habe ich auch aus dieser Zeit mitgenommen: Man wird nicht in das Web 2.0 hineingeboren1 und zumindest ich gehöre noch zu einer Generation, die sich nicht originär als Content-Produzenten begreift. Fehlten mir einerseits also kontinuierliche und ernst zu nehmende Inhalte, blieben die anderen Formate unausgereift. Im fragmentarischen Entwicklungsstadium stand so die nackte Kunst im Spiegel der Welt, nur um sich die eigene Unreife einzugestehen. Das musste irgendwann ein Ende nehmen, denn mein Anliegen war es, das hier noch einmal neu und richtig in Angriff zu nehmen.

Editorial - Foto: Tine Hutzel - 2017

Nicht nur im Studio entwickelte ich mich in den folgenden Jahren weiter, sondern ich schrieb auch und lernte ein bisschen mehr in der Gestaltung und Entwicklung von WordPress und Typo3. Etliche Entwürfe später führte mich das dann im letzten Jahr dazu, musikalisch und im Studium einen Punkt zu setzen. Ich wollte auch wieder online in die Welt hinaus, schreiben und wandern. Allerdings war es hier wie dort das gleiche Spiel, nämlich Überforderung an allen Fronten: viele Ideen, viel ist machbar – fast alles – aber was mache ich und welche Potentiale kann ich erschließen. Wie arbeite ich sinnvoll im Medium, ohne mich damit gleichzeitig unter Druck zu setzen oder mich dauerhaft zu überfordern. Dinge wieder von der Liste streichen – das war gar nicht so leicht.

Alles  neu macht der – September

Die Struktur dieser Seite ist nun relativ simpel gehalten. Es gibt drei Kernbereiche, die meine Projekte präsentieren: MusikTextTheorie. Unter Musik stelle ich meine Solo-Projekte und die Projekte mit der Band vor. Die Projekte und Veröffentlichungen bekommen nach und nach auch noch Detailseiten, wie sie für Jeden ganzen Meter und Am Fluss schon vorhanden sind. Außerdem werde ich meine Songtexte hier unter Text als Lieder aufnehmen. Dort findet man zudem auch schon einen Teaser zu meinem aktuell laufenden und ersten längeren Prosa-Projekt sowie die fortlaufend im Blog erscheinenden Kategorien: Geschichten, Fragmente und Gedichte. Gerade die Umsetzung von Typographie und Schriftsatz machen mir in der lyrischen Schreibweise noch des Öfteren zu schaffen (das kann v.a. die mobile Ansicht schon mal zerschießen). Ergänzend zur Darstellung spreche ich die Texte nach und nach im Studio als Hörversion ein und stelle sie über Youtube zur Verfügung.

Bevor mich das Leben wahrscheinlich an eine unserer Schulen in NRW führen wird, liegt mein Fokus aktuell auf der Arbeit an meiner Dissertation. Auch dieses Projekt stelle ich hier vor und begleite es zukünftig durch einen Blog. Im Blog finden sich darüber hinaus Geschichten aus dem Alltag und neue Erlebnisse oder aktuelle Entwicklungen. Nicht jeder Tag ist es wert, in einem öffentlichen Tagebuch stattzufinden und nicht jeder Arbeitsschritt oder Gedanke einen Blogeintrag wert. Das musste ich lernen, denn die Beiträge brauchen Zeit und Aufmerksamkeit, um im Rahmen meiner Möglichkeiten einen gewissen Standard zu erreichen. Und auch wenn man an das Schreiben gewöhnt ist, ist auch nicht jeder Tag einer, um Text zu schaffen und Inhalt zu schöpfen. Deshalb ist es auch ganz gut, dass ich noch eine Kiste voller Legos im Rücken habe. Da sind noch etliche Anekdoten oder auch alte Geschichten, die wir gemeinsam erlebt haben und die ich noch einmal neu erzählen kann. Da wäre zum Beispiel die Frage, wie wir eigentlich damals zur Vorstadt gekommen sind und warum wir die Band gegründet haben…

Tine Hutzel

Menschen mit dem richtigen Blick

Ich schreibe die Geschichte.

Immer wieder treffe ich auf neue und ganz tolle Menschen, führe intensive Gespräche und Unterhaltungen voller Leidenschaft. Aber es ist abseits dessen ein großes Geschenk, dass mich über die letzten Jahre so viele tolle Menschen begleitet haben und, dass ich viele davon ganz regelmäßig auch sehe und sprechen kann. Manche sieht man häufiger als andere, aber das ist in unserer globalen Welt nicht zu vermeiden. Und doch ist es ganz oft so, als wäre man gerade zur Tür hinaus und habe nur etwas vergessen. Der Kater am Morgen hat sich noch immer gelohnt.

Danken möchte ich an dieser Stelle nun vor dem Abgesang nur noch Tine Hutzel, die mit mir neue Fotos gemacht hat und ganz bald noch einmal ein paar mehr machen wird. Dank geht auch an die eigentlichen Macher der Vorstadt, die eine Festung der Menschlichkeit bewahren und meine über die Jahre arg gewachsene Produktionsstätte behüten. Bald geht es auch wieder los mit der Band (19.-21.09. im Sommerkino) – die Finger jucken nach ein paar Wochen Sommerpause doch arg. Und zum Ende des Jahres werden dann auch unsere neuen Aufnahmen fertig. Dazu erfahrt ihr hier dann auch bei Zeiten mehr.

Es ist lang geworden…

…und dieses Mal meine ich den Text, der länger geworden ist, als ich anfangs gedacht hätte. Wer es kurz und knapp haben will, für den habe ich eben noch ein kurzes Video produziert und bereitgestellt. Es verbindet Blümchen und Westernhagen, Musik und Text als Bild. Trotz der vielen Wochen der Entwicklung – von denen eine der Hauptaufgaben das Kürzen zum Ende hin war – werden sich hier sicher noch einige Fehler verstecken, die ich im Stadium der Betriebsblindheit nicht erkannt habe. In solchen Fällen bitte ich um Nachsicht und bestenfalls um eine kurze Infomail. Über die nächsten Wochen und Monate wachsen sich diese Kinderkrankheiten dann hoffentlich raus.

Ich freue mich, wenn wir uns mal wieder im analogen Leben treffen und bis dahin lade ich Dich jetzt nur noch ganz herzlich dazu ein, einfach ein bisschen mitzulesen und teilzuhaben an der Geschichte, wie ich sie hier schreibe und erzähle.

Danke für Aufmerksamkeit und bis bald!

Dein Clemens

Anmerkungen

  1. Schon gar nicht in eine Arbeitswelt 4.0